Fritz Hanke – Geschichte zum Anhören
Mein Großvater Fritz Hanke hat einen Audio-Bericht hinterlassen. Wir möchten diesen Bericht nun veröffentlichen, da er auch Menschen außerhalb der Familie dienen kann, Geschichte zu verstehen und aufzuarbeiten. Teilweise sind recht harte Kriegsberichte aus dem 2. Weltkrieg enthalten. Fritz Hanke war Sohn einer Unternehmerfamilie, welche mehrere Fabriken in Schlesien (z.B. Göhlenau – Golińsk) betrieb. Dort wurden unter anderem Rollos für Fenster hergestellt. Außerdem gab es eine Fabrik für Werbemittel. Diese Seite soll immer mehr wachsen und damit ein Stück Geschichte sammeln.
Im Jahre 2026 habe ich erfahren, dass die Frage der Mittäterschaft in der NS-Zeit im Rahmen eines Ausgleichsverfahrens intensiv durchgeführt wurde. Dazu sind nun Akten aufgetaucht, die ich in Zukunft hier mit einarbeiten werde.
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Fritz Hanke erzählt von seiner Kindheit – Göhlenau
Vollständiges Transkript der 20 Tonaufnahmen · 31.063 Wörter · 264,7 Min Gesamtlaufzeit
Zusammenfassung
Auf diesen Tonbändern erzählt Fritz Hanke (geboren im März 1927 in Göhlenau, Kreis Landeshut, Niederschlesien) seine Lebensgeschichte – von den Wurzeln der Familie im 19. Jahrhundert bis zum Neuanfang in Westdeutschland nach 1945. Trotz des Titels reicht die Erzählung weit über die Kindheit hinaus: Sie führt durch Kaiserreich, Weimarer Republik und Nationalsozialismus, mündet in den Kriegseinsatz des Siebzehnjährigen an der zusammenbrechenden Ostfront und endet mit Verwundung, Vertreibung und beruflichem Anfang im Westen.
Herkunft und Familienbetrieb
Der Stammsitz der Familie lag in Trautliebersdorf bei Landeshut, nahe dem Kloster Grüssau. Der Großvater gründete in der Gründerzeit in Göhlenau eine Fabrik für Rouleaux (Holzdraht-Rollos), Jalousien, Rollläden und Markisen und später eine Steindruckerei für Abziehbilder auf Porzellan, mit Export bis nach Italien und Amerika. Eigene Wasserkraft, eigene Stromversorgung, rund fünfzig Beschäftigte und Werkswohnungen prägten den Betrieb. Der Großvater – ein selbstherrlicher Patriarch, zugleich Amtsvorsteher und Ortspolizeibehörde – starb im Dezember 1926, wenige Monate vor der Geburt des Erzählers. Der Vater (geboren 1888, im Ersten Weltkrieg bei Tannenberg verwundet) übernahm und modernisierte die Firma; die Mutter stammte aus Hannover, war katholisch und gebildet.
Kindheit in Göhlenau
Fritz Hanke wuchs in wohlhabenden, großbürgerlichen Verhältnissen auf. Er schildert das Familienleben mit Personal und Dienstboten, die cholerischen, aber schnell versöhnten Auseinandersetzungen zwischen Großvater und Vater, die ausgedehnte Jagd des Vaters (Kreisjägermeister) und kleine Begebenheiten wie die eigens gebaute Bahnhaltestelle des Ortes. Aus zahlreichen Anekdoten entsteht das Bild einer selbstbewussten Unternehmerfamilie in der schlesischen Provinz.
Im Nationalsozialismus
Zu diesem Themenkomplex liegen zwei Quellen vor: die Tonbandschilderung von Fritz Hanke (im Wortlaut belegt) und die mündliche Schilderung seines Sohnes C. Hanke. Beide sind hier getrennt wiedergegeben.
1) Schilderung von Fritz Hanke – mit direkten wörtlichen Belegen
Der Betrieb florierte weiter. Der Vater war Parteimitglied (NSDAP); sein Sohn zählt rückblickend dessen Funktionen auf (zu finden unter: „mein Vater als Parteimitglied, also ein Kapitalist wäre und Offizier wäre, und außerdem Krasiegameister wäre, also lauter Nazi-Ämter“ – Teil 3, Abschnitt 4; „Krasiegameister“ = vermutlich Kreissiegelmeister). Für vorbildliche Sozialeinrichtungen erhielt er die „Goldene Fahne“ der Deutschen Arbeitsfront (zu finden unter: „er hatte ja die sogenannte Goldene Fahne, da war er sehr stolz bei den Nazis“ und „Also deutsche Arbeitsfront waren die Nachfolger der Gewerkschaften“ – Teil 1, Abschnitt 2). Leerstehende Fabrikgebäude verpachtete er an den Reichsarbeitsdienst (zu finden unter: „die ganzen Gebäude verpachtet an den Reichsarbeitsdienst“ – Teil 2, Abschnitt 1).
Eine geforderte Erweiterung der eigenen Produktion (Verdunklungsrollos) lehnte er ab (zu finden unter: „müsste eine Stacheldraht um die Firma gezogen werden“ und „die da Zwangsarbeit machen müssen“ – Teil 2, Abschnitt 1); stattdessen überließ er ein leerstehendes Grundstück einem unter Albert Speer organisierten Rüstungsbetrieb, der feinmechanische Teile für das Flugzeug He 111 fertigte (zu finden unter: „in einer Verwaltung, die unter Speer zur Verfügung gestellt wurde“ und „der hat spezielle Geräte für die He 111, also für Flugzeuge, aber kleine feinmechanische Sachen“ – Teil 2, Abschnitt 1). Daneben strebte der Vater mit dem Pächter der Landwirtschaft die Selbstversorgung an (zu finden unter: „in den Zustand der Selbstversorgung zu kommen“ – Teil 2, Abschnitt 2).
Am Rande blitzt die Verfolgung auf: Der Unternehmer Hoppe hielt seine jüdische Frau versteckt (zu finden unter: „dass er eine Frau versteckt hatte, eine jüdische, seine Frau“ – Teil 2, Abschnitt 1); nachdem Nachbarn ihn verrieten (zu finden unter: „Dann haben die das verraten“ – Teil 2, Abschnitt 1), wurde die Frau von der Gestapo geholt (zu finden unter: „dann ist diese Frau plötzlich von der Gestapo abgeholt worden“ – Teil 2, Abschnitt 1). Auch Zwangsarbeiter werden erwähnt, bei der Räumung der Kaserne (zu finden unter: „also Zwangsarbeiter waren das. Damit hatten wir nichts zu tun“ – Teil 2, Abschnitt 9).
2) Schilderung von C. Hanke (Sohn)
Quelle: mündliche Überlieferung von C. Hanke (Sohn von Fritz Hanke), mündlich an Arno weitergegeben. Diese Angaben stammen nicht von den Tonbändern, sondern ergänzen und relativieren die Tonband-Schilderung; sie sind bislang nicht dokumentarisch belegt.
Verbindung zur Familie von Moltke. Urgroßvater Hanke habe der Gräfin Moltke zugesagt, dass Menschen, die versteckt werden mussten, bei Golinsk (Ort wie überliefert) bleiben könnten. Der Sitz der Familie von Moltke – Kreisau (Krzyżowa) in Niederschlesien – war ein Zentrum des „Kreisauer Kreises“, einer Widerstandsgruppe gegen den Nationalsozialismus.
„Persilschein“. So nannte man in der Nachkriegszeit umgangssprachlich ein Entlastungs- bzw. Leumundszeugnis, das jemandem eine „weiße Weste“ bescheinigte (nach dem Waschmittel). Die Gräfin habe geholfen, einen solchen Schein zu erhalten; mit ihm sei Opa Hanke auf der Flucht nicht „an die Wand gestellt“ worden. Nach Auffassung der Familie sei ein Persilschein kein Beleg für Schuld – im Gegenteil: Hier bürgte eine Familie des Widerstands für ihn. Ein entsprechender Brief solle vorliegen.
Keine Zwangsarbeiter. Opa Fritz Hanke senior habe keine Zwangsarbeiter beschäftigt; die Aufträge seien aus einem Ministerium gekommen (Rollos für Gebäude). Das deckt sich mit dem Tonband, wonach der Vater den mit „Stacheldraht um die Firma“ und Zwangsarbeit verbundenen Ausbau ausdrücklich ablehnte (siehe oben).
Prüfung im Entschädigungsverfahren. Im Rahmen der Schadensersatz- bzw. Ausgleichsansprüche sei dies untersucht worden; der Heimatbund habe es geprüft. 1990 habe es eine Entschädigung von 30.000 Euro gegeben (Betrag und Währung laut mündlicher Angabe; 1990 vermutlich D-Mark); der Vorgang sei auch in Israel geprüft worden – ohne diese Prüfung wäre keine Entschädigung gewährt worden. Die Akten über das Ausgleichsverfahren wurden inzwischen aufgefunden und sollen demnächst gesichtet werden.
Kriegsdienst eines Siebzehnjährigen
Im Frühjahr 1944 wird Fritz in Trautenau gemustert. Es folgen der Arbeitsdienst beim „Ostwallbau“ im Oderbruch (mit einer schweren Lungenentzündung), ein letztes Weihnachten 1944 im überfüllten Elternhaus – voller Ausgebombter und Flüchtlinge aus Ostpreußen – und am 4. Januar 1945 die Meldung zur Nachrichtentruppe in der Kaserne Linz. Nach kurzer Ausbildung wird seine Einheit an die Neiße bei Penzig verlegt und in eine Kampfgruppe eingegliedert.
Front, Verwundung und Kriegsende
Als blutjunger MG-Schütze erlebt Fritz im Frühjahr 1945 die verlustreichen Abwehrkämpfe. Ihm werden Volkssturmmänner von 65 bis 70 Jahren zugeteilt, von denen mehrere neben ihm fallen; er beschreibt Scharfschützen-Episoden und den Feuerschein des brennenden Dresden. Bei einem Gegenstoß wird er an Knie und Gesicht verwundet; mit seiner Zigarettenration erkauft er sich die Fahrt zum Hauptverbandplatz Görlitz. Es beginnt eine lange Lazarett-Irrfahrt durch das Sudetenland – die Mutter findet ihn und verhindert eine drohende Beinamputation. Das Kriegsende am 8. Mai 1945 erlebt er im besatzungsfreien Schwarzenberg im Erzgebirge, zunächst in amerikanischer, dann in sowjetischer Gefangenschaft.
Flucht und Neuanfang im Westen
Seine Schwester Annelore reist quer durch das zerstörte Land, erwirkt bei einem sowjetischen Leutnant einen Passierschein und bringt den Verwundeten heraus. Über einen gefährlichen Grenzübertritt gelangt er im Dezember 1945 in den Westen, durch das Lager Friedland (mit DDT-Entlausung) bis nach Göttingen, wo die Splitter im Knie mit einem deutschen Telefunken-Suchgerät geortet und entfernt werden. Nach der Genesung beginnt er eine Lehre beim Elektrizitätswerk im Raum Kassel; die Eltern kommen erst 1947 als Heimatvertriebene nach. Die Aufnahme endet mitten in einer Anekdote aus der Lehrzeit.
Geschichtliche Einordnung
Niederschlesien – eine deutsche Industrielandschaft
Göhlenau lag im Kreis Landeshut am Fuß des Waldenburger Berglandes, nahe Grüssau, Friedland und Waldenburg – eine seit Jahrhunderten von Textilgewerbe und Bergbau geprägte Region und bis 1945 Teil der preußischen Provinz Schlesien. Der Aufstieg der Familie ist typisch für die wirtschaftliche Dynamik der Gründerzeit nach 1871. Der Verweis auf die hungernden Handweber Mitte des 19. Jahrhunderts erinnert an die soziale Not, die der schlesische Weberaufstand von 1844 und Gerhart Hauptmanns Drama „Die Weber“ bekannt machten.
Weimarer Republik und monarchisches Bürgertum
Die Episode der „Mostrich-Fahne“ – die Ablehnung der schwarz-rot-goldenen Republikfahne zugunsten des kaiserlichen Schwarz-Weiß-Rot – steht beispielhaft für die Distanz vieler bürgerlich-konservativer Honoratioren zur ersten deutschen Demokratie. Diese Haltung schwächte die Republik und ebnete dem Nationalsozialismus mit den Weg. Auch die Inflation von 1923, die das Familienunternehmen hart traf, klingt an.
Im „Dritten Reich“
Der Bericht zeigt, wie sich ein mittelständischer Betrieb im NS-Staat einrichtete: die „Goldene Fahne“ der Deutschen Arbeitsfront (Nachfolgerin der zerschlagenen Gewerkschaften), der Reichsarbeitsdienst und das Reichsjagdgesetz von 1934 mit Göring als „Reichsjägermeister“. Inwieweit der Betrieb in die Rüstungs- und Zwangsarbeitswirtschaft eingebunden war, bleibt quellenkritisch offen: Auf dem Tonband lehnt der Vater einen Ausbau mit „Stacheldraht“ und Zwangsarbeit ab, der Sohn (C. Hanke) bestreitet jede Beschäftigung von Zwangsarbeitern, und ein Entschädigungsverfahren soll dies geprüft haben (siehe „Im Nationalsozialismus“). Die Verbrechen des Regimes erscheinen in der Erzählung nur am Rand – in der versteckten und schließlich deportierten jüdischen Frau –, doch dieser Hinweis macht die Realität von „Arisierung“ und Terror greifbar.
Das „letzte Aufgebot“ 1945
Der Jahrgang 1927 gehörte zu den zuletzt eingezogenen, halben Kindern. Nach der Aufstellung des Volkssturms im Herbst 1944 und der sowjetischen Großoffensive – Weichsel-Oder-Operation im Januar 1945, dann die Niederschlesische Operation – wurden Sechzehn- und Siebzehnjährige gemeinsam mit Greisen an die zerfallende Front geworfen. Hankes Schilderungen von veralteten Waffen, von neben ihm fallenden Volkssturmmännern und vom Feuerschein des am 13.–15. Februar 1945 zerstörten Dresden sind ein eindringliches Mikrobild dieser Endphase.
Flucht, Vertreibung und das Lager Friedland
Mit dem Vormarsch der Roten Armee begann die Flucht, und nach der Potsdamer Konferenz im August 1945 die organisierte Vertreibung der Deutschen aus den Gebieten östlich der Oder-Neiße-Linie; Schlesien kam unter polnische Verwaltung. Millionen verloren ihre Heimat. Hankes Weg über das Grenzdurchgangslager Friedland bei Göttingen – ab September 1945 eine zentrale Drehscheibe für Heimkehrer und Vertriebene – und die späte Ankunft der Eltern 1947 stehen für das Schicksal einer ganzen Generation Heimatvertriebener und ihren mühsamen Neuanfang in den Westzonen.
Quelle und Perspektive
Es handelt sich um einen persönlichen, im Rückblick erzählten Zeitzeugenbericht – subjektiv, geprägt von Erinnerungslücken und gelegentlichen Verwechslungen und im Transkript zusätzlich durch die automatische Spracherkennung verzerrt (besonders bei Eigen- und Ortsnamen). Erzählt wird aus der Sicht einer wohlhabenden, dem Regime nahestehenden Unternehmerfamilie, weshalb die Verbrechen des Nationalsozialismus eher am Rand erscheinen. Gerade darin liegt der dokumentarische Wert: Der Bericht zeigt, wie eine konkrete deutsche Familie diese Jahre erlebte und deutete. Einzelne Jahreszahlen und Namen sollten bei Bedarf anhand weiterer Quellen geprüft werden.
Teil 1
Abschnitt 1
Von unserem Wohnsitz in Hofgöhlenau fuhren wir manchmal gemeinsam mit unseren Eltern in Richtung Landeshut. Auf dem Weg dahin kamen wir an einem sehr malerischen Dörfchen vorbei, das hieß Trautliebersdorf. Da zeigte mein Vater immer nach links auf ein größeres Gehöft. Das, meinte er, sei der Stammsitz seiner Familie. Ich habe es nachher recherchiert. Mein Urgroßvater, obwohl der jüngste Sohn, hatte den Hof also nicht selbst übernommen, sondern hatte sich in Friedland niedergelassen und dort eine sogenannte Leimsiederei gehabt, die ihm zu irgendeinem Vermögen verholfen hat.
Er hatte selbst drei Söhne. Mein Großvater, unser gemeinsamer Vorfahr und Arne Fritz Hanke, war der jüngste dieser drei Söhne. Und jeder der Kinder hatte 3000 Goldmark von seinem Vater erben können. Der Großvater war offensichtlich doch ein ganz tüchtiger Unternehmer, natürlich gefördert oder etwas motiviert auch durch die Gründerjahre, in denen er damals lebte, hat er dann eine sogenannte Roulon-Jalousiefabrik gegründet. Da habe ich einen Katalog mitgebracht, den kann ich dir zeigen. Ich will jetzt einfach mal ganz locker berichten, was ein bisschen den Großvater charakterisiert.
Er hat eine Frau aus Friedland kennengelernt und Trautliebersdorf war ja ein Ort unmittelbarer Nachbarschaft des bekannten Zisterzienserklosters, zu unserer Zeit waren dann die Benediktiner darunter, Klostergrüssau. Und die lebten, man sagt, unter dem Krummstab, da soll man ja ganz gut oder besser gelebt haben als unter anderen Landesherren. Die haben sehr viel getan für die Förderung der Landwirtschaft und ihrer Untertanen und dergleichen. Aber sie waren natürlich alle katholisch. Und er hat aber dann eine Frau geerbt, nicht geelig, aus Friedland, eine geborene Sandmann und die war evangelisch.
Und merkwürdigerweise, meine Eltern oder Großeltern hatten ihr Grab auf dem familiären Friedhof und die Eltern, also der Leinweber, der Großvater war noch katholisch und durch diese evangelische Heirat, trotzdem waren die Gräber dieser Urgroßeltern am katholischen Friedhof. Ich weiß nicht, wie das kommt. Ich weiß, dass normalerweise die katholische Kirche nicht so tolerant war, wenn jemand dann seine Kinder evangelisch werden ließ. Denn der Großvater war evangelisch. Also er war ein sehr inklusiver Mann, bestimmt ein sehr tüchtiger unternehmerischer Mann, der seine Chancen nutzen konnte, da gibt es einige Beispiele.
Aber jetzt mal zur Geschichte. Er war relativ beleibtermäßig, vor allem im Laufe der Jahre als Unternehmer, wo er nicht mehr so stark handwerklich oder sonst wie gearbeitet hatte. Da hat er einen Spinatbinder essen sollen, das ist an die Wand gespissen, wie die Großmutter erzählte. Er hatte aber auch ein offensichtlich ein gutes Händchen und viel Glück in den Geschäften und dergleichen mehr. Da wurde eine Geschichte erzählt von meinem Vater, ein ungarischer Pferdehändler. Der war in Friedland und Umgebung, hat er eigentlich sehr gute Pferde verkauft und ein Teil der Pferde waren also, wie sagt man, die Leute waren ja Kenner seinerzeit, weitgehend.
Man wollte eben Autos bewertet, konnten sie Pferde beurteilen und hatte dann auch zwei Pferde gekauft für seinen Kutschwagen, war sehr stolz darauf und es war gut und preiswert, hatte aber das nicht bar bezahlt, sondern irgendwie einen Scheck gegeben. Ich habe dann nachher nachgelesen, dass das Scheckgesetz erst 1931 stammte, aber irgendwie muss er wohl telefoniert haben oder so, die Sparkasse, und gesagt haben, er sollte sich dort das Geld abholen. Inzwischen hat im Dorf ein Bauer, der sehr naiv war und wenig Geschäftsberichte, bei dem Pferdehändler auch ein Ross gekauft und hatte das aus seinem Sparstrumpf in Goldmark bezahlt.
Und dann wurde im Dorf nachher dieser Mann aufgeklärt und jeder jagte, also versuchte den wieder einzufangen und das eben abzujagen oder wie auch immer und die Gendarmerie wurde gefegt. Und dann ist er ganz schnell mit dem Rest seiner Golde, die er noch nicht mehr äußert, hat er abgehauen und der Großvater musste also für die Pferde nie etwas bezahlen, weil der Kerl einfach das nicht bei der Bank eingelöst hat. Dann war er ein selbstherrlicher Patriarch und beispielsweise stand er morgens am Fabriktor, da waren so etwa 50 Mitarbeiter, die er jedem natürlich persönlich kannte und freundlich begrüßte, guten Morgen Herr Sobinoch oder Frau Sobinoch oder Frau Langerinoch und so weiter.
Und einer hat nicht wieder zurückgegrüßt, war irgendwie verärgert, weiß ich was er hier angetan hatte, ich könnte mir vorstellen, er hat manchmal sehr rumgebrüllt, also irgendjemand fühlte sich gekränkt, die Frau, und da sagte er, konnte sie nie grüßen, du dumme Gacke. Ja und dann hat er sich etwas selbstherrliches geleistet, das sollte ich ehrlich sagen, er gehörte mit zu den toten Gräbern der ersten Demokratie, vor allem bei der Republik. Ein Landrat hatte sich bei ihm angemeldet, weil er war Amtsvorsteher der Gemeinde Göhlenau, er hatte so ein Schild, es stand da noch Amtsvorsteher und Ortspolizeibehörde.
Und in dieser Burde hat der jetzt, vorher hat der abgedankt, das muss so Anfang der 20er Jahre gewesen sein, noch immer, ich weiß das, der langjährige oberste Landesvater, der Präsident der Republik, Ebert, weil es nicht funktioniert hatte, ja die ganze Regierung und die Religio und das Recht schaffen war, hatte die Leute im Amt belassen und der war sogar befreundet mit dem Landrat, der immer noch an seinem Auto die schwarz-weiß-rote Fahne, das wurde auch geduldet. Und jetzt plötzlich wurde ihm berichtet, es ist ein sozialdemokratischer Landrat und der hat eine schwarz-rot-goldene Fahne und für den war das ein ganz suspektes, ablehnte und als Mostrich-Fahne bezeichnet.
Und da hat er dem Partner gesagt, ein Auto mit einer Mostrich-Fahne, die kommt nicht auf meinen Hof. Und da ist der Landrat gekommen, musste aussteigen, der Pfarrer ist draußen vor dem Tor mit dem Auto geparkt und sitzen geblieben und er musste immerhin so an die 200 Meter bis in das Privatkontor zu Fuß mit seiner Ackentasche sich an den Fabrikbesitzer ranarbeiten, um dann ihm zu kombinieren zu können. Und dann hat er sich etwas selbstherrliches geleistet, das sollte ich ehrlich sagen, er gehörte mit zu den toten Gräbern der ersten Demokratie, vor allem bei der Republik.
Ein Landrat hatte sich bei ihm angemeldet, weil er war Amtsvorsteher der Gemeinde Göhlenau, er hatte so ein Schild, es stand da noch Amtsvorsteher und Ortspolizeibehörde. Und in dieser Burde hat der jetzt, vorher hat der abgedankt, das muss so Anfang der 20er Jahre gewesen sein, noch immer. Ich weiß, dass der langjährige oberste Landesvater, der Präsident der Republik, Ebert, weil es nicht funktioniert hatte, die ganze Regierung und die Religio und das Recht schaffen war, hatte die Leute im Amt belassen und der war sogar befreundet mit dem Landrat, der immer noch an seinem Auto die schwarz-weiß-rote Fahne, das wurde auch geduldet.
Und jetzt plötzlich wurde ihm berichtet, es ist ein sozialdemokratischer Landrat und der hat eine schwarz-rot-goldene Fahne und für den war das ein ganz suspektes, ablehnte und als Mostrich-Fahne bezeichnet. Und da hat er dem Pfarrer gesagt, ein Auto mit einer Mostrich-Fahne, die kommt nicht auf meinen Hof. Und da ist der Landrat gekommen, musste aussteigen, der Pfarrer ist draußen vor dem Tor mit dem Auto geparkt und sitzen geblieben und er musste immerhin so an die 200 Meter bis in das Privatkontor zu Fuß mit seiner Kackentasche an den Fabrikbesitzer ranarbeiten, um dann ihn zu kombinieren zu können.
Ja.
Abschnitt 2
Mein Vater hat ja so lustige Sachen erzählt. Der Lehrer hat auf Schule, in die mein Vater ging, in Köhlenau, hat den Kindern gesagt, seht zu, morgen kommt der Landrat und da zieht euch einmal ein bisschen gepflegt an und auch möchte ich sehen, dass alle möglichst mit Schuhen und Strümpfen in der Schule erscheinen. Denn manchmal im Sommer bin ich fast barfuß, wenn es draußen ein bisschen kühler war. Und der Vater auf jeden Fall gehörte ja zu den Wohlhabenden in der Gemeinde und konnte es sich leisten, immer in Schuhen zu kommen.
Mein Großvater hat zu ihm, als der Vater ihm das erzählt hat, gesagt, gar nicht rein. Ich habe es barfuß gesehen. Er soll die wirklichen Verhältnisse sozialdienstlich, soll man dem Mann nichts vormachen, er soll die Realitäten sehen. Also das war wohl seine Absicht dabei. Da hat er eben wieder den Stachel gelegt und der Vater, mein Vater war der Einzige unter den Schülern, hat der Lehrer gefragt, ob es für ein armer Junge ist und so weiter. Das lässt sich vorstellen, nicht dass es ihm peinlich war. Ja, und dann waren aber andere Geschichten, die etwas umstritten sind.
Mein Vater hat ja manchmal auch etwas angegeben. Er hat mir erzählt, ich habe das dem Rolf erzählt, deinem Onkel, beim Konfirmandenunterricht hätten sie beigebracht bekommen, man sollte doch mindestens, wenn man mittags gemeinsam ist, meistens war das nur am Wochenende oder Sonntag der Fall, sollten die Kinder ein Gebet sprechen. Und das, komm Herr Jesus, sei unser Gast, sehen wir was du uns beschert hast, also das übliche Gebet. Und da hat er das auch versucht durchzusetzen bei seinem Vater. Und dann hat der geantwortet, wenn der jetzt wirklich kommt und genauso verfressen ist wie du, dann reicht es, kann ich euch gar nicht mehr alle ernähren.
So hat der Rolf gesagt, weißt du, das glaube ich nicht, das war doch ein sehr wohl, die Großeltern christliche Menschen und er könnte sich das nicht vorstellen. Naja, ich weiß nicht, wer nur recht hat. So, das waren so einige Dinge. Achso, der Kutscher, Gula, das war so ein Faktotum, der hat nachher die Autos traktiert. Das heißt, mein Vater, der regte sich immer auf, der hat gesagt, die Autos, kein Wagen, so hochjagen, nicht die Motoren, da machte immer alle die von einem zum anderen, machte ihm Spaß, das Gas voll durchzutreten, kurz und klein.
Aber das Kutscher war also sehr wohl sehr flissen und konnte eher dieses Handwerk. Und da war so ein kalter Winter, 30 Grad Kälte hatten wir schon mal, nicht auch 20 Jahre oder wann das war, noch vor dem Ersten Weltkrieg. Und sein Bruder, der hatte, der Bruder des Großvaters, eine Kneipe, ich wusste nicht, ob gepachtet oder ob er sie besessen hat, das war in Friedland die Burg, also das erste Haus am Platze, wo auch die Stammtische der Honoratoren waren. Mein Vater noch immer mit dem Apotheker, mit dem Gänsertieser, der Apotheker, den Dr.
Godubiel, Hausarzt und Amtsgerichtsrats. War das nicht der Vater von der Käthe, der Godubiel? Nein. Der war ja bei Neuwohle. Ja, ja. Und dann, also Kenberg ist der Amtsgerichtsrat oder Amtsrichter, kurz und klein mit dem hatte er Doppelkopf gespielt und noch all solche Sachen zur Zeit meines Großvaters, war diese wahnsinnige Kälte und der Kutscher sollte also zur Polizeistunde, das war wohl nachts um zwölf oder was, ihn abholen und dann ist er also in die Kneipe gekommen und hat gesagt, die Pferde, die erfrieren, wenn ich sie hier stehen lasse, ich bin schon fünfmal um den Ring herum gefahren mit denen und was soll ich denn jetzt machen, kommen sie jetzt, nö, die Herren waren da aber so festgesessen, dass sie da noch viel zu erzählen, das ja nicht aufgroßwillig war und sollen noch die Keule rein, da haben sie mich an die Theke gestellt und getränkt von der Mammzelle oder von der Wirtin dort und die Platten wurden dann da entschärft.
Das waren jetzt die Keule von deinem Großvater. Der Großvater hat sie reingeholt? Ja, der hat gesagt zu dem Kutscher, holen sie doch nichts, kann er, der ist ja schon mit dem Auto gefahren. Der muss sofort her. Ja, eben, also so war das. So, das waren solche Sachen. Dann noch eine Geschichte, eine Erzählung, eine Cousine von meinem Vater, die war seine Privatsekretärin, die wohnte über der Arne, zu meiner Zeit, oben, da hatten sie so Dienstbodenzimmer und die war so ein bisschen schräg unterm Dach und so weiter, ganz gemütlich, ich musste immer hingehen, die Schularbeiten hat sie kontrolliert, weil sie gutes Deutsch konnte und alles sowas, gebildete Frau war und die sagte mal, dein Vater und der Großvater, die waren im Privatkontor und das hatte auch noch zu meiner Zeit zwei Türen, die innen verkleidet waren mit Leder und gepolstert und mit dicken Nägeln war dieses Leder so in solchen Rauten da so dran und dass man kaum eigentlich etwas hören konnte, wenn da gehandelt wurde, aber die haben sich in solch einer Lautstärke angeschrien und wir haben gezittert, das ganze Büro, damals hatte ich noch kein Vorzimmer, sondern saß mit den ganzen anderen Schreiberlingen und Schreibern mit etwa zehn Leuten da in diesem Büro der Holofabrik und wir hatten Angst, dass das schief geht, dass die sich totschlagen gegenseitig oder dass der Sohn enterbt wird und dass die ganze Firma pleite geht oder solche Ideen, Ängste hatten sie, dann sind die nach etwa einer oder anderthalb Stunden des Wortgefechts so leiser und dann haben sie ganz einträchtig und freundlich gemeinsam aus dem Büro heraus und es waren beides Choleriker, die im Grunde nur aufbrausten und wahnsinnigen Spektakel veranstalten konnten und sich aber auch wieder sehr schnell beruhigten und schnell wieder versöhnt haben.
Da hatte dein Vater die Geschäfte schon übernommen zum Kreis. Wohl noch nicht ganz. Aber auch der steckte da schon im Geschäft. Ein bisschen drin. Ja, wohl ja. Man muss feststellen wohl aus den Berichten, dass er doch sehr aufbrausend war, sehr cholerisch, sehr autoritär auch, herumkommandiert und herumschnauzte und so weiter. Aber das war halt damals auch die Zeit, in der das wohl noch weitgehend üblich war, so ein Kommandoton. Also hat man sich wohl nicht sehr dran gestört. Also sehr schön war, Vati erzählte immer, wenn irgendetwas auf dem Tisch fehlte, musste Minna die Leiter holen und auf die Leiter steigen und sagen, was fehlt.
Muss man sich mal vorstellen. Ich weiß nur noch, wir haben also früher auch den Christbaum geschmückt, nicht? Zu meiner Zeit. Aber das machte der Vater auch schon mit irgendeinen Hilfskräften, Dienstblüten und so weiter. Und die Räume waren relativ hoch, so vier Meter fünfzig oder was. Und die hatten ja aus dem eigenen Wald dann eine Tanne gestartet. Also die Tanne, die musste wirklich symmetrisch hergerichtet werden, wie aus einem Bilderbuch einer Zeitung. Das machte man so, dass man die auch in der Tischlerei auf eine Werkbank abstützte, hinten und vorne.
Und dann wurden Äste versetzt. Wenn links einer war, musste synchron dazu oder symmetrisch ein Ast eingepflanzt werden auf der anderen Seite und so weiter. Und dann wurde das Ding also in dieses Zimmer gebracht und auf dem Ständer befestigt und so weiter. Und dann waren zwei Lehrlinge, einer aus dem Büro und einer aus einem Betrieb, also aus der Tischlerei wohl. Und beide, der Opa saß in einem Lehnstuhl und kommandierte oben, kommen jetzt drei Knoppen oder vier ringsrum, dann nächste Etage und so weiter. Das musste alles, was rechts war, auch links, die Kerzen zuletzt oder zuerst die Kerzen.
Da gab es ja noch keine elektrischen, die waren Wachskerzen. Also jedenfalls war das alles so, sagen wir mal, preußisch stramm und kommandomäßig die Durchführung. Ja, das war ein Perfektionist sozusagen. Ja, und der Rolf erzählte mal, er hätte also in seiner Eigenschaft als Ortspolizeibehörde auch sehr streng regiert. Er hatte einen Polizisten unter sich, einen Dorfpolizisten, und der hatte auch die Möglichkeit, einen Landstreicher, der da irgendein Stück Wäsche geklaut hatte von einer Leine oder eine Gans oder sonst was, in den Spritzenhaus einzustellen und ihn dann vorzuführen.
Und der wurde da in das Privatbüro geschleift und so weiter und wurde dann erheblich links und eben als vernommen und fast abgeurteilt. Also er hatte alle möglichen Vollmachten. Und dann ist mal eine Mutter gekommen, das hat der Rolf persönlich erlebt, wie er sagt, die hätte sich beschwert über die Unbotmäßigkeit ihrer Tochter. Die war so 15, 16 Jahre alt, das Mädchen gehorchte nicht mehr, machte nicht die Arbeiten, die man ihr aufgetragen hat, bummelt, war schlampig, wie auch immer, was und so weiter sie vorzuwerfen hatte.
Und nun hat sie sich auch noch patzig der Oberrichkeit, dem Amtsvorsteher gegenüber aufgeführt. Und das hat ihm so gereizt, hat er eine Reihe Peitsche von dem Mal gerissen und in einem Gewürz, wo sie durchgebrannt ist, durchgebrannt. Das war damals alles so selbstverständlich, die Gebrungeheiten, diese absoluten Gewaltausführungen. Ja, zu Zeiten meines Vaters ist folgendes passiert, die hatten ja, er hatte ja als dritte Sache, das musste ich dann ja natürlich irgendwie mal erläutern, also er hat ja angefangen diese Roulot-Fabrik.
Und die Idee, es gab, oder es ist eben gekommen, es gab ja noch Handleber. Du kannst das nachlesen in einer Chronik, dass zum Mittel des 19. Jahrhunderts noch etwa 80 Leute an einem Handlebstuhl, das waren Leute, die waren zum Hungerleiden verurteilt, nachdem die Textilindustrie, die Girstock und so weiter, das ist von Gerhard Hauptmann ja auch romantisiert worden, es gab einen Leberaufstand und so weiter. Die Leute hat er angehört und hat ihnen einen Lebstuhl hingestellt, ob es den fertig gab, ob er ihn hat konstruieren lassen, weiß ich nicht.
Eine Holzdrahtweberei. Holzdraht kam aus dem Bayerischen Wald importiert, das waren entweder runde Stäbe oder so flache, längliche und relativ elastisch. Und die wurden in solch einem Hand durchgeschoben und dann machte der diesen hier und dann verkreuzten sich die Fäden und die Stäbe waren also miteinander verbunden. Nun konnte man das mit einem lockeren Geflecht machen, indem man also nur sagte, ich nehme also nur 100 Fäden auf der Länge von der Breite des Büros oder das Ganze soll ganz dicht sein. Das waren eigentlich sehr gut wärmedämmende Einrichtungen, trotz Doppelfenster.
Also wir hatten zum Beispiel noch außerdem ein solches Rollo immer noch im Winter, um also den Wind von Norden kam abzuhalten und so weiter, weil der durch die Fenstermenge ein bisschen durchflüsterte. Also als Innenrollo. Ja, aber das kannst du sehen in dem Katalog, den habe ich hier mit. Was, glaube ich, ein gutes Geschäft war, es gab, ich weiß nicht, ob nur in katholischen Gegenden oder auch überall, die Kirche hatte ja damals doch noch sehr viel mehr Macht und Gewicht, verlangte, dass alle Geschäftsleute ihre Läden zumachen mussten, also die Schaufenster, die waren ja nun nicht so gewaltig groß wie heute, aber wir hatten immerhin einen Webstuhl, ich glaube von 4,50 Meter Breite, wo also immer noch ein Mann da sein, der musste das Ding durchschieben und der andere musste diese machen.
Und dann konnte der Geschäftsinhaber, der dieses Rollo kaufte, ein Wappen, da hatten wir einen sogenannten Kunstmaler, der hatte eine Reihe von Schablonen, die sind zum Teil abgebildet in dem Katalog und da konnte ein Sattler, der konnte einen schönen Stiefel und eine Reitpeitsche und ein Geschirr zurück oder ein Schlachter gekreuzte Würste oder ein Schinken oder sonst was auf dieses Rollo, wenn man so will, wurde das drauf. Also halbwohr Werbung. Relativ einfache Muster gehabt oder ein einfarbiges, ja, die Stäbe auch einfärben, das wurde zur Zeit meines Großvaters noch mit der Hand gemacht, mein Vater hatte dann schon eine Färberei, die hat eine gewisse Automatisierung schon, Automatisierung ist so weit gesagt, da wurden eben so Wannen in den verschiedensten Farbtönen, alles war vorbereitet.
So, das ging also immer noch zu unserer Zeit auch, dass wir so etwa acht solche Webstühle hatten und damit hat das einmal angefangen, die Rollofabrik. Dann kam hinzu die Sprengrollos, aber zu Zeiten vom Großvater gab es auch schon Jalousien und die wurden außen angebracht. Das war natürlich im Gegenteil, die Windreich waren eine sehr klapprige Kur, oben eine Verblendung aus Blech, dafür eine Schlosserweihe, die das herstellte, die Bleche wohl irgendwie, gab es zum Teil sehr viel Zubehör, um diese Dinger festzumachen und dergleichen.
Aber sehr viel Export hatten wir schon nach Italien und so, wo sowas üblich war. Wegen der Guter, also durchziehen, schräg stellen oder ganz schließen oder ganz waagerecht, also dann mit Gewicht haltbar. … und so. Das war eigentlich ganz gut. Dann erstens, glaube ich, war noch nach Zeiten meines Großvaters, weil Roulos fertigten und ich weiß nicht, ob es zur Zeit meines Großvaters gab es auch schon wohl eine Tischlerei, aber die hatte, die schon Rollläden gemacht haben. Aber Rollläden war natürlich eine aufwendige Sache und dann war es zur Zeit meines Vaters dann doch schon ganz gewichtige Aufträge, Aufräumen.
Da hatte er ganz guten Zugang. Als Lehrmeister kriegte er den Auftrag zum Beispiel der Ostgebot-Bomben. Das war noch nachträglich, setzte Treuhand in Berlin. Das waren lange, lange, diese Rollläden zu montieren. Das war so aus Holz, mit Prismenrollen. Damals Kunststoffe gab es noch nicht. Zum Teil verstellbar, schräg. Auch ganz so groß wie eine Markise. Dann haben wir auch Markisen gemacht in der Schlossarbeit. Stoffe wurden gekauft, wurden bemustert und dergleichen mehr. Also das war dieser Geschäftszweig. Das war alles in Böhlenau?
In Böhlenau. Und der Großvater, er hatte durchaus wohl, man muss sagen, ein gutes Händchen, erst einmal geeignete Leute zu finden, die einige Fähigkeiten hatten und zum anderen unternehmerische Ideen, was man gut vermarkten konnte. Er muss also doch wohl mit dem Rolllog-Geschäft gut verdient haben zu seiner Zeit, wie du auch weißt. Er hatte dann kennengelernt einen Ingenieur, der Druckfachmann war. Damals war neu oder noch nicht bekannt und nicht verbreitet die Möglichkeit, man konnte drucken im Buchdruck. Es gab aber noch keinen Offset-Druck oder Tiefdruck.
Also glaube ich, wurde natürlich irgendwann schon erfunden, aber bis das industriell genutzt wurde, dauerte länger. Und der erste Vorläufe des Offset-Drucks, das war ein Flachdruck, war ein Steindruck. Da hatten wir ein riesen Steinlager, wohl so hohener Stein, so hoh, riesen Platten, ganz schwere, einen besonderen Lastenaufzug dafür in den Maschinensaal. Das heißt, die Roulot-Fabrik musste ausziehen aus diesem alten Gebäude, was du auch in deinen Fotoalben hast, und wurde verlagert in einen Neubau, wo die Roulot-Fabrik dann war, mit Packerei, mit Weberrei, Oberetage, Malerei und Streicherei.
Und in der Zeit meines Vaters nachher auch dann, er hatte ja die sogenannte Goldene Fahne, da war er sehr stolz bei den Nazis, für besondere Betriebseinrichtungen, Duschanlagen, WC und Holzräume für die Belegschaft und Versammlungsräume und so weiter. Also deutsche Arbeitsfront waren die Nachfolger der Gewerkschaften. Also da wurde ja doch einiges getan für das Wohl des Arbeitmenschen. Und die Betriebslammer wurden angehalten dafür etwas, und der hat dann auch getan. Aber der Großvater, um auf den zurückzukommen, hatte diesen Sigurd Keim kennengelernt und der hat ihm diese Fabrikation eingerichtet mit diesen Steinen.
Und da hatten sie bis zu 18 oder 20 verschiedene Farben, teilweise gepudert oder was. Und das war ein Verfahren, es wurde gefettet und dann wurde das weggeätzt. Vorausgehend musste aber eine Lithographie gemacht werden. Also erst mal eine Zeichnung und dann wurde das ganz systematisch gezeichnet. Wir Kinder haben natürlich sehr viel Freude daran gehabt. Auch ich habe noch Aktzbilder. Kaiser Josef, Kaiser Franz Josef, das war der Österreicher, Kaiser Wilhelm I., Kaiser Wilhelm II., der Kronprinz Stolz als Jäger und so weiter.
Und natürlich Riesenblumenarrangements, Obstgeschichten und so. Das waren also üppige Dekorationen, die auf diese Teller und Tassen gingen. Aber was ich erzählen wollte, auch wieder so ein Husarenstück. Aber dieser Steindruck, der war doch für die Roulos bestimmt, nein? Steindruck für Teller und Tassen. Aha, hab ich nicht verstanden. Also abziehende Schiebebilder. Das war eine ganz andere Branche. Also eine ganz völlig neuartige Fabrikation. Alles andere waren Schablonen. Da wurde einfach draufgelegt und dann wurde das angemalt.
Also das waren so primitive, das will man heute überhaupt nicht mehr. Und den Steindruck gibt es heute auch nur für Künstler. Ja, das sah man ja auch. Da braucht man das noch. Macht man das noch? Für Kunst, wirkliche Kunstwerke. Aber man hat heute Siebdruck oder andere technische Möglichkeiten, um Bilder auf Porzellan zu bringen. Und dann ist es so, dass sich, wenn es jetzt nur aufgesetzt ist, dieser Grunddruck auf einen Teller oder Tasse, dann kann es sich auch mit der Zeit abwaschen. Also dann gibt es Aufglasur oder Unterglasur, wenn man die Glasur drüber macht.
Also nachher mit dem zweiten Brand, dann ist das wertvoller, beständiger. Heute braucht man das selbstverständlich für Geschirrspülmaschinen unabdingbar, wenn man Dekore haben will. Kurz und klein, er hatte nun einige Muster, unter anderem die sehr berühmte Meißner Beinlaubkante, die handgemalt wurde. Meißner Malerei hatte er kopiert. Und der Vater war im Ersten Weltkrieg, Schlacht bei Tannenberg, verwundet worden. Hatte beide Beine oder eins, ich weiß nicht, in Gips. Und dann hat er ihn vor Gericht geschickt. Das war eine eindeutige Urheberrechtsverletzung.
Und hier mit dekoriert, mit dem eisernen Kreuz, Kaiserliche Armee, Nazi-Justiz, das ist die Klassenjustiz bei Exzellanz. Das ist schon ein Beispiel. Ich finde, das ist so gravierend. Abenteuerlich, ja. Aber eine schöne Episode. Ja, da war ich stolz drauf, hat der Vater noch angegeben. Und weißt du, womit mein Vater angegeben hat? Er hatte ja das Einjährige. Zum Abitur hat es auch nicht gereicht bei ihm. Das hatte nicht die Lust. Ach so, da hat er seine Eltern, besonders seine Mutter, fürchterlich aufgeregt. Er ging in Freiburg, wo er das Einjährige machen konnte.
Freiburg bei Beines. Und da hatte der Großvater Roulos geliefert an einen Schlachtermeister. Und jetzt hat der Vater sich beklagt. Also wie ist es denn da? Fühlst du dich wohl? Wurde gefragt in der Familie. Da hat er gesagt… … und er geht da hin und da gebe ich dir einen Zettel mit und da kannst du dir halt auch jedes Stück Borscht kaufen jeden Morgen und so weiter. Das kann ja verrechnet werden, da hat man den Rolllos noch nicht bezahlt, die sind erst vorige Woche geliefert worden und so weiter. Und da ist er hingegangen und er hatte etwas wie von 20 Leute in der Klasse und da hat er gesagt, wer will Borscht haben?
War ja sehr geschäftstüchtig, hat überall abgeschrieben und hat es noch eben mitgenommen. Das ist alles mit eingebracht. Und der Alte hat bezahlt? Der Alte hat bezahlt, der hat dann die Rechnung wohl reklamiert und da hat er nichts mehr zu kriegen. Und dein Vater hat in Geld geschwommen? Ja, der hatte die Alte richtig gezogen und kriegte natürlich zu Hause ganz schön einen Lauf, wie du dir das vorstellen kannst. Aber er hat schon mal seine Geschäftstüchtigkeit verdient. Ja, er war auch überhaupt geschäftstüchtig. Er hat zum Beispiel im Krieg, da gab es also irgendwie immer noch Sterin oder das war so Zeug, wo man so Kerzen draus machen konnte, aber es gab ja keine Dochte.
Aber er wusste, dass er da aus dieser Rolllote war ja Baumwolle. Und sonst wurde ja eigentlich nur Flachs bei uns, also die ganze Wäsche, die wir hatten. Achso, und übrigens, das habe ich vergessen, angefangen hat der Großvater und mein Vater ist geboren worden 1888. Da steht Vater Mangelbesitzer. Der hat angefangen als Zulieferunternehmer für die Textilindustrie in Friedland. Da gab es schon drei, vier Textil… Flachs geröstet auf einer Riesenwiese, die hieß Mangelwiese. Das lag zu meiner Zeit immer Flachs, obwohl wir nichts mehr damit zu tun haben.
Der Vater hat es dafür zur Verfügung gestellt, die Wiese. Und ein anderer hat dann eben diesen Flachs bearbeitet, vorbereitet und nachher die Tuche, die nun fertig gewebt waren, wurden durch… Der hatte Wasserkraft schon da mit benutzt. Man musste natürlich jetzt für die Schnellpressen, sieben Schnellpressen hatte er, und unten waren die Puderstuben und links, und dann hatten wir, kann man dir das sagen… Der Großvater. Der Großvater schon. Einen Raum, der war vergittert und mit dicken Schlössern versehen, da hatte nur der Zoll Zugang.
Das war ein Zollverschlusslager. Wir waren ja an der Grenze und er belieferte ja nun auch nach Österreich und überall, weil er da war, und mein Vater hatte dann eben den Amerika-Index, der hat den Export gut drauf, weil die Rolofenzeit nach der Inflation und so weiter war das Geld ja sehr knapp, oder überhaupt durch die Arbeitslosigkeit. Da kam eine Wittverboldin oder wie sie auch hießen und hatten einen Maßnäher, der diese Vertretung hatte. Im Dorf gab es ja einen, der so Pferdegeschirre und so was verkaufte. Der hatte auch gleichzeitig so ein Musterbuch und der ging also jetzt herum oder kannte die Leute und dann sagte sie, ja ich will euch noch ein Fenster, wurde jetzt auch auf Abzahlung wurde angeboten und so und so viel warten und alles schon auch, weil die Leute wenig Geld hatten.
Und das war so ein Klein-Klein-Geschäft. Und Nazis wurden ja schon Fensterbahn genommen bei Bauten mit einheitlichen Maßen und der Keller gegangen, weil ich ja jetzt in ganz anderen Maßen wohnte und eine Massenproduktion und eben gleich 100 Rolofs von Sersen und nicht Einzelnanfertigung mehr. Und trotzdem, es war bei Hitler Preis und Lohnstopp. Und der Großvater, ich weiß nicht, der war das noch nicht, aber der hatte immerhin, das sind 35 Werkswohnungen, also ein großes Haus mit so 10, also das waren natürlich besondere, dazu die Leute auf dem Dorf sonst gewohnt haben bei Mauern, Nullalter schon, der Prokurist und Anwalt, die hatten, der Schlosser war es also, der, wenn man so will, die ganzen Maschinen, das ist anders, die schlesigen noch nicht seinerzeit, sondern hatten eine Eigenstromversorgung mit 110 Volt, Gleichstrom.
Über Wasserkraft? Und eben Wasserkraft. Und hatten einen, der musste der Großvater schon einen Wehr haben, der immerhin fast 800 Meter lang war. Teil nachher hat mein Vater den also überdeckt auch, damit nicht das ganze Laub immer und so weiter reinfiel, auch ablassen konnte. Und ein Rechen, natürlich noch nicht so automatomatisiert wie sowas heute, sondern ein schweres Gerät, die ganzen Dreck und tote Rehe und so weiter, das arbeiten, was wir Kinder dann kriegten, teilweise auch schon, wenn es nicht mehr so hell war und das Herbst war und das ganze Laub dann eben alles verstopfte.
Aber das sind ja alles Anlagen, die der Großvater schon gemacht hatte und mein Vater hat gesagt, was ist das für eine, die erste Glühlampe, die sie aufgehängt haben, alle eigentlich festgestellt habe im Haus, waren überall so Steckdosen, einfach, weißt du, die waren nachher zugemacht und da hat mir mein Vater das erklärt, ja, da konnte man einen Schlauch reinstecken und dann war das, und er hatte ja im Betrieb sogenannte Exhaustoren, Absauggeräte, mussten sein, vorschriftsvoll, da muss ich schon aufs Gewand schauen, es waren gleichhaltige Farben, es musste die Luft gereinigt werden, es musste auch angereichert werden, und diese ganze Regulierung musste im Haus, ich wusste, ich dachte auch gleich damit aus, so kriegt man alles das aus der Fabrik, wir hatten einen 60 Meter tiefen Brunnen für Wasser, ach so, auch eine Eigenwilligkeit von dem Großvater, er hatte noch immer eine alte Handpumpe aus Holz, da habe ich noch ein Bild, da sitzt eine Schwester meiner Mutter mit ganz vielen jungen Hunden, Jagdhunde, zu Welpen, unter dieser Pumpe, und der Vater hat jeden Morgen vom Dienstmädchen sich von dieser Pumpe ein Wasser geholt, weil er nur dieses Wasser trinken konnte, und nicht was aus dem Tiefbrunnen kam, und das Wasser war sehr eisenhaltig, das Wasser hatte immer so ein Waschbecken, das du ganz schlecht abkriegst, also im Brauch, und angeblich dieses Wasser nicht, also der Brunnen war nicht so tief, und irgendeiner ist ein Kerl gekommen, der von der Kaltbrunnenwasser, das hat ihn so aufgeregt, bis an dem Ende seiner Tage gesoffen, und ich weiß, wann er gestorben ist, ich weiß aber leider nicht das Geburtsdatum, ich habe von einer Cousine, ich habe das mitgebracht, diese Cousine musste ja einen Ariernachweis erbringen, und dafür habe ich bis über den Urgroßvater hinweg die ganzen Geburts- und Heiratsdaten, eine Frau Sandmann, das war die erste Evangelische, das war die Urgroßvater, das habe ich mal auf eine Art Stammbaum gezeichnet, aber ich würde gerne wissen, wie alt der Großvater geboren ist, nachher, hatten wir der Wolf mal erzählt, verstorben, Irgendeinem Blasenleiden, wahrscheinlich Prostata auch oder so etwas, wurde ja damals nicht gesagt.
Er muss ja sehr gelitten haben. War er denn älter als die Hannel? Er ist ein Frauen… Nein, ich meine, ist er älter gewesen als die Hannel? Ja, das wollte ich gern wissen. Das weiß ich nicht. Was meinst du? Schätzt du? Ich habe niemanden gefragt. Bestimmt auch jemand. Gestorben ist er? Wann? 1926 im Dezember. Ich bin 1927 im März geboren.
Abschnitt 3
Also sie hatte sehr viel Ansehen in ihrer Familie und muss wohl auch eine sehr tüchtige Frau gewesen sein, denn sie hat ja selbst im Betrieb sogar mitgearbeitet. Und sie hatte ja zwei Töchter und der Jüngste war dann mein Vater. Sie wohnte in Gölenau nachher, das heißt die Großeltern sind ausgezogen aus dem Haus, was ihnen selbst angehört. Das war auch eine sehr schöne, geräumige Wohnung, über dem Büro der Lofabrik. Und da hatte sie so eine Eigenheit. Sie war erstens mal sehr, also jetzt wie ich sie kennengelernt habe, saß sie und hat das auch sehr außen dargestellt.
Also sie hatte irgendwo in einem Vertrag Erbtgeschichte, also erst mal Wohnrechner, klar, erhielt aus dem Betrieb und ich glaube von deinen Eltern erfahren, was sie alles hatte, das Recht hatte einen Chauffeur zu beantragen, der Ulla hätte sie also überall hinfahren. Das war nicht so. Sie hat jedes Auto, hat sie anrufen bei uns, die Dienstboten wussten das oder die Wohnung wusste man, wer das nun war, ein Vertreter der Firma Sogenoch. Und da kam ja immer mal jemand oder einer, der nun mit dem sie mitgefahren ist. Sie war absolut reisebrüchig.
Und fuhr aber immer gerne dann anschließend von Waldenburg wieder nach Breslau. Achso, das wollte ich noch sagen. Wir haben im Krieg, weil mein Vater erzählte, man hätte dem Großvater, als die Bahn gebaut wurde, angeboten hier eine Haltestelle einzurichten. Und da hat er sich verweigert, weil er sagte, da fallen mir die Leute weg. Selbstgefährlich. Und haben wir während des Krieges, wo nun kein Auto mehr ging und auch kein Autobus mehr fuhr und so weiter, haben wir den Bahnhof selbst gebaut, da habe ich noch ein Foto.
Er hat mit Leuten, also hier drei Bauern haben mitgeholfen und der Bahnsteig musste angehoben werden, war eine Haltestelle. Und eine kleine Überdachung und so. Und dann ein wunderbarer Schild, Gölenau, hier drauf stand. Also das muss um 1981, 1982 oder so gewesen sein. Die nächste Station war ja dann gleich Tschechien, ne? In die Richtung. In die Halbstadt, ja. Und die andere Station war Friedland. Friedland, ja. Und da gab es in Friedland ein Signal, wurde gegeben, dann klingelte das in einem Wärterhaus und der konnte die Schranken runterkurbeln, auch die über die Felder, beim Feldwege, die über die Dings, und die gingen auch Schranken runter.
Und so Alzo-Seilzug-Geschichten. Der Gartenwärter, naja, das war so ein Jugend-Erlebnis. Mein Vater hat mal einen Hasen geschossen. Und dann hat er den Hasen natürlich nicht mitschleppen wollen. Ich war mit dem Vater unterwegs und mit der Hündin. Wir erwarteten Besuch und da sagt er, ach, ich geh mal los und versuch, und hat gegeben bei dem Bahnwärter. Und in dem Moment, wo der zurückkam, wollte er den Hasen, der hielt ihn gleich in der Hand und wollte ihm meinen Vater übergeben. Und da hat der Hund, ist auf den losgegangen, weil er dachte, jetzt hätte er den Hasen geklaut.
Diana war das, ne? Ein ganz prima Hund, aber er hatte seine Tücken, war sehr wachsam. Und da hat er es geknackt, Gott sei Dank, in Holzbein, der war kriegsschwertragend. Schön. Er hatte alle Technik, also so ein Meldung bezeichnen, wenn ein Zug kam. Das ging durch und dann musste er raus und musste die Schranke runterkommen. Und dann saß er da mit einer Petroleumlampe und hatte einen Spiegel, der war nicht so groß, der war auch völlig kaputt, war nur noch ein Scherben. Und der Mann hatte eine Glatze. Ich hab kaum ein Haar drauf gesehen, aber hatte den Ehrgeiz, dass da eben auch diese paar Haare, die noch waren, auch weg.
Und da hatte er dann ein Messer, wie mein Vater auch, so ein Liem, wo er das Messer schärfte. Und dann hat er Schaum auf den Kopf gemacht, die Kinder saßen ängstlich dabei und haben uns das angesehen, wie er dann dieses Messer über diese dünne Kurve zog. Und er hat gesagt, das war so ein Jugendärger. Der Vater hat mal einen Hasen geschossen. Und dann hat er den Hasen natürlich nicht mitschleppen wollen. Ich war mit dem Vater unterwegs und mit der Hündin. Wir erwarteten Besuch und da sagt er, ich geh mal los und versuch.
Und hat gegeben bei dem Bahnwerter. Und in dem Moment, wo der zurückkam, wollte er den Hasen, der hielt ihn gleich in der Hand und wollte ihm meinen Vater übergeben. Und da hat der Hund, ist auf den losgegangen, weil er dachte, jetzt hätte er den Hasen geklaut. Diana war das, ne? Ein ganz prima Hund, aber er hatte seine Tücken, war sehr wachsam. Und da hat er es geknackt, Gott sei Dank in Holzbein, der war kriegsschwertragend. Schön. Er hatte alle Technik, also so ein Meldung bezeichnen, wenn ein Zug kam. Das ging durch und dann musste er raus und musste die Schranke runterkommen.
Und dann saß er da mit einer Petroleumlampe und hatte einen Spiegel, der war nicht so groß, der war auch völlig kaputt, war nur noch ein Scherben. Und der Mann hatte eine Glatze. Ich hab kaum ein Haar drauf gesehen, aber hatte den Ehrgeiz, dass da eben auch diese paar Haare, die noch waren, auch weg. Und da hatte er dann ein Messer, wie mein Vater auch, so ein Liem, wo er das Messer schärfte. Und dann hat er Schaum auf den Kopf gemacht, die Kinder saßen ängstlich dabei und haben uns das angesehen, wie er dann dieses Messer über diese dünne Kurve zog.
Ja, das war so ein Jungder. Er hatte seine Tücken, war sehr wachsam. Und da hat er es geknackt, Gott sei Dank, in Holzbein, der war kriegsschwertragend. Er hatte alle Technik, also so ein Meldung bezeichnen, wenn ein Zug kam. Das ging durch und dann musste er raus und musste die Schranke runterkurbeln. Und dann saß er da mit einer Petroleumlampe und hatte einen Spiegel, der war nicht so groß, der war auch völlig kaputt, war nur noch ein Scherben. Und der Mann hatte eine Glatze. Ich hab kaum ein Haar drauf gesehen, aber hatte den Ehrgeiz, dass da eben auch diese paar Haare, die noch waren, auch weg.
Und da hatte er dann ein Messer, wie mein Vater auch, so ein Liem, wo er das Messer schärfte. Und dann hat er Schaum auf den Kopf gemacht, die Kinder saßen ängstlich dabei und haben uns das angesehen, wie er dann dieses Messer über diese dünne Kurve zog. Ja, das war so ein Jungder. Und der saß den ganzen Tag da? Ja. Was für Züge fuhren denn da jeden Tag? Ziemlich viele, auch noch Güterzüge. Die Strecke war elektrifiziert. Aber was interessant war, es war ja, wenn jetzt zum Beispiel Eis war, dann war das ja ein richtiges Feuerwerk.
Die waren ja bereift, die Drähte. Und dann, wenn natürlich hoher Schnee war, da kam eine Dampf, da rief ein Junge, da kommt eine Dampf, da kommt eine Dampf. Das war also eine Lokomotive, die schickten sie dann durch, mit dem Steiflug dann. Und da wurde auch mal ein Reh überfahren, dann gingen wir mit dem Leiterwagen und holten das dann wieder vorbei. War aber eine einspurige Strecke, oder war das schreinspurig? Existiert die eigentlich noch? Hast du die da auch noch gesehen, als du dort warst? Ja, aber die sind bestimmt nicht rübergefahren in die Schäche.
Das glaube ich nicht. Da war ja so dicht die Grenze wie nie zu vor. Aber das wollte ich noch erzählen, was mir nicht so sehr gut gefallen hat. Als Kind, ich durfte ja mal bei ihr nächtigen, öfter da, wenn meine Eltern verreißt waren. Hier, sie hat ihre Betten da noch und war sehr nett zu mir und alles. Aber dann hat sie sich immer meinen Vater beklagt. Und zwar, naja, ich weiß nicht mit welcher Berechtigung. Da ist meine Mutter mit der Anne-Lore zum Beispiel nach Binz gefahren, auf Rügen. Und da hatten sie irgendwie kein Geld.
Und da hat der Vater gesagt, nun hier, schickt euch Koller, hat er gleich Koller mitgenommen, weiß ich nicht. Er hat jeden Tag mit einem Dollar in die Sparkasse. Und das war auch die Rügensmark, je nach dem. Die Millionen. So und so viele Millionen. Kriegt und konnten sie herrlich und entspannt leben. Und er hatte irgendwo die Idee, es waren ja viele Leute, die auch am Hungertuch neigten, pleite waren, ihr alles Vermögen verloren hatte. Und da hätte man natürlich gerne mal irgendwas kaufen können. Und dagegen hatte sie sich gewendet.
Da hatte sie die eiserne Wurst geballt und hat gesagt, das kommt nicht in Frage, dass hier ein Bauer, der hier notleidend ist, dass dem der Hof abgeschafft wird. Da sagt der Vater, der kommt an, der kommt sonst Und die Oma hat sich also mir gegenüber auch sehr, sehr despektierlich gemacht. Da hat sie sich aber doch überwiegend durchgesetzt. Dein Vater hat da nicht zu sehr gespielt. Nein, aber sie haben, glaube ich, sehr viele Perser Teppiche. Es wurden ja viele Leute, die verkauften ja alles Mögliche. Und er hat eine riesen Briefmarkensammlung, von der er überhaupt nicht verstand.
Also es waren solche Bände, bestimmt sehr wertvoll. Da wurde es dann ein Butterbrot, bloß als Geldanlage und so weiter. Also in der Zeit ist wohl einiges auch angeschafft worden. Also er hatte das Geld wegen der Exporte von den Abziehbildern nach Amerika. Er hat mir einmal gesagt, die Polofabrik war so notleidend in den 20er Jahren, in der sogenannten Systemzeit, dass ich Leute entlassen musste und so weiter, wenn er nicht die Druckerei gehabt hätte. Und er war drei, vier Mal in Amerika drüben. Ach, da gibt es ja auch nette Geschichten.
Da ist einer, der ist Leiter einer Loge, ein sehr angesehener Herr, der auch wohl Verbindungen zur amerikanischen Porzellanindustrie hatte. Und dieser Mann hatte sich avisiert und ist mit dem Zug in Friedland angekommen. Und da ist der Kutscher oder mit dem Auto, der Gula, hingebordert worden. Und da ist jemand ausgestiegen und hat den angesprochen und gesagt, sind Sie Herr Vogt? Und gleichzeitig ist eine Kutsche da gewesen von Gerbersdorf. Gerbersdorf war das schlesische Davos, das war auch ein Ort in der Nachbarschaft, wunderschön gelegen mit den Bikersheilanstalten, Bremerheilanstalten und so weiter für Lungenkranke.
Irgendwo anders, wir waren mit einigen Ärzten da. Da ist auch einer ausgestiegen, schlips und kram und wie auch immer. Und da hat der Kutscher gefragt, sind Sie Herr Vogt? Bisschen lauter. Ja, sind Sie Herr Vogt? Ja, und dann hat er ihn in die Kutsche geladen und nach weiß ich wie einer Stunde ist ein Anruf gekommen aus der Klinik, dass jemand schweres Amerika war, den Tag gebracht hat. Und der gleich sagte, wir sind weiße Kindlinge gekauft. Musste aber gar nicht gewesen sein, als die so machen wie der Farnes. Und was war der andere, der bei euch gelandet ist?
Ja, der war von der richtigen Seite, der war kein Arzt. Perfektslog, also offenbar beide Vogt. Zum Zehen Bahnhof, was alles passieren kann. Ja, schön. Ich wollte nochmal von der Großmutter, ach ja, eine nette Geschichte. Die Eltern hatten eine, sie hatte wohl kein eigenes Radium, aber mein Vater hatte sowas schon und hatte eine Leitung ihr gelegt in ihre Wohnung mit einem Lautsprecher. Und meine Eltern sind aus Breslau gekommen und hatten eine Schallplatte gekauft. Und das war, was kann der Siegesmund dafür, dass er so schön ist.
Das muss so in den 20er Jahren gewesen sein, noch zu meiner Vormeinheitzeit. Und dann haben sie diese Platte nachts um zwei oder was, eine Flasche Sekt, und dann haben sie das mal an und dann geht sie wieder an. Ich habe es vergessen, im Steckerholz zu ziehen. Das gibt es ja nicht. Das waren so Geschichten. Schön war doch auch, hast du erzählt, mit dem Holz, was sie zur Verfügung hatte. Ach ja, also es war so. Eine nette Sache, einmal ist mein Vater, ist ja wohl mit dem Auto, hochgekommen und da waren drei alte Damen, die gegenüber den Fabrikhofern mussten gegangen, um bei ihr rein zu gehen.
Und dann hat er seine Frau und meine Mutter gefragt, was sind denn das für drei alte Schachteln, die da, ich dachte vielleicht, wollten die zu uns, oder wie? Und die Annelohe hatte das gehört, und da ist sie rüber zur Großmutter, hat gefragt, Oma, was hast du denn da für Schachteln? Und die saßen da gerade. Wie alt war die Annelohe da? Weiß ich nicht. Vielleicht, naja, jedenfalls noch klein. Noch klein, ne? Ja, und dann war das so, die Oma, ich meine, die hätten ja wirklich, wir hatten ja Personal genug, da waren Gärtner, da hatte er auch noch Hilfskräfte, und sie hatte ja alles, wäre für sie verfügbar gewesen.
Aber sie hat ihre Teppiche sich auf die Schulter geladen, ist über den ganzen Fabrikhof, weil es da vorne eine Teppichstange gab, da hat sie den Teppich drüber geschmissen und hat den geklopft. Und wenn sie damit fertig war, hat sie ihn wieder rein. Und das ist natürlich meinem Vater so peinlich gewesen. Also sie hat damit demonstriert, die jungen Leute leben hier in Saus und Braus mit Personal und ich arme Frau, und sie hätte es sich durchaus leisten können, auch ein Dienstmädchen zu haben und eine Putzfrau zu haben, und ich weiß nicht, was eine Putzfrau hatte sie vielleicht gehabt, aber jedenfalls solche Demonstrationen.
Und dann ist sie doch immer wieder zu Simons, also zu deinen Großeltern gefahren, und hat, ja, ist ja dann auch zuletzt dahin gezogen. Nach Neurude. Ich habe ein Foto gesehen gehabt, noch in Erinnerung, ich glaube auch noch vorhanden, wo ich als Ausdruck neben dem Bezirksschornsteinfeger auch in Schornsteinfeger-Ausrüstung stehe, Kostümierung stehe, im Garten fotografiert worden, zum 70. Geburtstag der Ahnde. Da bin ich als Gradualant hingegangen mit meiner Mutter. Das muss 76 oder etwas sein. Vater war ja immer etwas verquer mit ihr, weil sie doch sehr eigenlich war, weil sie eben, wer weiß was erzählt hat, wer es hören wollte oder auch nicht.
Ein Freund meines Vaters, Yachtfreund und Fabrikant aus Waldenburg, der hat sie mal mitgenommen nach Waldenburg und hat sie eben auch erzählt, weiß ich was Vater. Der war einfach zu verschwenderisch offensichtlich, ne? Hielt das Geld nicht genügend zusammen. Aus ihrer Sicht ja, bestimmt. Ja, eben. Er war auch sehr, sehr ehrprudelich. Also wenn er in ein Lokal kam, und da wurde eine Musikkapelle in Breslau, in Waldenburg, waren wir Café Enderlein, nicht? Und dann kannte der Kapellmeister, wusste, dass er eine Lokallunde schmeißt, wenn sie gleich einen Hit spielen, was er ja nun, und so weiter.
Das war meiner Mutter, die war sehr, sehr viel… Distinguished war er aber auch letzten Endes, auch zurückhaltender. Ja, ja, das war sie. Meine Mutter war sehr unordentlich, sehr schlampig, habe ich glaube ich auch geerbt. War nicht mit beurteilt. Sie hatten ja nur Personal, sie brauchten ja keine Zahnpaste zuzuschrauben oder irgendwas. Aber ich glaube, du hast auch mal gesagt, dass auch der Erfolg vom Großvater oder Urgroßvater auch mit darauf basierte, dass sie halt das Geld so zusammengehalten hat und auch darauf geachtet hat, dass die Firma läuft.
Ich glaube, dass sie also im kaufmännischen Bereich in Bezug auf die Verwaltung, Buchführung oder was es damals gab, betrieben. Und wie gesagt, sie hat Geld eintreiben müssen für die Löhne, hat also gewusst, was jeden Freitag ausgezahlt werden musste und so weiter. Es ging ja für Lohntüte und so. Also diese Chefposition hat sie mit wahrgenommen. Und es ist immer ein tüchtiger Mann, der braucht auch eine Frau an seiner Seite, die da mitzieht. Und sie ist also durchaus eine anzuerkennende Persönlichkeit gewesen. Und meiner Mutter ist Folgendes passiert.
Die ist im Krieg schon mal als Braut vorgestellt worden. Die war ja katholisch. Und da ist sie eröffnet worden, dass aber natürlich hier der Familienklan evangelisch ist und weiter. Und dann hat die Arne gesagt, weißt du, den Kuchen kannst du mal uns backen. Geh mal in die Küche und so weiter. Und dann hat sie gesagt, ja, ich weiß doch gar nicht, bei uns gibt es ja kaum noch Zutaten in Hannover und so. Ach, das macht nichts. Wir haben hier alles, sagt der Küchenbescheid, der gibt dir das schon und so. Und dann hat sie eben auch den Ehrgeiz gehabt, das zu machen, hat das Kochbuch aufgeschlagen.
Und da ist sie dann auf einen Begriff gestoßen, man mache Hebestück. Und wie das geht, wusste sie nicht. Und dann hat sie der Köchin gesagt, ja, ich wiege erst schon mal die anderen Zutaten auf, sind sie doch so nett, machen sie schon mal das Hebestück. Die Köchin hat das Hebestück gemacht und sie war so schnell. Und alles andere hat geklappt und es gab wunderbare Kuchen. Und dann war sie dann auch sehr zufrieden, dass sie da durch, dass sie bestanden hatte, die Prüfung gestrengt hat. Und es war ja so, dass ja auch deine Großeltern, die Tante Käthe, die war ja so irgendwie auch, meine Mutter hat es ja nicht lange, ihr Vater war Oberzollinspektor, stammte von einem Bauernhof aus Himmels Tür bei Hildesheim.
Und das waren ja für den Fabrikbesitzer doch kleine Leute, aber die hatten doch wohl irgendwo einen Dreif. Sagen wir mal, sie war doch irgendwo auf einer sogenannten höheren Töchterschule oder was, also von Mathematik und Naturwissenschaften ja kein Blau und Dunst. Aber sie wusste über die Literatur Bescheid, sie kannte, also sie war eine gebildete Frau, sie passt perfekt Französisch, ein bisschen Spanisch, ein bisschen sogar Italienisch. Und sie hatte einen Freundeskreis, alle die Mädchen, die mit ihr in der Schule waren, die haben also sehr gute Partien gemacht.
Damals war das wohl ja wohl so ein Ziel, nicht? Und so zur besseren Gesellschaft gehören zu wollen. Die eine hat ja den griechischen Botschafter geheiratet, nee den spanischen, und eine war mit dem griechischen Generalkonsul vermählt. Die haben während des Krieges bei uns gelebt und der eine hatte die Generalvertretung von Günther Wagner in Hannover, also für fünf federalte Zeugen. Zur Konfirmation habe ich so einen wunderbaren Spüler mit so einem Druck, naja. Also dann, solche hatte sie doch so Freundschaften und die auch sehr beständig waren und auch nach dem Krieg noch immer sehr viel sie Korrespondenz hatte, während ich beim Vater den Eindruck gewonnen hatte nach dem Krieg, dass sich sehr viele bei ihm angeschleimt haben und dass er keine Menschenkenntnis hatte, dass er sehr viel ausgebeutet wurde von irgendjemandem, der ganz schäbig war.
Dann die Simonfabrik, vielleicht auch für euch interessant. Kommen wir mal als nächste Frage.
Abschnitt 4
Es gab ja auch ganz verschiedene Spielzeuge zu meiner Zeit, das hatte ich nicht. Aber irgendwann, wenn Geburtstag war, da hast du gesagt, Vater, dann lassen wir mal, der kennt ja mal die… Es war ein Raum, also Minoleum-Fußboden, alle Ventile, Messingteile, Zahnstangen, was es an solchen Dingen gab, blank geputztes Messing. Es war so sauber, also nicht wie man sich vorstellt, dass das irgendwie qualmt und sonst wie. Und das stand in einem ganz besonderen Raum, wie so ein Schaustück, nicht? Und das war so herrlich und so wunderbar, wenn das ins Laufen gebracht wurde.
Und das brauchte man nicht mehr, man hatte ja einen Dieselmotor nachher, Rohölmotor, sagte er, als Notstromaggregat. Aber mein Vater war ja auch ein Emporgründer, der hat am Thela, obwohl das sein Simoni, der hieß er, und ich war erst eine Freundin, war die jüngste Tochter von Simoni. Die war über uns, anderthalb Kilometer entfernt Richtung Friedland. Da staut schon wieder jetzt, wo die Druckerei auf Hochtouren läuft. Da war er erzürnt, der hat gar kein Recht hier zu staunen, hat dauernd prozessiert um Wasserrechtgeschichte.
Dann hat er den Winterbene, das war der Heizer, so ein kleiner Mann, hingeschickt bei Nacht, um Wehrbretter nachzumessen. Die Quellen ja auf mit der Zeit, da waren die fünf Zentimeter höher, da musste der Müller die abhobeln lassen und so weiter. Dein Vater oder der Großvater? Mein Vater. Dein Vater war auch so verrückt? Ja, in der Richtung, ja. Ein Telefon, also das war ja niedlich. Meine Mutter, mein Vater suchte, der kam mal nicht nach Hause, dann rief sie bei der Verbindung an. Hat er denn von irgendwo telefoniert?
Ja, von weiß ich wo, in Friedland oder aus Waldenburg. Das wussten die Damen da, die Stützli da. Dann sagte er, dann versuchen sie doch mal eine Verbindung herzustellen, hier sitzt jemand, der will ihn unbedingt sprechen und so weiter. Dann lief das. Und dann wurde immer, wenn er ein Ferngespräch führte, der quatschte irgendwie, sprechen sie noch? Welche dumme Katze ist da wieder in der Leitung herumgepolst? Dann musste er ein Strafgeld an die Postkasse bezahlen durch Beleidigung einer Postangestellten. Herrlich. Also er hat sich sehr, weißt du, solche Leute, die so Geld, so ein Herrschaftskind, das wurde ausgegrenzt teilweise.
Also in der Dorfschule ja nicht bei uns, sondern in Friedland und so. Und da waren ja manchmal so Hochbegabte, die aus ganz kleinen Verhältnissen. War das mit der Grund, dass du dann nachher nach Trautenau gegangen bist? Grund nicht. Es ging nur bis unter Terzier. Und dann wolltest du laufen und dann meinte der Vater, ich habe in Friedland viel mehr gelernt, eine sehr gute Schule. Aber das war eine richtige Pauk-Schule. Und ich war ja mehr kreativ, irgendwie mehr so veranlagt, aber nicht sehr kaufmännisch, mathematisch und so überhaupt nicht.
Im Frühjahrsstehen waren nicht immer Listen. Vielleicht hätte ich ja dann jemand anstellen können, der das Kaufmännische macht. Und der Vater, also da hat die Großmutter, die hat ja der Hauptkonflikt war ja. Sie hat, der Vater hat aus dem Geschäft, aus dem Druckereigeschäft sich zurückgezogen, aus der Herstellungsentwicklung. Und hatte er einen Mann, der eine ganz kleine Klitsche, auch eine Steindruckerei hatte in, ich weiß nicht wo, in Sachsen. Den hatte er mit reingenommen. Der war aber Ingenieur auf dem Drucksektor, da muss man schon was verstehen.
Und für den hat er extra ein Häuschen gebaut hinten mit einer ganz komfortablen Wohnung und so weiter, mit der, wenn er dann in Pöllnau war, ein ganz, ganz knallharter Geschäftsmann hat auch die Leute relativ schikaniert, Tag und Nacht arbeiten lassen, wenn er Aufträge hatte. Und der hat dann gesagt, jetzt hätte ich noch mal Geld, hatte der Vater eben auch noch wieder vorgeschossen, denn er hatte ja nicht so viel. Firma, die er hat kaufen können in Merschau in Sachsen. Und da hat der Vater sich Gott sei Dank rausgehalten.
Der hatte nur den Maschinenpark, der hatte er zum Mitbesitz, also die Ausstattung und alles. Denn das Gebäude als solches war aus jüdischem Besitz. Mit einer Villa und allem drum und dran. Und das ist dann auch dem verloren gegangen, weil da kam irgendein Feind aus Amerika, der hat das alles genommen. Nach dem Krieg? Ja, nach dem Krieg. Aber der Sachsen ist doch in der DDR gewesen. Ja, ja. Ja, nun nach der Wende. Wäre nicht sehr gegeben. Ja, klar. Und er war noch, wir wollten also jetzt nun beantragen gemeinsam, der Sohn, der war auch wohl Sturke Eindrehen in der Industrie, hat ja gern von der Mutter her einen Artikelbrief bekommen.
Eine Markt nur, aber hat hingefahren und sich das angeguckt. Der Betriebsleiter hat mir erzählt, ja, hier, das ist mal installiert worden. Die Absauganrichtung, die hat nie funktioniert. Der Vater muss wohl jemanden gekannt, der hat das entwickelt. Und der hat mir das erklärt. Da ist auch ein Artikel in der Spiegel erschienen darüber. Die haben Folgendes gemacht. Du kannst ja Konturen aufmalen wie in so einem Bilderbuch, Malbuch. Und dann setzt du irgendwelche Siebensinnige oder Leute, die eingesperrt sind. Ja, die mussten, der eine kriegte einen grünen Pinsel in der Hand, der andere die Blume, die Blätter, roten und der nächste den gelben.
Und der hatte eine bestimmte Aufgabe, im Fließband das auszumalen. Und dann hatte, wahrscheinlich Erfindung von dem Bartsch, wenn das gebrannt wird, gehen die Hilfslinien weg. Und das ist dann angemalt. Das war das Amerika-Geschäft? Ja, ja, das Spätere. Das Normale, da hat er sich sehr eingesetzt, der Vater. Der Vater hat einen gewissen Herrn Winter rübergeschickt, der dort Vertreter war. Und der Vater erzählte, dass er rübergefahren ist und hatte ein Musterbuch. Und hat der Zöllner das jetzt durchgeguckt und hat gesagt, er müsste Zoll dafür bezahlen.
Warum? Ja, weil das nicht handgemalt ist, weil das gedruckt ist. Und dann ist der Winter gekommen und hat gesagt, gucken Sie doch mal, das stimmt doch nicht, das ist doch handgemalt, das ist doch nicht gedruckt. Das kannst du sehen, Lupe nimmst du, siehst du den Raster. Und dann hat er hier eine 10-Dollar-Lupe genommen. Oh no, I see, that's printed. That's painted, not printed, but painted. Und das hat mein Vater so erschüttert, der so seriöse preußische Beamte oder auch der Großvater, der in Hannover und nachher Laufen und ich weiß nicht wo überall Zollinspektor war.
Der war halt absolut unbestechlich. Solange er im Dienst war, noch nicht mehr mit rübergefahren in die Stecherei, weil er wusste, da wird ein Kisten Bier mitgewaschen. Das war ja ein Kavaliersbeleg. Das hat er nicht dulden können, das ist selbstverständlich heraus sein moralisch.
Teil 2
Abschnitt 1
Also ich fand die Gebäudestruktur war eigentlich moderner als unsere in Güllenau. Es war ein gewaltiges Maschinenhaus da, war ich allerdings als Kind nie drin. Ich kannte nur die Villa und die war auch eigentlich ganz ansehnlich. Es war ein relativ verwilderter Garten drumherum, Obstbäumen und Büschen, Johannisbeeren, Stachelbeeren, was man da so hatte. Ich entsinne mich, dass ich spielen durfte mit einem Größenordnung von Märklin, ein Schienenbreiter 1 Eisenbahn war gong. Schienen habe ich nicht mehr gesehen, das muss von deinem Vater gewesen sein.
Die haben eine tolle Inneneinrichtung und Figürchen, die da drin saßen und so weiter. Dann hatten sie noch ein zweites Spielzeug, das war ein Wagen, Brauereiferde und Fässer und so weiter, also richtig so ein Gerät. Einmal bin ich mit der Tante Käthe, mit deiner Großmutter, in Konflikt geraten, da habe ich Langeweile gehabt und sie hatten solche Vorhänge vor den Heizkörren, so Perlen. Die habe ich dann so zusammengeknurte, ich weiß nicht mehr genau, ich weiß nur, dass es sich darüber fürchterlich aufgeregt und geschimpft hat.
Die war ja in Friedland, du sprichst von der in Friedland. Friedland, ich habe noch ein Bild davon, hast du hier glaube ich auch das Bild. Dann stand der Laden leer und zwar zwischendurch, nachdem, nein ich weiß noch, wie der Spediteur aus Friedland, der Spediteur Weiß mit seinen Pferden, der war noch bespannt, und der Bauer Biller und unser LKW, also alle drei Fahrzeuge tagelang eingesetzt waren, um Ballen von Stoff, von Holzdraht, von Rollostoffen, Springrollostoffen und Teilen von Rollladen und so weiter zu uns zu transportieren.
Mein Vater erzählte, er habe die Firmen, die Lieferanten, alle angeschrieben und habe gesagt, er würde das Warenlager übernehmen, also alles was geliefert worden ist, und würde bereit sein, die Hälfte des Kaufpreises, die braucht uns dann nicht zurückzuholen, hat die Firma übernommen, formierte unter Vereinigte Rohlohrwerke Friedland, Emil, Emanuel Schiffer und Silke Witwe, und da wurde ein Büro eingerichtet, Produktionsstätten hatten wir ja dafür, da saß ein Mann, der war Lehrer in einer sogenannten Weltlichen Schule, wurde von den Nazis da rausgeschmissen, Herr Schiller, und bildete aber auch sämtliche Bürolehrlinge aus, sehr prima Schulmeister, also der hat mir sehr viel beigebracht, wenn ich was nicht wusste, der konnte mir das erklären, mein Vater schickte mich immer rüber.
Der verwaltete da das Büro? Dieses Büro, und da hab ich dann den Vater mal gefragt, warum er das so gemacht hat, da sagte er, ja, weißt du, wenn wir ein Angebot abgegeben haben, und das war dann irgendjemand nicht genehm, und jetzt, das hieß die Friedländer Rohlohrwerke, also das war ein geschäftlicher, cleverer Schachzug. Offensichtlich, ja, ja. Aber diese selige Witwe, das war, glaube ich, der Firmenname, den die Firma vorher schon hatte. Ja, das war eine GmbH, und die hat er auch als GmbH weitergeführt. Die hat aber auch der Max Simon schon unter diesem Namen, glaube ich, weitergeführt.
Ja, der hat den Konkurs abgewendet, hat den klugen Mantel übernommen, und was bezahlt haben Simon Leute, weiß ich nicht, wie das war, jedenfalls hat er das, hat er eben den Konkurs erspart, wenn man so will. Wie lange der die Firma betrieben hat, weißt du nicht, nicht lange wahrscheinlich, ne? Ein paar Jahre? Ja, weiß ich nicht, also, der hätte es wissen müssen. Aber das lief ja auch aufgrund der Inflationszeit so schlecht, ne? Das war ja diese, da ging es ja eigentlich euren Rohlohrfabriken auch nicht gut, ne? Nein, eben, aber die Pleite war schon, war erst, als es eigentlich wieder bergauf ging, das war 1934, 35, ich hab das doch noch sehr in Erinnerung, hab ich doch ganz bewusst, diese ganzen Transporte, wo die das alles hingestapelt haben, eine ganze Wohnung, wo der Leerstand wurde vollgeknallt mit dem Zeug und so weiter, ne?
Also, der muss ungeheuer, mein Vater sagte, der hat ja eingekauft, zu viel, ja, er meinte es irgendwie knapp, und ich weiß es nicht, was für Ideen dahinter standen, das mag ja auch begründet gewesen sein, das kann ich ja alles nicht bewerten. So, ja, dann hat der Vater diesen Laden, die ganzen Gebäude verpachtet an den Reichsarbeitsdienst. Die waren aber auch nicht lange da drin. Die haben vielleicht ein oder zwei Jahre, ich bin anschließend da reingegangen mit einem Mitschüler aus der Friedländer Schule, der hieß Walter Wache, und ich weiß, dass dessen Vater, der in der Nachbarschaft gewohnt hat, hat schon eine Badewanne aus der Villa rausgerissen hatte.
Und andere haben Lichtschalter und Ähnliches demontiert und Türklinken und was und so jenes. Das war ja keine Bewachung da, waren Zäune zwar ringsherum und stand also verboten und so weiter. Und ich habe mir geleistet mit dem Walter Wache zusammen und dem Freund meines, der Werkmeister war und der die ganzen Maschinen, der war zwei Jahre älter als ich und technisch außerordentlich befähigt und bewandert, der hätte bestimmt ein Ingenieurstudium privat gewesen, das finanzieren wollte, weil er hatte den Ehrgeiz Beamter zu werden und wurde bei der Bundesbahn, vorstelle ich, nachdem er seinen Hauptschulabschluss in Gölenau gemacht hat.
Reichsbahn damals. Reichsbahn, ja. Okay, und ist er da geblieben? Also er hat es gebracht bis zum Reichsbahnassistenten, also so große Laufbahn war das auch nicht. Das muss aber, dass dort aus der Villa Sachen rausgebaut worden sind, das war schon im Krieg. Nee. Nee? Nee. Und wir haben ausgebaut den, mit dem Dings zusammen, der Spannung steht, der Drehstromzähler vom E.W. Schlesien. Das war für uns interessant, da waren ja Schulen drin und Mähte und was alles schon. Ich weiß nicht mehr, was die Idee war. Und das hat keiner gemerkt.
Ja, aber die Fabrik und die Villa gehörten dir nun deinem Vater eigentlich? Ja, ja. Und das war ein Maschinensaal, ganz hohe Räume und alles wunderbar. Natürlich nach damaligen Anschauen Bilder von heroischen, kämpferischen Typen. Da war so ein Maler oder ein Naturtalent aus der Mannschaft der Arbeitsdienstleister ausgemalt haben. Das war so der Versammlungsraum. Das war so irgendwann in den 30er Jahren, dass die Nazis das hatten für zwei Jahre oder so. Ja, sie haben ja da noch freie Büsel und Wagen lieber abseits der Zivilisation und so weiter.
Das war ein anderes Konzept, was sie im Grunde hatten. Das war so ein Übergang. Und dein Vater hat das praktisch nicht mehr genutzt? Er hat das nicht mehr genutzt und hat es nicht mehr… Auch nicht instand gehalten, nichts gemacht? Das ist ja wilde Mäulen und was weiß ich. So, eines Tages war aber der Schornstein, hieß es, der fällt bald um und der kann Schaden anrichten. Und das war wiederum für uns ein Ereignis als Kinder zuzuschauen, wie die Pioniere kamen. Eine Pioniereinheit, die jetzt daran übten, wie man solch ein, und das Gebäude, die ist nass, das Gemäuer, und da haben sie Entdingsern auch ziemlich viel kaputt gemacht.
In der Nachbarschaft Fenster, Scheiben, sind Wagen gegangen und so, bis das Ding endlich umfiel. Also es dauerte Stunden und naja, so weiter. Das weiß ich noch, haben wir mit Interesse beobachtet. Und wie meine Augen standen gezogen, dass ich mitgemacht hatte, diesen Zähler auszubauen. Das hatte mich auch interessiert und während der Angst, dass da Strom reinzog, es gab ja keine Prüflampen und so weiter. Könnte ja sein. Vorsichtig ein Draht nach dem anderen und das waren ja 400 Volt, Drehstrom. So ein Apparat, ein riesen Ortschiff von Zählern.
Und alles dachten, wir können es für unsere elektrische Eisenbahn verwenden oder was ich weiß. Und der Wache, der Häusler, der hat da gewohnt, ein paar Ziegen und Schafe gehabt, war ein Junge, ganz nett. Der ist nachher Elektromeister geworden. Nach dem Krieg hat er in irgendeinem Dorf hier auch noch gearbeitet als Elektromeister, selbstständig und ist nachher im Berufsförderungswerk Fahren so übergegangen. Ach ja, die haben mich dann öfter besucht, da haben sie den alten Mund ausgekramt, die Schande der alten unserer Jugend.
Da wart ihr ungefähr gleich alt? Ja. Und der ist inzwischen gestorben. Die Frau war so primitiv, wir waren mal da zu Besuch in der Nähe von Hameln. Da habe ich gesagt, der Alibi-Fon war nicht eingeschaltet bei ihnen, man konnte ja auch einen Anruf beantworten. Dann sagt sie, was ist denn ein Alibi-Fon? Das war noch damals die Jahre, heute sagt man ja allgemein Anrufbeantworter. Dann haben sie gesagt, das kannte ich noch lieber nicht. Naja, egal. Das war es eigentlich. Ja, und dann war Folgendes. Während des Krieges hieß es, der Vater müsste seine Kapazitäten ausbauen.
Man brauchte mehr Verdunklungsrullos und so weiter und so fort. Und er hatte ja gesagt, ich habe doch mein Auskommen, was soll ich hier, nach dem Krieg braucht das keiner mehr. Und da steht mir das alles rum. Und dann müsste eine Stacheldraht um die Firma gezogen werden und natürlich die Privatwohnung war ja angebaut an die Firma. Da sagt er, da kann ich doch bloß noch mit einer durchgeladenen Pistole und einer gezückten Reitpeitsche durch mein eigenes Grundstück laufen. Dass er gesagt hat, das Mitleid mit den Leuten, die da Zwangsarbeit machen müssen, habe ich nicht in Erinnerung gehabt.
Aber er fühlte sich nicht wohl. Nachher schlagen sie mich auch tot, schließlich, wenn der Krieg verloren hat. Also das wollte er nicht. Alternativ ist er hingegangen und hat gesagt, ich habe aber ein Grundstück, das steht leer, das könnt ihr haben. Und da zog ein gewisser Hoppe, so hieß der Mann, und der hatte auch einen Hund und der war gleich großer Jäger auch. Er hat sich mit meinem Vater also gleich an meinen Vater herangeschmissen und die halbe Göndelauerjagd, der Vater hatte ja drei Jagden, konnte sie ja während des Krieges gar nicht mehr alle bewirtschaften, in Schwalenditz, Jagdhütte, da musste man ja immer hinfahren, in diesem Rotwildrevier, in Aspernhausen, das sie nicht aufgegeben hat, Göndelauerjagd, das war schon, weiß ich nicht, der Großvater war auch schon Jäger, aber jedenfalls hatte er auch die Göndelauerjagd, drei Jagdreviere praktisch.
Göndelauer hatte der Großvater gehabt, da war mein Vater öfter. Ach ja, dann war das schon Tradition. Naja, gut, dann war Folgendes. Er hat dieses in einer Verwaltung, die unter Speer zur Verfügung gestellt wurde, und die schickten diesen Mann, der hat spezielle Geräte für die He 111, also für Flugzeuge, aber kleine feinmechanische Sachen, ich glaube gar nicht, dass sie die ganzen Gebäude genutzt haben, aber der hat sich da eingenistet und hat das gemacht. Und nun sind sie natürlich auch gemeinsam zur Jagd gegangen, und der Hoppe hat meinem Vater einiges erzählt, er hat aber an noch einem anderen etwas erzählt, und zwar der Gastwirt vom schlesischen Hof, der musste jeden Tag ein Mittagessen, da kriegte er die Lebensmittelkarte von ihm, liefern, sagte es wäre für ihn, aber er hat sich selber was wieder machen lassen, oder gekocht, oder ist essen gegangen, weiß ich nicht.
Und nachher wussten diese beiden Herren, dass er eine Frau versteckt hatte, eine jüdische, seine Frau. Die Frau von dem Hoppe? Ja, und dann ist diese Frau plötzlich von der Gestapo abgeholt worden. Das heißt, der Hoppe musste ja mal nach Berlin fahren, wieder zum Befehlsempfang, zur Übergabe irgendwelcher Dinge, oder wie auch immer, war ja immer sehr viel aushäusig. Und dann wurde trotzdem dieses Essen gebracht, das konnte ja nicht der Gastwirt selber, der hat ja immer hingeschickt. Und da haben sich die Leute irgendwelche Gedanken darüber gemacht.
Dann haben die das verraten. Jedenfalls hat der Hoppe nachher in der russischen Kommandantur, er war ja Opfer des Faschismus, und die Russen wollten ja egal, ob jemand rechts oder links, oder Unternehmer, erstmal alle, die gegen Hitler waren, für sich, wenn man so will, die sollten also mit an einem Strang ziehen, um also die ehemaligen Nazis zu regieren. Also Opfer des Faschismus wurde er durch seine Frau? Ja. Obwohl er für die Nazis gearbeitet hatte? Natürlich. Ja, ja, das spielte keine Rolle. Dazu war er ja gezwungen.
Also mein Vater hatte er das unter dem Siegel der Verschwiegenheit erzählt. Mein Vater hat uns nichts erzählt, seiner Frau nichts erzählt, wir wussten alle nichts davon. Und er sagte, hätte es nur noch dem Gastwirt auch erzählt. Und die beiden wussten das. Und bald hat er sich zum Bürgermeister von Friedland wählen lassen. Noch unter der russischen Besatzung, ehe die Polen kamen. Und hat da regiert und hat meinen Vater verhaften lassen und verhören lassen. Von der NKVD oder sowas, oder Antifa oder was es da alles gab, solche Leute.
Und dann hat er sehr natürlich, und dann hat er versucht aus Güllenau wegzukommen. Da ist er zu einem Bekannten gezogen nach Bad Salzbrunnen. Der war, die Frau war gebürtige Polin. Das war dann unter den Polen schon. Und die dachten, die könnten da bleiben. Und meine Eltern haben ein ganzes Jahr dort gewohnt. Aber zunächst war ja mal diese Sache mit dem Verhör. Da ist er aber glimpflich davongekommen. Ja, einigermaßen. Also die haben ihm nichts nachweisen können. Und dem anderen wohl auch nichts. Aber naja. Und deine Eltern haben dann bei diesen Freunden in Bad Salzbrunnen?
In Bad Salzbrunnen, das war ein Sandberg, Niedersalzbrunnen oder so, eine Drahtfabrik. Poolmann. Und der Sohn ist Chemie, diplomierter Chemieingenieur. Er wohnt in der Nähe von Schickau inzwischen, aber auch verrentet. Dem bin ich auch entverbunden. Dieses Jahr war aber dann Nachkriegsende. Also 46. Nachkriegsende. Und dieser Hoppe, also meiner Mutter erschien der auch immer etwas. Und die hatte immer so ein Gefühl, dass der Vater sich mit solchen Leuten anfreundet. So zwielichtig. Aber der hatte einen Werkzeugmacher, der Vater war in Amerika gewesen in den 20er Jahren.
Und da erzählt er, in Broadway oder Dings, da wäre ein Bahnenhaus gewesen. Und das hieß Wannermaker. Und diese Wannermakers Easy Washer wurde propagiert, also eine Waschmaschine. Und das ist er dann reingegangen. Und da ist, die machen das ja dramatisch, der Amerikaner, wenn einer nachgeht, da hab ich mir mein Hemd verschmutzt und so weiter, kriegt er einen Bademantel übergeworfen. Und der durfte sein Hemd ausziehen, das wurde in die Maschine und alles was da erzählt. Und dann wurde das da gewaschen und ganz schnell gebügelt und wieder angezogen und so weiter.
Das war sehr imponierend. Und das war ein Gerät, das hatte so drei, ging es immer so hin und her. Und so Saugarme, die so auch hoch diesen Takt machten. Und daneben gleich die Schleuder. Und dann hatten wir eine Waschfrau, die Frau Liebig, die sagte, nee, doch mag ich nun gar nicht, mit der Hand gewascht, bleibt doch mit der Hand gewascht. Und als die Maschine kaputt war im Krieg, da konnte unser Schlosser nicht, das war Witford gewinnen, ein ganz anderer Maß. Und das hatte der aber alles da, konnte ein Werkzeug machen.
Ich weiß noch, dass der Hoppe gesagt hat, danke, das hat hier anderthalb Tage Arbeit gekostet, da hätte ich ja für die Firma Henkel schon, wer weiß, wegen Sabotage der Rüstungsindustrie, was jemand erfährt und so weiter. Na ja, daher ist das eingebaut worden, und dann lief die Maschine wieder. Das war dann aber, das war im Krieg dann. Ja, die ganze Kolberei hatte der, ich hatte ja ein Jugendjagdschirm, konnte schon mitlaufen bei dieser Jagd, die dem Hoppe dann gehörte. Und nur unter Begleitung eines Erwachsenenjägers, aber war keiner neben mir, so die Schützen waren ja sehr knapp.
Und da habe ich dann auch einen Hasen geschossen, war ich sehr stolz drauf. Na ja, gut. Und dann, ja, Fußball, die Gülle nach der Jagd war nicht so ergiebig.
Abschnitt 2
Also, Landwirtschaft hatten die Großeltern wohl. Ich weiß nicht, ob sie sie selbst bewirtschaftet haben, glaube nicht. Aber wir hatten die Landwirtschaft verpachtet. Der Pächter hieß Ilchmann. Der hatte keine Pferde. Er hatte aber zwei kräftige Ochsen. Er hatte einen Kuhstall mit ungefähr, schätze ich mal, zwölf Kühen, ein paar Schweine, Schweinestall, auch Hühner und was zu. Und der Vater hat sich immer beklagt, er musste eine neue Jauchengrube bauen, damit nicht die Jauche in den Fluss läuft. Irgendein Gewerbeaufsichtsamt hatte das verlangt und die Pacht wäre so niedrig und es wäre auch ein Zwang gewesen, dass man da, der wollte am liebsten einen Erbhof, er wollte das übergeben kriegen, der Ilchmann.
Und er hatte die Pflicht, uns jedes Jahr ein Schwein zu schlachten, jeden Tag zwei Liter Milch, mussten wir Kinder meistens oder Dienstboten ist rüber, wir manchmal mit in den Kuhstall da und haben dann die Milch weggeholt und Eier und alles Mögliche. So, das musste er liefern, glaube ich. Und dafür kriegte er keine, und alles im Gebäude musste mein Vater im Stand halten. Da waren, glaube ich, auch eine Menge Kinder, ne? Bei dem Ilchmann, oder war nicht? Ich kann mich erinnern, weil mein Vater erzählte immer, dass er bei irgendeiner Familie war, wo ein Rattenschwanz an Kindern war, wo noch die Mutter, die hatten nur so einen Lehmboden da und die Mutter, wenn die pinkelte, die pinkelte einfach in den Raum, trug auch keine Unterwäsche und das waren also wilde…
Das muss noch vor meiner Zeit gewesen sein. Also der Ilchmann wohnte über den Stallungen, da ging eine Treppe hoch und davor war ein Familienhaus, was der Großvater gebaut hatte. Da waren ungefähr acht Familien, also auch die in der Druckerei arbeiteten und so weiter. Und das war eigentlich moderner als dieser große Kasten, dieses Vierkehl. Das grenzte direkt an euch dran? Nee, nee, nee, das war ja noch ein bisschen weiter weg. Also so vielleicht ein Kilometer, nicht ganz, 800 Meter weit weg. Da ging aber eine elektrische Leitung rüber und die hatten auch Wasser von uns und Strom von uns.
Das Familienhaus und auch der Ilchmann. Der Vater hat im Krieg mit ihm so ein Gentleman's Agreement treffen wollen, um in den Zustand der Selbstversorgung zu kommen. Also sozusagen, wir lassen das mit der Pacht sein und sie sind bei mir ein Ding und ich bin dann derjenige. Er wollte ja gerade das Gegenteil. Er wollte erreichen, dass er das Ganze kriegt. Also waren gegensätzliche Interessen da und der Ilchmann hat sich da sehr gesperrt und hat also gar nichts mehr geliefert. Und daraufhin haben wir einen Stall gebaut, hatten wir zwei Ziegen drin, ein Schwein und alles mit Hühnern.
Also hat die meine Mutter verwaltet und sich entsettert haben, was dazugehört. Achso, dann hatten wir noch nachher zwei ostfriesische Milchschafe, die haben ganz fette Milch gegeben. Und da waren Selbstversorger. Und da haben wir noch Wiese gepachtet und ich glaube diese Mangelwiese, die durfte immer der auch abernten und seine Viecher drauf treiben. Der aber Täuber, mein Freund, das war ja älter, der hat Kühe gehütet und ich hab ihm geholfen, weil ihm das langweilig war und so weiter. Und da waren Tennisplatz drauf, der gehörte uns und eine Bude, wo wir drin sitzen konnten und da war auch noch ein Brunnen acht Meter tief, aber kein Trinkwasser und da ging der Müllkram rüber.
Nochmal zu der Landwirtschaft, war die auf der Seite der Straße, auf der auch die Fabrik war? Ja, auf derselben Seite. Auf derselben Seite, aber der Weg, also nicht auf der Straße, an der Straße, sondern im Hinterhof da, wo das große Familienhaus war, wenn man auf diese Allee lang ging, da waren so Kastanienbäume, da ging man zu dem Ilchmann, also weit war das nicht. In Richtung tschechische Grenze? In Richtung tschechische Grenze, ja. Und da haben wir dann also eigene Landwirtschaft gehabt. Grenzte die Görlenerauer Jagd da schon wieder dran?
Oder war die Landwirtschaft Teil der Görlenerauer Jagd? Würdest du das sagen? Oder war die wieder noch weiter weg? Die Landwirtschaft? Die Jagd, die bejagbaren Flächen. Das war alles, also die Jagd ging über die Landwirtschaft. Ging über die Landwirtschaft. Ja, wir haben die Landwirtschaft betrieben. Also bis zur Eisenbahn. Bis zur Eisenbahn und erstreckte sich das? Bis zur Buchenlehne, das ist die tschechische Grenze. Die Buchenlehne, da ist dieses kleine Häuschen, was ich dir gezeigt habe, das ist die Buchenlehne gewesen.
Ich habe es auch im Foto da. Da war so ein kleines Häuschen, da war mein Vater sehr gerne, als er dort zur Jagd immer ging, als junger Mann auch. Der ist ja schon mit 15 oder so schon sein erstes Rehwild geschossen und so weiter, mein Großvater. So ein Hundezwinger hieß Buchenlehne, von der Buchenlehne. Unsere Tecke. Der Zwinger hieß von der Buchenlehne. Also da gab es Birrkühner, da gab es wunderbar Rehböcke. Genau. Da habe ich einen Rehbock geschossen. Genau. Und das war, die lief über die Buchenlehne. Ging das in Richtung tschechische Grenze?
Dann war die tschechische Grenze. Also war das schon die Grenze wahrscheinlich der Jagd auch da? Ja. Die Görlenerauer Jagd. Die gesamte Görlenerauer Jagd, sagen wir mal zu zwei Drittel, wurde durch die tschechische Grenze begrenzt. Und da ist Folgendes passiert. Man musste ja, wenn man einen Rehbock geschossen hat, oder ein Rehstück, ein größeres Schalenwild, musste ein Wildursprungsschein ausgestellt werden. Und der Vater hatte, weil er den Abschuss ja erfüllen musste, ich glaube es war schon während des Krieges, einen Schlesischen Ruf, ein Wildbrett geliefert.
Da hat dann so ein Nazi, so ein Boss irgendwie, ein Stück ganz dicke Strohkuh gefunden. Chef zuherkommen lassen und sagen, wer hat das, was ist hier los? Das ist ja gegen das Jagdgesetz, was selbst unter Göring sehr, sehr streng ist. Und der Vater hat eigentlich… Warum mit Posten geschossen? Das durfte ich. Es lief ein Nahverfahren gegen sich selbst eingeleitet. Man hat dann beweisen müssen oder dargestellt, dass seine Jagd an der tschechischen Grenze liegt. Also muss es noch vor 30 gewesen sein. Und die Tschechen schlossen mit grobem Schrot, 4,5 mm, sowas hatte er gar nicht in seinem Gewährstrang.
Das waren zwei Indianer, diese Jachthünde, die jedes Jahr ganz viele Jungen warf und ein großartiger Hund war. Mit all ihrer Welpen, die hatten wir uns behalten, die sind dann gegangen über die tschechische Grenze gelangt. Und ist dort erschossen worden. Und der Eltern ist mit lauter dicken Schrotkugeln im Leib zurückgekommen und da ist der Tierarzt gekommen, hat sie rausspulen müssen und so weiter. Und da hat der da gelegen, so krank. Und dann ganze Woche haben wir ihn gepflegt. Gab es doch noch mal eine Geschichte mit dieser Einladung zur Jagd von irgendwelchen Nazigrößen?
Hast du mir doch auch mal erzählt. Das war was anderes. Das hat sehr viel… 1935, 1934 war die Olympiade. Und gab es eine Mannschaft, damals, heute sagt man es Biathlon, ich weiß nicht wie man das sagt, jedenfalls waren sie schießen. Ich weiß nicht, ob das Biathlon richtig war schon damals oder nur Scheibenschießen. Aber nein, sie mussten auch, also der Vater hatte als Kreisjägermeister mit anderen, mit Zähnen in Waldenburg gestiftet, einen Tontauben-Schießstand. Die hatten nicht nur eine solche zum Spannen, sondern drei, konnten Ding, Stang, Ding, Stang, musste man also sehr reagieren.
Und das wusste der Baujägermeister, ein Freiherr von Reibnitz. Der hat den Vater angerufen und sagte, ich bin gefragt worden von höchster Stelle, hören persönlich, man sollte doch, wenn einer einladen möchte gerne mit Schützen gemeinsam, sie haben doch diesen wunderbaren Schießstand, der war ja dazu einladen und so weiter und das wäre doch eine Möglichkeit und dann könnte man doch die Leute auch mal zur Erdt einladen und dann könnte man mit Leuten, die Berufsjäger oder passionierte Jäger sind und gute Schützen sind und da ist, weiß ich, ein Riesgrobel, der war so arrogant, der hat jeden Morgen oben an seinem Dings gestanden, auf seinem Schlafzimmerbalkon und ein Dienstmädchen musste ihm Tennisbälle hochschmeißen.
Der hat das mit dem Typ gemacht und das war eine, das ist ja für eine Übung, weißt du ja auch, ein geübter Schütze. Und dann hatten wir den Baron von Zedlitz, der war sagenhaft, also wenn eine Treibjagd in den 200 Hasen geschossen worden ist und weiß ich, ein Dutzend Versagen und Schwerepühen und auch Wildenten, also eine Riesenstrecke, der war immer der Schützenkönig, das dann hieß Treibereien und so weiter und da kamen die Hasen aus allen Ecken geschossen. Also bis mein Vater, der hatte ein Gewehr, wo er fünfmal drücken konnte, glaube ich, so ein Browning, ohne dass er repetieren musste und der Zedlitz hatte das hier so einzuhängen und ganz bequem.
Aber der Zedlitz, der war so fix und so geübt als Schütze, der hat alle abgestochen, ausgestochen. Also den hätten sie gleich mitnehmen können zur Olympiade, wenn ich der Meinung bin. Also den habe ich mir also bewundert als Kind. Und der Junge, der und ich weiß nicht, ein Dutzend Jäger oder fünf oder sechs Jäger des Kreises Weidenburg haben diese Leute eingeladen, ein paar waren von der Waffen-SS, der Machtsleute und ein paar Sportler. Also die deutsche Mannschaft und die sollten also ein Training und ein lebensnahes Training und was auch Spaß macht und so weiter, also wollten acht Tage oder so auf diesem Schießplatz und dann Tontaubenschießplatz und so weiter.
Das war eine Sache, aber gab dann auch noch irgendeine Sache, hast du mal erzählt, dass… Ach ja, das war das nächste. Der Reibniz im Krieg hat meinen Vater angerufen und sagte, hör mal, ich habe hier die Pflicht, ihm mitzuteilen, dass verdiente Frontkämpfer, die verwundet waren, die im Lazarett waren, denen sollte man die Möglichkeit geben, eine Ernte ihres Beins…
Abschnitt 3
Er kriegte eine Nachricht und wahrscheinlich auch einen Brief, er solle doch in seiner Jägerschaft darum werben, dass man für bediente Frontkämpfer einladen möchte, die zu einem Erholungsurlaub nach einem Lazarettaufenthalt zur Jagd zu gehen. Und da kamen also drei Leute zunächst mal zu ihm, sagte er, muss ja mit gutem Beispiel vorangehen, er ist kein Jägermeister, hat ja nicht unterrichtet, und die waren aber überhaupt nicht gesellschaftsfähig. Und das waren glaube ich so Kettenhunde, das waren nicht SS-Leute, aber so diese Militäre-Gendarmerie oder was, ne, so nannte man die, die in den Zügen kontrollierten, ob einer auch richtig auf dem richtigen Weg ist, desertierte oder unbedingt macht oder sonst was, ne, oder gab Pornhülle.
Und ja, und da sind die berichtet, der Waldwärter Krause ganz aufgeregt, Vater hat ihm nur gesagt, das Revier gezeigt, ich habe Zeit, mit dir mitzugehen, hier ist der Waldwärter, der wird sich betreuen und so, die haben hier rumgeknallt, die haben eine tragende Hirschkuh, so Dekodanten, ich habe gar nicht kontrolliert, einen Jagdschein, wissen Sie das überhaupt, einen Jagdschein? Also der Vater hat mit einem Beschwerdeanruf bei dem, sagt er, um Gottes Willen, nein, dann nie wieder, ich werde jetzt aufpassen, dass da die Richtigen kommen, und dann sind die, ja gut, und nächstes Mal kam ein Professor Kilian, der war leitender Chefarzt in, ich weiß nicht wie diese Universitätsklinik in Breslau hieß, ein hochgewachsener, sehr gebildeter Mann, spielte Klavier, hatte eine Staffelei, zeichnete, habt ihr den mal dadurch kennengelernt?
Ja. Und so weiter, und hatte auch sehr viel Jagdglück, und dann hat er gesagt, nee, rief er mal den Waldwärter an, der Krause, der hieß Lachkrause, weil er gemacht hat, wenn er gesagt hat, dass er gesprungen hatte, und dann hat er gesagt, der Krause, wo stehen die Hirsche? Er sagte, ja, die sind hier übergewechselt vom verschwiegenden Staat, hier von der Zähne in die 26, und da war die geiste Möglichkeit, und da könnte es aber auch sein, dass sie in jenes und da, dann kommen sie auch mit ihrem Gast, und werde ich schon mal sehen, und ich könnte auch mal, die gehen heute Abend nochmal gucken, naja.
Und ja, und da sind die berichtete der Waldwärter Krause ganz aufgeregt, der Vater hat ihm nur gesagt, das Revier gezeigt, ich habe Zeit, mit dir mitzugehen, hier ist der Waldwärter, der wird sich betreuen und so, die haben hier rumgeknallt, die haben eine tragende Hirschkuh, so Dekotanten, ich habe gar nicht kontrolliert, einen Jagdschein, wissen Sie das überhaupt, einen Jagdschein? Also der Vater hat mit einem Beschwerdeanruf bei dem, sagt er, um Gottes Willen, nein, dann nie wieder, ich werde jetzt aufpassen, dass da die Richtigen kommen, und dann sind die, ja gut, und nächstes Mal kam ein Professor Kilian, der war leitender Chefarzt in, ich weiß nicht wie diese Universitätsklinik in Breslau hieß, ein hochgewachsener, sehr gebildeter Mann, spielte Klavier, hatte eine Staffelei, zeichnete, habt ihr den mal dadurch kennengelernt?
Und hatte auch sehr viel Jagdglück und dann hat er gesagt, nee, rief er mal den Waldwärter an, der Krause, der hieß Lachkrause, weil er gemacht hat, wenn er gesagt hat, dass er gesprungen hatte, und dann hat er gesagt, der Krause, wo stehen die Hirsche? Er sagte, ja, die sind hier übergewechselt vom verschwiegenden Staat, hier von der Zähne in die 26, und da war die geiste Möglichkeit, und da könnte es aber auch sein, dass sie in jenes und da, dann kommen sie auch mit ihrem Gast, und werde ich schon mal sehen, und ich könnte auch mal, die gehen heute Abend nochmal gucken, naja.
Und ja, und da sind wir los, er ist los, ja, ich mit meinem Vater auf einen Hochsitz, der ein bisschen abseits war, wo vielleicht auch was passieren könnte, da kam ein Dachs an mit seinen Jungen, das war schon interessant für mich, und dies und jenes, aber kein Rotwild, und so, naja, er wollte ja nur einen Hirsch oder was, ne, schießen, und plötzlich knallt ein Schuss, der hatte ja wohl Jagdglück, und dann sagt der Vater, eine Zwillenlänge, da löschte los, und er sagt, ich hab einen Anhänger mit, und das war im Krieg, und sagst du, bloß, der soll nicht aufbrechen, ich will da ein ganzes Eingeweide, und das nehmen wir drei mit für die Hühner, so, bin ich da hingekommen, er hat geholfen, und hatte er, ich hab soweit aufgestöpselt, so ein kleines Messerchen, mein Vater, der hatte alles genau sortiert, reingelegt, der hat vergessen, dass er Chirurg war, ne, ja, aber Bübchen, siehst doch nun mal meinen Beruf, das ist so niedlich, ne.
Abschnitt 4
Und dann war das Folgende, ich war verwundet, habe eine Postkarte geschrieben, Feldpostkarte, die ist auch angekommen und die ist abgegangen vom Hauptverbandplatz Görlitz. Jetzt willst du von deiner Flucht praktisch sprechen und deiner Verletzung? Eigentlich nicht. Ich will davon sprechen, was ich dem was zu verdanken habe. Ja, das wäre nochmal ein anderes Thema vielleicht.
Abschnitt 5
Hallo? Ja, jetzt läuft es. Achtung, es geht los. Achtung, wir wollen jetzt anfangen. Mein Wehrdienst. Die Musterung für den Wehrdienst im Frühjahr 1944 passierte kurz vor meinem 17. Geburtstag und zwar in Trautenau, dem Ort, in dem ich seinerzeit zur Schule ging. Mein Vater hatte mir den Rat gegeben, melde dich zu einer Nachrichtenkompanie. Hier hast du die längste Ausbildung und wenn du damit fertig bist, ist der Krieg vielleicht schon zu Ende. Es war Glück im Unglück, dass ich beim Einsatz beim Ostwallbau im Oderbruch, das geschehen hieß Unternehmen Berthold, eine Lungenentzündung bekam und im Reservelazarett Grünberg von katholischen Nonnen gesund gepflegt wurde.
Als das geschehen war, waren meine Arbeitskameraden bereits zum Partisaneneinsatz nach Polen abgezogen worden. Mit einigen anderen Fußkranken der Völkerwanderung musste ich dann das verlassene Reichsarbeitsdienstlager bewachen. Aus diesem Dienst wurde ich erst kurz vor Weihnachten 1944 entlassen. Ein Glücksumstand, in Gülenau in meinem Elternhaus Weihnachten und Silvester verleben zu können. Es war eine schöne Zeit, die ich intensiv genossen habe. Das Haus war mit Leuten vollgestopft. Freunde meiner Mutter aus Hannover und Berlin ausgebombt oder von Fliegerbomben und Feuersturm bedroht, auch Flüchtlinge aus Ostpreußen.
Abschnitt 6
Hallo, ja jetzt läuft es. Ach, ich muss das vielleicht nochmal wiederholen. Also, ich konnte mich mit meiner Freundin Brigitte treffen, deren Mutter, Frau Simonides, Frau des Inhabers der Güllenauer Mühle, backte wieder meinen Lieblingsstreuselkuchen, bei dem sich unter dem Streuselbergen eine dicke süße Mohnschicht befand. Mein Vater hörte nachts regelmäßig ausländische Sender, weil das verboten war, berichtete er uns und dem engeren Familienfreundeskreis von dem bedrückenden Frontverlauf. Weihnachten gedachten wir der vielen von Kriegseereignissen heimgesuchten armen Soldaten, dem Flüchtlingstrecks und von Luftangriffen beängstigten Landsleuten, aber unser Haushalt funktionierte noch.
Es gab gut und reichlich zu essen und es gab trotz der vielen Elendsberichte wurde Silvester ausgelassen, gefeiert. Es war wie ein Tanz auf dem Vulkan nach dem Motto, genieße den Krieg, der Frieden wird furchtbar. Voraussichtlich für jeden traf das zu, der den nicht mehr zu erwartenden Endsieg überhaupt noch erleben konnte. Schließlich musste ich Abschied nehmen von der Familie, allen vorhandenen Freunden in unserem Dorf und während immer noch neue Flüchtlingsströme ankamen. Meine Elternhaus erst viele Jahre später in fortgeschrittenem Alter wiedersehen zu können im fast verfallenen Zustand, das konnte ich damals bestimmt nicht ahnen.
Am 4. Januar 1945 musste ich mich bei der Nachrichteneinheit in der Kaserne Linz melden.
Abschnitt 7
In Schlesien fuhren noch die Reichsbahnzüge immer noch von Bomben und Tieffliegern unbehelligt und auch weitgehend pünktlich. Im Zug die üblichen Kontrollen durch die sogenannten Kettenhunde, das waren Angehörige der Feldgendarmerie, die so behängt waren mit irgendwelchen klapprigen Blech, deswegen hießen sie Kettenhunde, ein uniformierter Soldat wurde abgeführt vielleicht, weil er sich von seiner Truppe entfernt hatte oder eine Verlegung seines Frontstandortes mit einem Umweg zum Wohnort seiner Familie wahrnahm. Da kannten sie keine Gnade.
Alles weitere verlief wie beim Reichsarbeitsdienst, Schreibstube, Kleiderkammer und der hier tätige Viez war aber wesentlich bemühter, mir die richtige Klamottengröße für mich zu finden. Bis auf die viel zu weiten Knobelbecher und Fußlappen, das Problem kannte ich aber bereits. Aber keiner verbot uns auch eigene mitgebrachte Strümpfe zu tragen, im Gegensatz zum Arbeitsdienst. Für alle Wehrmachtsteile verbindlich war ja die Grundausbildung fällig mit dem üblichen Schliff, aber das konnte uns Hitlerjugend, Reichsarbeitsdienst und Tüchtungslager, dadurch waren wir abgehärtete junge Jahrgänge, das konnte uns da nicht so viel anhaben.
Aber mit uns eingezogen wurden auch einige sogenannte Spätlesen. Das waren bislang UK-gestellte Leute, die in der heimischen Kriegswirtschaft unentbehrlich waren. Unsere Ausbilder haben sich eigentlich relativ human verhalten. Ein älterer Spieß, Feldwebel, der seinen linken Arm nicht mehr bewegen konnte und ein Unteroffizier, beide dekoriert mit silberner Nahkampfspange, Eisernem Kreuz, Gefrierfleischorden, Verwundetenabzeichen und was man da so alles bekam, wenn man lange in Russland gekämpft hatte. Der zeigte uns seinen entblößten Arm mit einer langen Narbe, die ihm ein Sowjetsoldat mitsamt Bayonett beigebracht hatte und dabei wichtige Nervenbahnen und Sehnen durchtrennte.
Abschnitt 8
Also diese Ausbilder, die konnten ja uns gar nichts mehr vormachen aufgrund ihrer Behinderungen. Und deswegen vorexerzieren wir mussten als junge Leute dann denen Spätlesen das zeigen, was wir schon gelernt hatten und naja, dieses Sprungaufmarschmarsch und auf Kommando Granaten aus der Kolonne herausspringen oder wo man auch war, sich hinschmeißen und nach, wie gesagt, aber Länge gewinnen auf Bodenhöhe, um nicht wieder hochzukommen, wo man runtergegangen ist.
Abschnitt 9
Ja, ich meine, das wäre doch auch diese sehr humanen Ausbilder. Es war ja nicht mehr diese Wahnsinnige Schliff, den wir vorher erlebt haben bei anderen Institutionen, wie schon dargestellt. Aber neu war beispielsweise Umgang mit der Panzerfaust. Du musst ja aufpassen, dass das hinten offen ist, dass du diesen Feuerstrahl nicht, dass du hinten, das ist also Wahnsinn. Wenn du in einem Erdloch bist, musst du mit vollem Oberkörper rauskommen. Deswegen hatten die Ivans nachher schon auf ihren Panzern aufgesetzte Infanterie, die da auch Vogtl und jeden, der da angelegt hatte und in Schusspositionen sich bringen wollte, der kriegt da also schon ein oder Scharfschützen und so was.
Das eine. Zweitens Handgranaten werfen, das war auch ein wichtiges Lehrthema. Also du musst die Handgranate abziehen, das heißt, dann wird sie scharf und dann ist man geneigt, sie ganz schnell dem Gegner entgegenzuwerfen. Es gibt die Eierhandgranaten und Stielhandgranaten. Und meistens hat man die Eierhandgranaten in Hand gelegt, hat nur ein paar so Ohren gebammelt hier. Und dann musst du aber zählen. Ich weiß jetzt nicht mehr die Zahl, bis fünf oder bis zehn, weil sonst ein gewiefter Gegner das Ding nimmt und weiß, der hat sie sofort geworfen und dann schmeißt er sie dir ins Gesicht und platzt dann dir vor die Birne und so weiter.
Und solche Dinge, da waren Leute manchmal relativ unbeholfen, auch nachher im Aktiven, die sind daran selbst kaputt gegangen, dass sie praktisch heute, sagt man, friendly fire. Und das haben wir auch erlebt, nachher werde ich darüber berichten. So, also das war das Lernprogramm Schießen natürlich. Und da konnte ich eigentlich ganz gut abschneiden, auch auf bewegliche Ziele. Das sieht man ja heute bei den sogenannten Biathlonen, also die Bezeichnung gab es damals noch nicht. Aber da musste man schon ziemlich abgehetzt sein mit dem Karabiner 98, mit Beuteln, mit Kochgeschirr, mit verschiedenen Feldspaten, mit Gasmaske und Munition und so weiter.
Warst du behängt, ich weiß nicht wie viel Kilo, und dann natürlich über Eskalierwände oder im Gelände und Robben und sowas. Also das war dann, und dann natürlich das Anlegen und ein Schießen, du bist ja außer Puste. Das ist also sehr, sehr schwierig, gelingt aber auch mit Training. Wir hatten aber nur drei Wochen Zeit für die Grundausbildung. Und einiges hatten wir ja schon vorweg mitgekriegt, aber die Leute, die jetzt erst im gesetzteren Alter und Schreibtischhengste waren und so, die haben sich enorm schwer getan.
Das war für die also eine absolute Überforderung. Und dann kam die Stunde der Wahrheit, da dachten wir jetzt lange Funkausbildung, doch Funken haben wir dann gelernt, Morsetaste kannte ich schon, Morsezeichen auch. Das ging natürlich etwas holpriger, das wird allmählich aber antrainiert, dass man das schneller kann. Was mir schwer gefallen ist, offengestanden, kein großes Mathematik-Szenier, Entschlüsseln und Verschlüsseln. Also da waren andere besser. Es gab ja auch Leute, die schon Abitur hatten und so. Ja, und ältere Herren sogar auch.
Okay, aber das ist auch eine Frage, Übung wie vieles andere im Leben. Gott sei Dank musste ich das nicht mehr machen, aber es kam viel blödere woanders nicht, dass die Kaserne geräumt werde. Liegnitz wurde zur offenen Stadt erklärt und es wurde alles verladen, jeder gammelt praktisch, jede Aktordnung und was sich angesammelt hatte an Papierstapeln und Dingen, kleine Büromöbel und wir mussten alles, also ganzen Geräte, die Schiffriegeräte und weiß ich was, sehr, sehr sorgfältig verpacken und verladen auf gemietete Pferdewagen, auf zwei, drei LKWs, die wir selber hatten, die auch noch wieder festgezurrt werden mussten.
Das machten aber die Reichsbahner zusammen mit Fremdarbeitern, sagte man, also Zwangsarbeiter waren das. Damit hatten wir nichts zu tun. Es war aber ein Unteroffizier dahin abdelegiert, der Knabe überwachte das Ganze und wir hatten uns eine Stunde gestohlen, um jetzt diese Schnaps, weil wir auch davon Vorteile hatten und der uns immer so großzügig bewirtet hat, weil wir haben uns bei ihm in der Villa herrlich die Nase begossen, wir haben sehr viele Sorten durcheinander probiert und so weiter. Das war ganz schön. Das war doch ein bisschen ausholen, weil das ja noch nicht aufhielt.
Das war ein netter Typ. Der hat auch dann rumfantasiert, dass er ja eigentlich völlig zu Unrecht und wenn das der Führer wüsste und so weiter, dass der unverunentbehrlich und würde doch sehr viel Besseres leisten können auf seinem Gebiet und kurz und klein. Und dann hat er, nachdem also dieser Auszug aus der Kaserne stattfinden sollte oder stattgefunden hat mit dem ganzen Einpacken und Verladen schon, der Zug stand da zwei, drei Tage, ein ganzer Güterzug, nur für diese Inhalte dieser Kompanie oder mehr, ich weiß es nicht.
Da waren ja auch viele, die dann Telefone und was nicht alles, solche Dinge mit ganzen Verteilerschränken und so alles aufladen und verladen. Das ging aber alles noch so, dass es uns also körperlich nicht überfordert hat. Wir waren ja einigermaßen trainiert und dann kam der bestgrößte Scheiß, dass wir den Handwagen beladen haben mit allen kleinen Paketen und das ist eine Flasche aus dem Jahre 1700 und wie viel und die muss auch noch mit, also der beste Wein, den es hier gibt, aus der Villa. Und das war so am anderen Ende von, wir haben eine Stunde bis anderthalb, ich weiß es nicht mehr, gebraucht, um mit diesem Handwagen da hin und das hat ein Spieß dann doch wahrgenommen und sagte, pass auf, ihr seid jetzt dran, Jungs.
Vier Leute waren da und dann hieß es jetzt, alle Öfen mitnehmen, abbauen. Also ich weiß nicht, was für Einbildungen die Leute hatten, dass man hier Front oder Programm, die wussten wahrscheinlich auch nicht, wo es hingeht. Das war eben einfach ein Befehl und der wurde durchgeführt und das wurde alles ab, die Rohre, also das Qualm, die Ruß, das sah aus wie die Schweine und haben das runtergebracht und haben hier wirklich, also wir hatten vielleicht so Dreiviertel aufgeladen und das waren so an die 25, 30 solche, so schwere, solche Eisernöfen.
Ja, und da kamen also richtig martialische Typen und ein Offizier dabei, wo Leutnant Oberleutnant, weiß ich nicht mehr genau, und der fuchtelte mit der Maschinenpistole unter der Nase rum und der eine hatte schon den Fehler, die anderen gleich, ich wollte mich, ich behaupte, sagen, das waren natürlich, wollen wir mal sagen, es war so ein Februar, Sonne in den Arsch abfrieren und so, naja, denkt ihr euch, Befehlsverweigerung? Ja, da standen, auf Befehlsverweigerung. Strafkompanie, ne, dann dürfte man Minen räumen und so weiter.
Die meisten sind dabei draufgegangen und vor allen Dingen vorher, du kriegst ja kaum noch was zu fressen und so weiter, das war ja damals auch wichtig. Also da hatten wir dann doch Schiss und mussten den Befehl widerstreben. Und dann das ganze Zeug, die Treppen rauf mit zwei Mann, und ich war der Längste, ich durfte mal hinten gehen, Gott sei Dank, der Kleinere, der musste vorne. Und dann haben wir das also auch, denks ihr, wir hätten uns ja nicht da eher weggelassen, eh nicht sämtliche, und wieder angeschlossen mit den Ohren und so weiter.
Und dann passte das Rodel, wir hatten ja nicht durchnummeriert, wer was zu holen gehört. Also wir waren ja, die Zugabteilung hat ja nur noch auf uns gewartet, der hätte ja längst abfahren können. Stockfinster auf einem Abstellgleis steht der Dings, denn die war ja Verdunklung, Taschenlampe hatten wir nicht. Und da hat einer gesagt, könnt ihr ja hier einsteigen, Waggon aufgerissen, und ich dachte, das ist schön, so weich und so bequem. Musstest dich nicht in irgendeine Ecke von einem Güterwagen, wo ja nichts drin ist, hinhocken, sondern wir konnten ja richtig schön, ich hab geschlafen, ich hab nicht gemerkt, dass der Zug, ich weiß nicht wo, zwischendurch gehalten hat, in Görlitz, glaube ich, und dann ging es bis nach Penzig.
Das ist ein Ort etwa zehn Kilometer nördlich von Görlitz an der Neiße. Und da war ein Brückenkopf, den hatten aber die Russen schon überschritten, saßen in einem Wäldchen. Und ich weiß jetzt, da ist bei mir eine Gedächtnislücke. Also ich weiß nicht, gab es da irgendwo ein Quartier oder eine Baracke, wo wir unser Zeug abladen konnten. Wir hatten ja auch noch irgendwie ein bisschen Gepäck. Ich weiß nur, dass ich mir ein Teil die Tarnjacke anziehen musste und über den Uniform-Dings, und dass ich dann sah, dass hier blutig war und stinkiges Zeug dran war.
Und da waren die Löwen, die da reingegangen sind, das hat ja schon nach Urin und Kot gestunken, hat einer gesagt, dass sie nur bei Tageslicht noch gesehen hatte. Wo ihr blöden Notare… Wir waren auch von den Kameraden noch blamiert und die Hilme war nicht zu überhören, kurz und klein. Und dann ging es irgendwann, das weiß ich nicht, was war, aber das war schon wieder dunkel. Also wir sind ja morgens angekommen, aber was dann war, irgendwie Einteilung oder so. Dieser Verein, in dem wir eingegliedert wurden, hieß Kampfgruppe Pietsch.
Klank ja sehr, wer Pietsch war, ich hab auch keinen gesehen. Und den größten Rang, den wir überhaupt gesehen haben, war vielleicht ein Feldwebel. Ja doch, einer noch, der war eigentlich ganz prima, der ist mitgekommen als Nachrichtenmann. Der hat auch die ganze Versorgung so ein bisschen, das war auch gleich ein, es wurde also alles wieder notiert, dann große Bürokratie, wer, wann, was, wo und welche Rangschuhe, Funkerhanke, Riefster, musste man dann schon so machen. Vorher durfte man so beim Militär, beim Arbeitsdienst ja immer schon, aber nachher war die Wehrmacht verpflichtet, auch den Arm auszustrecken, hat man gar keinen Platz mehr dafür gehabt.
So, kurz und klein, also den Hitler, den Beweis der Treue, ja. So, und das, was ich gemein fand, also da war ein Fußballfeld und dahinter war ein Wald. Und da haben sie, das war leichter Schnee, etwa 10 Grad Kälte, Februar, Anfang Februar. Und da sagten sie, pass auf, die Richtung in der Mitte und da sind ein paar Erdlöcher ausgegruben, also Stellungen so, und da sollte ich hinein, so als Vorposten. Da habe ich dann da drin gesessen, ich konnte bei meiner Länge überhaupt nicht dann, also so weit nur guckte, ich musste nicht raus, bloß kein Geräusch machen und ich hörte Geräusche von da drüben, von der anderen Seite, dass der Iwan da so husten und alles mögliche, die waren ganz nah dran.
Und dieser Mann, der uns da eingewiesen hatte, der muss gesagt haben, da können wir uns vielleicht noch mal…
Teil 3
Abschnitt 1
Ja, also einer hatte mir dann gesagt, da wäre eben notiert, dass ich ganz gut schießen könnte, und ich kriegte das Maschinengewehr. Und das war aber nun kein MG42, auf dem wir aus waren, das war wirklich gut durchkonstruierte Sache, sondern es war ein Flieger-MG. Na ja, dann habe ich mich damit eingerichtet, und der Blödsinn war, wenn eben eine Granatwerferbeschuss oder sowas war und Fontänen von Erde in der Links und so weiter, alles kam runter über uns, einschließlich der Granatsplitter, aber auch sehr viel Sand und Kram, dann drückte ich mich und musste ewig reparieren, das alles aus dem Zellplan, auch ein bisschen, um das wieder alles sauber zu machen, und so weiter.
Und da sollte der auch bei helfen, dann war er einmal weg, hat sich gekümmert um solchen Tinnef, der da jetzt kam, weil neue Pakete, Panzerschreck, was ich, was noch Dutzend anderes kam, was sich ja interessierte, dass man das irgendwo mit rumgeholt hat. So, der war noch mehr verspielt als wir alle zusammen, und kurz und klein, ja, und der Ivan, der kam in Wellen, da haben sie Leute ins Feuer geschickt, da habe ich den Eindruck gehabt, dass das also Leute waren, denen sie nur so eine Formjacke übergezogen haben oder eine Tarnjacke, und dass sie dann, darunter hatten sie, wir haben keinen gefangen, hat sich keiner gefangen nehmen lassen, aber die werden wohl erschossen hatten, haben wir sehen können, dass die Zivilkleidung, also Arbeitskleidung, so ein Overall oder sowas an hatten, und wahrscheinlich eben so Beute sowjets waren dann, ja, die haben sie so blind ins Feuer geschickt.
Achso, dann noch ganz furchtbar, es war also richtige lange Feuerpause, und wir hatten uns eingenistet in den Keller einer sogenannten Villa, also so ein ganz stattliches Haus, und das hatte auch vor dem Dings eine Pumpe, und dann war es ja sonst schon Anfang April manchmal so ein bisschen warm, und dann war das abgetaut, es hingen zwar noch Eiszapfen an der Pumpe, und dann konnten wir also das Hemd ausziehen und haben uns unter dieses eiskalte Wasser, was da rauskam, das war sehr abgehärtet, und ich habe manchmal gedacht, wenn die Nächte so lang waren, Mensch, wenn du jetzt irgendeine Krankheit kriegen könntest und würdest den, aber ich bin so abgehärtet, obwohl du hast so geschlottert und dich irgendwie ein bisschen bewegt, und die Nächte, es war so lang, also das habe ich eigentlich so qualvoll gewesen, konnte auch mal mit etwas erschöpft sich das Thema, kein Radio, kein nichts, nur Gerüchte, und eines Tages, ach das weiß ich noch, das ist der 18., wusste ich jetzt erst nicht, dass das der 18., weil ich ja nur den Kalender gehabt habe, und da war ein heller Feuerschein, und zwar in der Richtung, in der wir druckten, ein bisschen weiter links, also der Feind kam von Westen, also die Front, die wir hatten, und da, Dresden brannte.
Das hörten wir anschließend, wurde das durchgesickert, also das war ja auch Gezeiten noch, dieses Stadt kaputt zu machen. So, ja, dann sagte der, war eigentlich ein bisschen Ruhe, aber es waren, musste mal mal, Spähtrupps und Scheiß, und der hat keine Familie. Und das fand ich so ungerecht. Wir hatten das Leben doch noch vor uns, und wir wurden immer, alles, wenn Aufträge waren, in irgendeiner Weise, ja, da zu erkunden, ob da schon irgendwie jemand eingesickert ist oder was und so weiter, nicht? Und bei Nacht und Nebel da durch die Gegend, mit dem Gerät, was schwerer als ein Karabiner, nicht?
Und Maschinenpistolen, die gab es relativ wenig, nicht? Und ja, aber eines Tages war auch eigentlich ziemlich Frieden ausgebrochen, das heißt, der Russe, den hörtest du nur, Maschinengeräusch, Hämmern, die hatten eine Werkstattreparatur von Fahrzeugen und Geräten für den großen Sturm, gleichzeitig auf Berlin und so weiter. Dann hörten wir, hinter uns sind die Russen auch, die wollen den Kessel zumachen. Und dann ging das also wirklich auch los. Aber vorher hatten wir noch ein eigentlich niedliches, schönes Erlebnis, aber das nachher ist ein sehr trauriger Ausgang.
Also, Mensch, wir waren doch richtig dreckige Frontschweine, wir konnten uns nicht waschen, wann wir die Unterwäsche wechseln konnten oder wie auch immer, das war gar nichts. Wenn wir mal in dieses Quartier konnten, in diesem Keller von diesem Haus, dann musstest du über eine Holzstiege, da war eine solche Granate, über die musstest du wegsteigen. Heute würden sie das alles absperren, da könnte ja jederzeit durch irgendeine Erschütterung in die Luft gehen und so, das ist gar nichts ausgemacht. Wir haben dann da in dem Keller gehaust und dann sagte unser Spieß, pass mal auf, du könntest mal sehen, dass ihr ein paar Kerzen findet, dass wir mal ein bisschen Licht haben hier, es muss doch irgendwie in dem Dorf hier, die sind da alle abgehauen, ob was zu finden sein.
Und da sind wir eingedrungen in ein Lebensmittelgeschäft und dieses Lebensmittelgeschäft, das hat noch ganz nette Sachen gehabt und da haben wir natürlich alles, was irgendwie greifen konnte, ein bisschen Abwechslung im Fliege, Dings brachte, haben wir dann uns gegriffen und die Brotbeutel vollgestopft und auch ein paar Kerzen und so weiter. Und das haben wir dann, ach das war ja schön, solche Züge waren ja eigentlich interessant, und da haben wir auch natürlich dann Häuser, die leer standen und da war ein Bauernhof, da sind wir rein und da war eine Tafel gedeckt, lauter Hühnerbein oder halbe Hühner, ich weiß nicht mehr so, und ganz toll auf, also richtig wie, als ob man uns erwartet hätte, dass wir uns da hinsetzen und dann gucke ich mir das näher an und da war auf jedem Huhn schon so hoch weißer Schimmel gewachsen.
Und die hatten also nochmal ein Abschiedsessen machen wollen und dann war ein großer Granaten- und Artillerieeinschläge und dann sind sie im Turm gegangen. Aber dann sind aber wieder welche zurückgekommen, Zivilbevölkerung, und die hat sich beschwert, dass Plünderung stattgefunden hat. Wenn du eine Schublade aufreißt, machst du sie ja nicht wieder zu, wenn du eilig hast, plötzlich kommt Feuerüberfall und du gehst in den Keller und wenn du scheißen musst, dann scheißt du auch noch in den Keller oder irgendwo auf die Treppe, ist ja egal, geht ja sowieso alles kaputt hier.
Also man bist ja da auch sehr, und ja, und dann Spielzeug, da war so ein kleines Männchen, da konntest du auf den Kopf, der Penis kam hoch, mitgebracht. Und dann sehen wir da zwei Baumeln, das war aber keine Lanze, das waren Hilfs-, also so, die Ausgebrochenen waren, und die hatten sie aufgehängt auf den Bäumen. Wir haben geplündert, große Schilder dran, da haben wir dann Tschüss, nie wieder ins Dorf gegangen, mussten wir den Friedhof weg, schon über den Weg auf den Friedhof, das haben die immer, die Außenarme, auch irgendwelche Ferngläser, da laufen welche, da ging plötzlich Granatwerfer.
Die Katzen hörten sich an, da musst du hinter dem Grabstein Deckung nehmen und wir sind immer durchgekommen. Na ja, dann ein sehr schöner Sachen. Da kommt ein Mann, ein Land, ein Soldat, also geschniegelt. Also ich weiß nicht, wenn ich so 16 bis 17 war ich und ich dachte, Mensch, man guckt ja auch auf sexuelle Bedürfnisse. Das ist ja, also wenn du so aussehen würdest, solch eine Uniform. Der war ein Gebirgsjäger. Der hatte keine Käppi oder Stahlhelm, der hatte eine Schirmmütze und der hatte, und was das ganz Tolle war, ein blank geputztes Gewehr mit einem Zielfernrohr drauf.
Und das Gewehr hatte eine ganz besondere Eigenschaft, das führte er uns vor und er drückte ab, fünfmal oder gar zehnmal, ohne dass er repetieren musste, wie wir mit Karabinern. Und er war Scharfschütze. So, und dann war ein junger Leutnant, der erklärte uns das. Dieser Mann brauchte noch einen Begleiter und da stand auch ein Fernglas zur Verfügung und man müsste mit dem mitgehen, wenn man sich freiwillig meldet und man sollte beobachten, hätte er Beobachtungsauftrag, natürlich auch notfalls einen abzuschießen da, der irgendwie in Uniform und also in der leitenden Funktion, man sieht das ja, wenn man da irgendwo, also hier sind die Russen, was die da reparieren, was die da machen, ob das große, schwere Panzer sind oder nur Lastwagen und so weiter, das sollte also erkundet werden.
Ah, hat sich gleich der 16-Jährige gemeldet als Erster, dann war ich der Mitte. Aber dann, ich sag, Mensch, das ist kein so ein Gewehr, möchte ich, naja, ich hab auch was Jachterfahrung schon, so, und er, stehen freiwillig. Und da waren noch ein paar von der Post, kennst du die mit Ketten, solche Isolatoren, so drei, vier, und dann ganz riesen viele, die Leitungen waren kaputt, Telefonleitungen, und manche Mastengeladen schon, also so lädiert, und da hatte auch ein, vielleicht war der 200 Meter weg, stehend, freilich, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, boing, bo ich dürfte es sogar auflegen, das Gewehr, nicht gleich, man muss ja erst den Druckpunkt, man muss sich ja erst mal mit so einer Waffe vertraut machen, aber dann traf ich auch, naja, und dann der Leutnant und zwei, drei Leute, die da noch allerdings auch, so, und da war noch ein Mast, den hatten wir viel zu nah angesehen, und plötzlich fielen da die Isolatoren runter, wir hatten kein schnurrussischer Scharfschütze, der Spaß dran gehabt, ein Wettschießen zu veranstalten, das habe ich noch nie gehört, das war richtig lustig, da haben wir Spaß dran gehabt, ja, und der hat auch noch größere Entfernungen getroffen, ne, ich weiß nicht, ob die auch schon, diese, da ist Gasse gegangen, wir haben das gesehen, in Suhl, in Thüringen, da gibt es ein Museum, ein Waffenmuseum, da kannst du diese Gewehre, die ganze technische Entwicklung sehen, das ist die dann, gab es vielleicht schon ein paar Erfindungen, aber dass dann so jemand war, der das hatte, so, das war ja schön, der kam wieder, natürlich war das so, der Knabe im Grunde war das also eine Farce, der sollte, musste gar nichts, das hatten sie gar nicht mehr, wussten, die Russen sind stark genug jetzt hier, die haben so und so, wie das Grunde auch Luftaufklärung oder was auch immer, auch schon mal festgestellt haben, und dann hat der berichtet, da war so ein Donnerbalken, weißt du, das ist, wo man reinscheißt, da hätten zwei drauf gesessen, ob das nun wirklich Uniformierte waren oder nur welche, die sie auch von den Zwangsarbeitern rekrutiert hatten, um dort zu arbeiten, hat er abgeknallt und die fielen dann in die Scheiße und er musste bescheinigen ihm, dass das diese Abschüsse erzielt hat, so, dann haben wir noch mal abends mit denen zusammengesessen, da in unserem Keller und dann war der wieder weg und da kam er noch nach einer Woche wieder und da war noch einer, der dann auch noch, auch freiwillig, aber mit gewissen Druck natürlich, der wird sich dem erzählen, nicht und das war er schon, die Muffel war weiß gegangen, in dem Moment, wo die abgehauen sind, nach dem einen Schuss, den so zwei Schüsse, die der Mann abgegeben hat, da war die Hölle los, da schoss also der Iman in die Luft oder sonst wohin und das war also eine Panik, die dann ausbrach und die haben dann versucht, über irgendwelche Zickzackwege und Schleichwege durch die Wälder und Dings da wieder irgendwo an Land zu kommen, vielleicht an einem ganz anderen Prontabschnitt, da gab es immer Parolen, zum Beispiel, also ein Doppelwort, General, dann musste der andere sagen Adjutant oder sowas, also so das als Antwort und da wusste man, dass es kein Feind ist und das hat auch immer geklappt, so, dann war ich mal dran, ja und da wurde es dann schon ein Befehl, den man nicht verweigern konnte, das war aber wieder, der war woanders, an anderen Prontabschnitten, da gab es plötzlich, das war vielleicht schon Anfang April und da war es ein netter Kerl, Österreicher, so locker und freundlich und kameradschaftlich und naja und dann war ich dran mit ihm, aber wir sollten nicht dort, da machte er einen großen Bogen da rum, da sind wir in einem Dorf, das lag unten im Tal und wir waren im Wäldchen und da hat dann einer einen Balken getragen, also das war in der Schlosser, also gab es solche Werkstätten für vielleicht auch Autos zu reparieren, also so improvisierte Schlosserei und eine Ambosschmiede und sowas alles hatte, da hatten sich die Russen auch reingemacht nach oben und hatten auch irgendwelche Hilfskräfte und wie auch immer, zwei Mann trugen einen schweren Balken, den sie da irgendwie, wollten sie eine Rampe wohl bauen, das hatten wir beobachtet und vorher noch haben wir im Wald plötzlich Wildschweine hochgemacht und da haben wir auch gedacht, dass das schon die Feinde sind, weil plötzlich, ich weiß ja nicht was da, war ja auch noch, und dann plötzlich hat er erst mal den hinten abgeknallt und dann ließ der den Balken fallen und der guckte sich ganz treuherzig um, was mit dem los war und dann hat er den auch noch geliefert, das hauptsächlich, wie die schon durchsiebt wurden und wie wir dann ganz schnell versucht haben uns in die Büsche ganz anderen Frontabschnitte und Parole sind wir reingekommen und dann wieder zu uns, da war ich nie wieder und das war der letzte, also dieser war ich doch drei oder vier mal und dann auch ganz junger Kerl, der wurde auch dazu vergattert mit dem mitzugehen und der ist, da war so wie so ein Steilhang, nicht ganz, aber auch so Buschwerk und so weiter und da oben war der Volkssturm und die haben da Stellungen ausgehoben, weil das war natürlich anzunehmen, dass die…
Da könnte man ganz gut die abwehren, wenn die so viel tiefer sind, von der strategischen Stellung her. Und da hatten sie einen Mann, der den Ersten Weltkrieg mitgemacht hatte. Der war sogar mit einer Maschinenpistole ausgerüstet. So, und dann quälen sich diese beiden, dieser junge Mann und dieser Scharfschütze, der Gebirgsjäger, auf diesem Ang hoch. Und da ist ihm nur gesagt worden, angeblich, diesem Volkssturmmann, wenn sich da unten was bewegt, dann ist das der Feind. Hier, der lag da, der Gebirgsjäger, der hatte hier rüber so eine ganze Gara gekriegt.
Das war auch ein ganz erschütterndes Erlebnis, weil du mit einem Männchen auch so im Gespräch warst und eigentlich ein Kameradschaftsgefühl hattest. Aber andererseits konntest du mit diesem Auftrag wenig Verständnis haben, denn der Russe war im Grunde mit dem Einsatz der Scharfschützen humaner, muss ich sagen. Der hat nicht, wenn wir ein Stellungskrehen auskommen, wir konnten es recht frei bewegen. Während der ganzen Zeit, wo nicht gekämpft wurde, und das war ja die Zeit der Vorbereitung auf den großen Angriff, da hat doch keiner, und dass er sich da ranschlich und dann richtig irgendwie x-beliebige Leute abgeknallt hat, natürlich war das eine Angstpartie, da wieder wegzukommen.
Aber trotzdem, es war ja nicht eine Vernichtung von Kampfkraft, sondern es war ja richtig, ich fand das also nicht so witzig, wenn man nachher drüber nachgedacht hat. Naja, und dann hat mir der natürlich auch leid getan und wir haben den dann auch in eine Zeltplane gehüllt und haben ihn weggebracht. Und das war auch ein ganz erlehrter Typ, ne. Und das Gewehr, ich weiß nicht, wer das dann an sich genommen hat, das wurde gleich wieder transportiert.
Abschnitt 2
Dass eben der Graben aufgerollt wurde, von den Russen, dass sie mit Schräg anrücken mit T-34 Panzern und so weiter und dass dann eine große Fluchtbewegung begann und dass dann plötzlich irgendjemand wieder, was ich erzählte schon, da stand mit der MP und eigentlich kein Abgeknallter, aber hat die Leute echt bedroht. War Panik unter den Lanzern auch jetzt, wir können hier nichts mehr bewirken, der ist stärker, der Feind und dann gibt es so einen Herdentrieb. Und den wollten sie ja nun wieder, da haben sie Stellungen ausgehoben, bitte Stellung kriegen zum Ort.
Die hatten das Sagen. Und da war dann auch, ruhig bleiben, stören wir mal, ja, dann haben wir in einem Graben gesessen und es war aber auch ganz günstig, unsere Lage, es ging so runter und unten war das Gebiet, wo die Russen sich aber immer hinter so einem Bauernhof versteckten, auch wieder mit ihren Granatwerfern und dann alles was, achso, MG-Schütze 2 wurde mir ein Volkssturmmann zugeteilt. Ich sage, passen Sie auf, Scharfschützen, ich sagte, Mensch.
Abschnitt 3
Also kurz, was nicht sehr schön war, Häuserkämpfe, du weißt nie, wo der Feind ist. Die Russen hatten Flammenwerfer eingesetzt und wir haben also da wirklich hart akkert, aber die haben uns dann allmählich da rausgedrängt in ein Industriegelände. Da waren Fabriken und so weiter. Und das ist natürlich ein furchtbares Undurchsichtiges und überall liegen Glassplitter und so weiter. Blindgänger und ach naja. Kurz, das war nicht schön. Dann war aber ein Graben ausgehoben und dann hatte ich einen Volkssturmmann, der sagte, dann kam also auch wieder ein wahnsinniges Trommelfeuer.
Das hatte er bei Dörnung oder jedenfalls im Ersten Weltkrieg erlebt und gesagt, ja das war schon schlimm, aber das hier so, das gab es ja damals noch nicht, diese Stalinorgeln und Dinge erlebt und man den Kopf eingezogen und alles und klar. Und dann sagte unser Feldwebel, pass mal auf, da vorne, da steht noch ein Gerücht, das ist völlig kaputt, aber ihr müsst sehen, dass ihr, da könnt ihr mal ein Auge zumachen abwechselnd, seht zu was da drin ist, Bettwäsche, alles zusammen, versuchen Federbetten und alles da drin und den Laden anstecken.
Dann flaut das die ganze Nacht und der Ivan kann nicht da ran, aus Ecken und irgendwelchen Mauern und so weiter. So an einem Morgen, blauer Himmel, ich hatte ein wunderbares Federbett über mir, weiß, um Gottes Willen, alles was schwarz war und roß und überall lag ja Dings und das eingeebnet. Und dann dieser Kollege, der Volkssturmmann, der hat dann doch seinen Kopf ein bisschen zu, achso, dann baumelten im Himmel zwei Fallschirme, achso noch eine Episode, in diesem Kriegs, in diesem Gelände, da in diesem Häuserkrieg, da plötzlich kamen zwei Ju 87, ich weiß nicht, ob dir das ein Begriff ist, das waren Sturzkampfbomber, die hatten aber vorne solche Schnellfeuerkanonen, also waren als Stieflieger eingesetzt und die hatten natürlich nicht den Frontwert aufgekannt und die ballerten gewaltig da rein und dazwischen, also wir konnten uns gerade noch auf der einen Seite der Ivan und da waren die, das war also die Hölle und da sind ein paar Leute drauf gegangen.
Das war friendly fire. Ja, das war's. Und wir konnten die nicht dafür und wir nicht, das war falsche Nachrichten, funktionierte halt nicht mehr alles. So, naja, kurz und klein, dann waren also doch ausgebaute Stellungen, wir haben jetzt auf den Ivan gewartet, dass er angreift und als es dann losging, dann hat der doch den Kopf ein bisschen zu weit rausgehalten und ich weiß noch, da ging also hier zur Stirn rein und da kam ganz schwarzes, langsames Blut und hinten am Genick kam es zurück, solange das Herz noch pumpte, das ging noch, ich weiß nicht, halbe Minute oder Viertelminute, vielleicht nur zehn Sekunden.
Dann kam ein Zweiter, den sie mir schickten und ich sagte, wir müssen mal Platz haben hier, aber pass auf, bück dich, ja, ich nehme die Arme, du die Beine, auch ein alter Mann, 65, 70er Volkssturmleute. Und dann heben wir die auf und er wieder, und zack hier, der neue Kalache, so kurz hintereinander. Waren das jetzt Scharfschützen? Scharfschützen, Scharfschützen. Hast du Glück gehabt? Ich habe Glück gehabt. Ja, ich hatte ja das Maschinengewehr, also ich wäre, aber der hat ja die Leute, weiß ich nicht, im Visier gehabt oder was.
Ja, am Himmel pendelt, also ich weiß nicht, was für eine Höhe die schon die Leinen, Reißlein gezogen, dass Russen waren oder Deutsche, Fallschirme, vor dem blauen Himmel hin und her. Ja, und dann irgendwie, ich weiß jetzt nicht mehr, was alles war, dann haben wir dann auch noch gekämpft, die Stellung verteidigt, dann hieß es wieder eine neue Stellung ausgehoben da und so. Und dann hieß es hier, jetzt eine Ersatzarmee kommen, wurden lauter Gerüchte, ja, die Pappen-SS kommt und die haut euch raus und brennt. Es kam nichts.
Zwei Sturmgeschütze. Die waren vorne natürlich gut gepanzert, hatten auch gute Kanonen, aber von der Seite oder hinten angreifbar. Und ich hatte ja Wochenschau immer gesehen, Fox Tünde, und da ging ja die Infanterie so kallförmig hinter den Panzern hinterher. Aber die hatten einen scheiß Angst vor der russischen Pack, die nämlich durch die Panzer, die die Sturmgeschütze hatten, offensichtlich nach diesen Aussagen, es gab Pack, es gab, wir schlagen die Pack. Und die bringen sie aber ganz schön in Stellung. Ja, also wir mussten vorausgehen, wir waren vielleicht 500 Meter vor denen, vor einem Feld und Bauernhof.
Und der Russe hatte sich da zurückgezogen und wir gegenstoßen, hat er sich das. Ganz Horden von Kameraden, die dann da losmarschierten. Und dann plötzlich stießen wir auf so einen Bauernhof, so eine Kartoffelmiete, und ich will da auch wieder, weil wir Feuer kriegten, will anlegen und macht wieder diesen hier. Und ging nicht. So, naja. Und dann habe ich den Kopf so runter gehabt und plötzlich knallt das hier, das habe ich überhaupt nicht gemerkt. Das waren Querschläger von irgend so einem, da stand so ein Ackergerät oder was, so ein Eisen, abgeprallt und so ganz ausgefranstes Infanteriegeschoss, was hier reingegangen ist.
So, das war überhaupt das Knie, das war viel gefährlicher. Aber da muss so ein russischer Kommissar oder was gewesen sein, und wir waren da ganz nah dran, die haben sich ja erstmal schön versteckt und bedeckt gehalten und dann haben sie plötzlich volles Feuer auf uns eröffnet. Und da war dann, war das so, dass ich merkte, hier knallt das rein und das schwillt ja ganz schnell an, das Auge, das Rechte, war zu einem Blick, konnte ich ein bisschen was sehen, die Backe wurde dick. Aber sonst, naja, aber das hat der Kopf wahnsinnig weh und dann merkte ich, dass ich mit dem Bein unilaufen kann.
Also ging aber noch, aber tat also weh, aber ich konnte noch laufen. Und dann hat der natürlich, dieser junge Mann da, der im Geschütz zwei ursprünglich mit mir war, der war immer an meiner Seite und der hat dann die Chance wohl auch gesehen, dass er ein paar wegkommt, nachdem die Russen da niedergekämpft hatten, war so ein kleines Kommando nur, so sechs Mann, natürlich kriegten die dann ja die volle, die hauchten dann die Sturmgeschütze da ihre Salben da rein und so weiter, da war dann ja Ruhe. So, und dann nahm der mich so unter den Arm und dann sind wir bis auf eine Straße und auf dieser Straße, und ich hab ja nie sehr viel geraucht, ich hab ja immer meine Raucherrationen, da gab's mindestens, glaube ich, 20, 30 Zigaretten im Monat oder was, in dem Brotbeutel gehabt.
Und die hab ich hochgehalten und da kam so ein Jeep, so ein Meldefahrer oder was das war, und der sagt, die Straße ist bald, wir müssen die Straße hier, müssen dafür sorgen, dass die Straße freigehalten wird, die ist die einzige Verbindung nach Görlitz, die Russen sind schon drüben durchgebrochen, also auf der Ostseite, und wir kämpften ja im Westen. Und die ketten uns ein. Und ich sag, wir dürfen keinen mitnehmen und sonst, wir haben wichtigen Auftrag und so weiter. Ich sag, pass mal auf, du qualmst doch, Kollege, Kamerad, ne?
Und ich hab ihm die Zigaretten in die Hand gedrückt und sag, steck ein. Hauptverbandplatz Görlitz. Gut vorgesorgt. Ja. Ja, Glück muss man haben.
Abschnitt 4
Ja, dort angekommen, ein großer Schulhof und da lag also ein, viele hatten schon noch Pritschen und dann auch nicht nur noch vielleicht eine Decke, weil man ja auch dann sehr friert und so weiter. Und irgendwann ging das, also ein paar Stunden haben wir da irgendwie liegen, bis es dunkel wurde und irgendwo wurden wir da reingerufen. Und dann wiederum in so einem Warteraum, aber unter Dach schon wenigstens. Und dann kam man eben in einen Verbandsraum, wo aber auch gleich mal zehn Pritschen nebeneinander und Stühle und überall saßen und an allen wurde gearbeitet in irgendeiner Weise.
Und das war so, dass man auch sehr Angst hatte, weil ich sah, dass sie, also wenn einer so einen Splitter hatte hier so im Oberarm oder am Rücken, sehr viele so Granatsplitter, wo dann noch ein Stück rausguckte und sie hatten ja weniger dieses Narkosematerial oder sowas, wohl schon sehr knapp. Und ich habe zum Beispiel auch nie eine Tetanusspritze bekommen während der ganzen Zeit, ich weiß, die gab es halt dann auch schon nicht mehr. Aber ich kriegte eine Evipan-Spritze, aber vorher hat dann jemand hier das Auge angeleuchtet, weil es war ja alles zugeschwollen natürlich.
Hier kann man noch so eine kleine Narbe vielleicht sehen, wo das reinging. Das war ein 6 mm Pistolen-Dings da. Und dann hat er gesehen, dass das Auge noch Dings. Und ich sah, dass sie überall alles aufschneiden, die Wunden und dann Schläuche rein und Watte drüber und das dann zu machten mit Verband oder so. Und ich dachte, Mensch, wenn die jetzt wissen, ich merkte, dass da irgendwas drin im Kopf ist oder so und da hatte ich eine Zahn hier, alles weh. Da habe ich dann das nicht gesagt, denn ich schneide mir das ganze Gesicht auf, um da ranzukommen.
Und das wollte ich nicht so gerne, ein bisschen eitel war ich ja auch. Und dann hat er gesagt, dann war das wohl nur ein Streifschuss. Und dann haben sie mir eine Evipan-Spritze gegeben und dann habe ich dann beim ersten Verbandswechsel auch gesehen, dass das hier alles auch ein Schlauch drin war in der Wunde und dass da immer Eiter ausfloss und so weiter. Und das dauerte aber ein, zwei Tage. Dann wurden wir im, also der Zeretzesbein war dann geschient worden, damit dieses Bein still, der Knie still liegt, auch Fuß auch.
Und hier auch, also bis hierher, alles fest. Hatte mir auch einer erklärt, das wäre wichtig, weil wenn ein Gelenk entzündet ist, weil da irgendwas kaputt ist, werden die anderen Gelenke angesteckt, dann gibt es eine Sepsis oder sowas. Und dann sind wir verlegt worden. Das war auch in so einem Viehwagen bis nach Reichenberg, oder hieß es Reichenbach, glaube Reichenberg, in Sudetengau. Das war eine Haupt-, eine große Stadt. In ein Gymnasium und dann in eine Turnhalle, die daneben war. Wo auch, also sobald du gucken konntest, Betten und Tra-ra.
Und ja, und dann war natürlich so die ersten paar Nächte hat es einem ja ziemlich auch wehgetan, also irgendwelche Schmerztabletten oder sowas gab es ja auch nicht. Das war nicht so angenehm. Aber verpflegt wurden wir einigermaßen. Und dann plötzlich haben sie mich aus dieser Dings herausgeholt, in einen Operationssaal, da waren aber mindestens auch drei, vier solche Operationstische. Und da wurde umgesäbelt, dem einen haben sie Beine abgedingselt und gedingselt. Ich weiß nur noch ein Bild, da ist einer, der neben mir saß, plötzlich ging das Wasser eben ab, also der ein paar Narkose.
Und da schrie eine Ärztin, die dann am Arbeiten war, nach irgendeiner Krankenschwester, die aber nicht so schnell kam. Und dann hat sie den Penis zugedrückt, hier so lange, in den Arzt geklemmt mit ihrer Hand. Da wird eine Robustheit, ging die dann alles ran. Und dann wurde erst das Bein dann, naja, das ist ja auch nicht alles so schön anzusehen, was passiert jetzt mit mir. Und dann hat der hier Spritzen rein, also so eine ganz, ziemlich wie eine Stricknadel, und dann Alter abgezogen aus dem Knie. Das war schon eine Behandlung, die wahrscheinlich ohne Einwürgen des Buffesses nicht passiert wäre.
Ja, und dann wurde ich verlegt, gleich anschließend, in einen Raum, das war wie so ein kleines Lehrerzimmer. Da lagen so etwa vier Leute, keine Offiziere, aber alles solche, wie sagt man, so Zwölfener. Da wirst du, glaube ich, nochmal erwähnen, wie das dazu kam. Das haben wir, glaube ich, noch nicht besprochen. Ja, das wusste ich ja auch nicht. Dass du privilegiert wurdest. Das wusste ich doch nicht. Das habe ich doch erst von meiner Mutter erfahren. Deswegen kommt das noch. Das kommt noch. Und da ist dann, ja, einer hatte Gold, also solche Auszeichnungen und so.
Also irgendwie privilegierte Leute, alte Kämpfer und so weiter, jetzt da lagen, mit irgendwelchen anderen Gebrechen und dergleichen interessierten sich dann auch, weswegen ich da als Funke angestanden bin. Ich war der niedrigste Dienstgrad und in keiner Weise irgendwie dekoriert oder wie auch immer. Und die hatten ja ihre Uniform da auch aufgehängt oder sah man ja, das alle Lametta da und so. Und dann plötzlich kam also meine Mutter mit dem Rucksack am Dings und zwei Taschen und die Züge fuhren noch. Die ist dann bis nach Halbstadt, das war ein Umsteigen und dann ging es ein direkter Zug bis nach Reichenbach.
Weiß nicht, wie viele Stunden sie unterwegs war und hat mit dem Arzt gesprochen, Stabsarzt oder was auch immer. Und da hat der gesagt, ja, Frau, also, wir haben die ganz negativen Erfahrungen, eine Kniegelenksverletzung, ein tagelanger Transport in einem Viehwagen mit den Erschütterungen, mit dem, was es da gibt, alles dann wieder abladen und Transport durch LKW vielleicht, Krankenhaus oder wo es dann ist. Wir sollten verlegt werden nach Saaz. Da sagt der, wissen Sie, also, ich kann für nichts garantieren, Oberschenkel, Amputation, Knie ist kaputt und dann gibt es eine Sepsis, die sich auf andere Gelenke weiter, das Bein muss ab.
Was gibt es für Alternativen, hat sie gefragt. Ja, das Einzige, was Ihnen retten könnte, wäre ein Beckengips, das heißt vom Zeh bis hierher, hinten freigelassen und hier hätten Sie dann so eine Brücke aus Draht so rüber. Und ich wurde, da müssen Sie aber reden mit dem Gips an. Die haben schon hier zwölf Stunden, wie viel Arbeit hinter sich und ob die das noch können und da müssen Sie wohl, na ja, irgendwas tun und so weiter, das ist von denen abhängig. Ich kann das keinem befehlen oder anbieten. Ja und da ist sie dann da hin, da waren zwei ganz robuste Typen so und waren da am Arbeiten und dann ist das so ein wie so ein Fahrradsattel und ich wurde aufgehängt, also so das Bein in einer Linksschlinge und Kopf auch und saß nur so auf so einem Ding so und das hat ungefähr, ich schätze anderthalb bis zwei Stunden gedauert und dann hat der das immer, diese Gipse in Gips erbinden und auch ganz viel Watte reingepackt und hier im Lazarettzug nachher hat das hier gedrückt, hier unten und da war so ein Landser, weil es war ja noch ein bisschen weich, der sagt pass mal auf, ich drück dir das so hoch, dass das hier nicht mehr weh tut, das war ziemlich blöd.
Ja, da sind wir dann gefahren und ein Erlebnis noch in der Aussicht, das ist ja bekannt, große Stadt und da wurde ein Lebensmittel, also so ein Wehrmachtslager oder was geplündert, das muss ganz am Bahnhof gewesen sein und dann schleppten alle, wenn der Zug fuhr, hingen die Leute ja wie Trauben da ran, Landser und Zivilpersonen und dann haben die mir so eine Büchse, so eine lange, so groß und rund, die war aber zu, da wäre Kornettbier oder sowas ähnliches da drin, so eine Forstfleischbüchse, die Mutter hatte mich auch versorgt, ich hatte ja eigentlich was dabei, ich hatte es ja nicht nötig, das gleich zu essen, also mit Taschenmesser und mit allen möglichen Hilfsmitteln die Seiten versucht aufzureißen und gleich aufgefressen, aber nicht.
Und dann war nochmal eine Brücke, über die wir fuhren, bei Bodenbach, Brücke über die Elbe und das war am Vormittag des 8. Mai, ach so im Lazarett noch, die hatten ja ein Radio, das hatten wir an der Front nicht, das ist ganz schlimm, wenn du überhaupt nichts weißt, was los ist in Gesamtlage oder so, immer nur so Informationen, Glogau ist gefallen, das war Festung oder so, sprach sich so rum, wir fuhren dann auch, was da gebrannt hat, was das so hell war vorher schon, dass das Dresden war und so. Aber mir doch nichts Näheres.
Und jetzt war das so, dass die eben ein Radio da stehen hatten, so ein Art Volksempfänger und da kam noch die Hitler-Rede, das muss ja am 20. April, das weiß ich noch, hatte er Geburtstag, das haben wir in der Schule gelernt und das wurde ja auch immer gefeiert und dann hat er ja auch meistens eine Ansprache gehalten und ich weiß immer noch in Erinnerung, dass mein Vater am Mittagstisch war, gesagt hat, heute ist Kaisers Geburtstag, weil ich nie das Datum registriert habe, das war ihm auch in der Jugend so eingefleischt, dass er das nie vergessen konnte.
Und da hat der Hitler noch rum, der Endsieger und was für Truppen noch wieder mobilisiert und das Ersatzheer und dann wurde immer geredet von einer Division Wink, das sind ja so Leute, die Ukrainer und alles mögliche, was man da so eingesammelt hatte und ja, kurz und klein, also im Grunde war aber doch auch bei den Leuten, die also auch die älteren Herren da waren, die sich sehr vorsichtig ausgedrückt, aber doch schon auch ziemlich deprimiert und nicht mehr an den Endsieg so sehr geglaubt hatte, ich den Eindruck. So, ja, dann der Zug, der fuhr dann also sehr langsam weiter und eines Tages sagten sie, ja, da ist der Kommandant, der den Zug leitete, der ist abgehauen, das wäre ein SS-Typ gewesen und der hat ja auch diese Dings eingebrannt und es hätte sich ja rumgesprochen, wenn also der Russe jetzt uns überholt, nachdem auch schon Frieden war, dann wäre die Gefahr, dass man die alle gleich umbringt und so weiter und dann, also auch Waffen-SS und so, dann waren solche Leute, die also zu diesem Personal auch mitgehörten in irgendeiner Weise, also vielleicht das verwalteten oder was auch immer, das Sanitätspersonal war ja doch da geblieben.
Ja, und hauptsächlich waren es Lungensteckschüsse und die hatten alle einen Schlauch im Rücken und eine sogenannte Ente, das waren glaube ich acht Leute in diesem einen Viehwagen, so weich und so. Und jetzt ging es weiter, naja, in Bodenbach, da waren nochmal so Doppeldecker-Russische und die haben nochmal ein paar kleine Bomben runtergeschmissen und ein Waggon muss irgendwie getroffen worden sein und dann haben sie die Leute da, das war aber weiter von uns weg, waren ja mindestens, weiß ich wie viele Waggons so ein Güterzug hatte, 30, 40 Waggonmanners wohl, ja.
Ja, dann sind wir also weitergefahren und sind etwa, sagen wir mal, zwei Tagen in Saaz angekommen. Und da sollten wir ausgeladen werden und das war ein Reservelazarett, aber das ist dann, da haben die Tschechen sich verweigert, die Leute anzunehmen. Und dann haben sie die Lok ausgespannt und dann hat irgendeiner verhandelt von den Ärzten und haben sie dann gesagt, ja, hier können sie auch nicht stehen bleiben auf dem Bahnhof, das war ja ein bisschen größerer Ort, irgendwie in der Wallachei, ich weiß nicht mehr wie der es graf hieß, ich weiß nur, das war so ein Art Rangierbahnhof und da waren solche riesen, weißt du, wo man die Lokomotiven mit auffüllt, solche wie so ein Elefantenrohr, ja, sowas.
Na ja, und Wasser hatten sie nicht, da haben sie dann das Wasser, hat eine Schwester gesagt, das müsste aber abgekocht getrunken werden und man hat ja Durst und das war merkwürdigerweise tagsüber ziemlich heiß, nachts war es kalt, Anfang Mai, wenn der Zug fuhr, hingen ja die Leute so da und einer hat mal da gesessen und hat Läuse geknackt und mir das gezeigt. Ich sage, pass auf, wenn ich hier… Er hat gesagt, es passiert schon nichts, also Kleiderläuse. So, und ja, dann sind wir auf so einem Bahnhof, also mindestens so, nicht ganz 14 Tage gestanden und einiges Personal, die haben den Berg gesehen und hinter dem Berg, da sind schon die Amis.
Das war in Tschechien noch. In Tschechien, aber unterwegs, achso von der Fahrt muss ich noch sehen, große Überraschung, amerikanische Lastwagen, Mensch, Amis, die Amis sind hier, ja, Ford LKWs und so weiter, ja, und dann Panzer und rote Fahnen. Ja, die Russen, wir hatten also R von Amerika bekommen und da war natürlich die ziemlich Arsch und da hieß es aber dann schon in Karlsbad und das war nicht mehr weit, aber da müsste man über den Berg weg und wer irgendwie laufen konnte, hat versucht dorthin zu kommen, aber unterwegs sind die ausgeplündert worden und ein paar Sanitäter Leute, die hatten nur noch ein Unterhemd an und so weiter.
Portemonnaie und Uhr und was alles war. Also solche Horden waren das tschechische. Und sonst habe ich aber eigentlich die Tschechen dort in dem Ort, obwohl das ein tschechischer Ort war, also schon mit tschechischer Bevölkerung offensichtlich. Man sah das an den Aufschriften alles nur tschechisch. Die haben sich gar nicht um uns gekümmert. Und solange noch Leute da waren, dann haben sie immer einer nach dem anderen starb. Die kriegten ja auch immer mal, das wäre Arzt, noch mal ihnen eine Spritze reingehaut und das dann abgezogen hat, die etwas in der Lunge.
Und dann röchelten sie immer mehr. Dann starben drei, vier Leute. Für mich ein Vorteil, dass ich dann an die Dings ein besseres Rausgucken konnte. Direkt an die Tür habe ich jemanden reingezogen. Und dann sind wir irgendwann, dachte ich jetzt, also wir werden hier, die wollen, dass wir hier alle so allmählich sterben. Und es ist wenig Hoffnung. Es gab ja nichts zu fressen. Ich habe dann diese Büchse auch aufgemacht und dann, da brach ja keiner irgendwas an Verpflegung. Und dann haben eine Menge Leute von diesem Wasser unabgekochen getrunken.
Und da kam also Typhus und Diphtherie angeblich. Und da hat der Tscheche wohl Angst gekriegt, dass das eine solche Gefahr ist. Und da haben sie unseren Zug wieder in eine Lokomotive vorgespannt, denn er stand ja da ohne Lok. Und dann haben sie uns erst mal bis nach Komotau hineingezogen. Und das weiß ich noch, also Komotau, was da noch für Bomben gefallen sind oder so, das weiß ich nicht. Jedenfalls war der Zug, der ging immer, ich dachte, jetzt fällt das entweder links rein in den Granatrichter und jetzt fällt er in die rechte Seite, im Fußgängertempo, mindestens zehn Kilometer oder mehr, bis er in den Bahnhof war.
Und du glaubst nicht, auf diesem Bahnsteig, also in einer Höhe, wie vielleicht der untere Rand des Bildes, also natürlich unterschiedlich hoch, zusammengetrampelte Koffer und Klamotten und alles. Und da solche Gestalten wühlten da noch zwischenrum und suchten noch irgendwas. Das waren also Flüchtlinge, die haben sie alle rausgeschmissen, Komotau war auch tschechisch, tschechische Bevölkerung, alle rausgeschmissen aus den Zügen und ihnen alles abgenommen, was sie hatten. Und mancher hat wahrscheinlich die ersten, die gelandeten, die haben nur die Wertsachen oder die etwas wertvolleren Sachen mitgenommen.
Und nachher kam der Hinterletzte, der noch irgendein Hemd suchte oder ein paar Socken oder was da noch rumflog. Und da kam eine Ärztekommission, zwei oder drei tschechische Ärzte zusammen mit einer russischen Ärztin, so ganz kompakte Frau. Und ja, wurde also inspiziert, ob hier jemand ansteckend krank ist, fiebert oder wonach gefragt wurde. Mehr hatten wir nicht. Und ja, normale Verwundungen, das wurde gezeigt. Also da wollten sie nichts von uns wissen. Und die anderen haben sie alle rausgeholt und irgendwo da weggebracht, ich hoffe in ein Lazarett oder wie auch immer in Komotau.
Und dann ging der Zug weiter, nach längerer Zeit. Und wir kamen an in die Orgienstadt, das war später Wismut, weißt du, dieser Uranbergbau, ganz am Gipfel des Erzgebirges. Wollen wir eine Zäsur machen jetzt? Gut, und da hatten wir eine Küchenschwester, die war Schwäbin. Und die war noch dem Transport treu geblieben. Und die ist in das Dorf gerannt. Aber dieser Ort war übervölkert natürlich mit Ausgebombten, mit Flüchtlingen und so weiter. Und da hat sie gesagt, da steht ein Lazarettzug, die haben 14 Tage keine Verpflegung gehabt und so und so sieht es aus.
Und ja, da kamen Scharen von Leuten und einer reichte ein Ei rein und der nächste ein Stück Brot oder ein Appel oder irgendwas. Und man merkte, die Bevölkerung ist selbst bitterarm. Und es war auch nicht alleine die Selbstlosigkeit, sondern sie fragten, woher waren sie denn eingesetzt? Und ja, und mein Schwager, mein Mann, mein Dings und so weiter, ja, ob der noch lebt und wie Dings und was war denn los? Und also sie wollten wissen, ob nicht zufällig irgendjemand jemanden kennt oder überhaupt welcher Frontabschnitt das nun war, wo die Leute herkamen und dergleichen mehr.
Na ja, gut, das war's. Und dann kam immerhin, fuhren der Zug wieder weiter und eine Station nach der anderen hielt er. Und da war irgendwie doch noch ein Sanitätswagen, so ein sogenannter Sanker, die eben Leute, und zwar eben die wirklich schwer verwundet waren oder kurz vorm Abkratzen waren, aufluden und irgendwo in ein, fast jede Schule war ein Reserve-Lazarett, wurde kein Unterricht mehr gehalten, lagen Lanzer drinnen. Aber dann am Fuße, dann ging's runter bis Aue, Schwarzenberg oder so. Und dann sind wir rausgeladen worden in einer Schule und das war eben Reserve-Lazarett.
Und da war sogar ein Arzt, der war Chirurg und der stammte aus Waldenburg. Und ja, und nun war das so, dass dann zwei Assistenzärzte mit einem Fahrzeug, das diesem Lazarett gehörte, und ich weiß nicht wie viel Konserven und Abelmus oder was da noch war, mitgenommen haben, auch noch Verbandszeug und so weiter, und sind also Richtung Dresden oder ich weiß nicht wohin, so wurde gesagt, also die hätten alles Mögliche mitgehen lassen und dergleichen, das wäre also dann schlimm. Aber dieser Arzt, der aus Waldenburg war, der hat sich also eigentlich ganz rührend um uns gekümmert.
Bloß mit der Verpflegung war es halt ein bisschen schlecht. Also da kam jeden Morgen ein solches Brot für 16 Leute, die wir da saßen, und das wurde erst mal auf einen Tisch, und da gab es ja ein paar, die schon mit so einem Stuka, weißt du, so hier umgestützten Arm laufen konnten, und der eine, der rechts stand, der kriegte ein Messer in die Hand und dann wurde geteilt, dann wurde, zwei Millimeter weiter links, und wir sind ein bisschen geluxt, dass das alles mit rechten Dingen zuging, und dann wurde das Brot mitten durchgegangen, da waren acht hier und acht da, und nun wurden dann Scheiben geschnitten, die verjüngten sich ja dann irgendwo, und dann war ja manchmal ein Fünfmarkstück großer grüner Schimmel da drin, den haben wir auch noch gefressen oder teilweise.
So, und da haben wir dann bis Mittag da gedarbt, nachdem dieses Brot und ein Stück Margarine gab es wohl, und Kunst wohne ich wieder, und dann irgendwann kriegte ich also wahnsinnigen Durchfall und Fieber, da kriegte ich gar nichts mehr zu essen, nur noch Ablona, das ist so ein Zeug, ein künstliches, das soll den Darm wieder in Ordnung bringen, das musste ich also so lange essen, als der Durchfall sich gelegt hat, und Fieber runter und runter. Dann gab es hier nur noch Kameraden, die das dann auch weggebracht haben, dergleichen mehr.
Und mittags, wenn es zum Beispiel so eine, gab es ja noch eine Westfriesuppe oder was da, gab es vielleicht mal einen Nachschlag, den dritten, vierten Tag, und da wurden zwei Mann abgeordnet, die runtergingen, um in die Küche das zu holen. Aber da wurden drei Hinterhergeschickte, die auch da wurden, dass die nicht unterwegs alles weggelöffelt haben und so weiter. Na ja, kurz und klein, es kam dann ein Befehl, wir hätten uns als Gefangene der sechsten oder zehnten, ich weiß es nicht, amerikanischen Armee zu betrachten.
Haben wir uns betrachtet oder zu betrachten, haben sie auch nicht gebracht und hat sich auch kein Amüseum gelassen. Und es war dann, habe ich nachher, es ist hier ein von der Hain, so ein älterer Herr, so ein Kommunist im Grunde war, der hat ein Buch geschrieben über diese Entklave Schwarzenberg, wo eben keine Besatzung war. Aber in den Wäldern, da hatten sich nun Leute verkrochen, die also nichts Gutes zu erwarten hatten, weder von den Russen noch vom Ami noch von sonst wem. Und plötzlich hörten wir immer so wahnsinnige Schießerei mit Maschinen, und da hieß es dann von Leuten, die schon ein bisschen rumlaufen konnten mit ihrem Stucker, die haben das gesehen, da kam also ein Lastwagen nach dem anderen, amerikanische LKW mit Schwarzen drauf, Neger, nicht?
Und die ballerten, um sich Mut zu machen, wenn sie durch den Wald fuhren und dachten, jetzt würden die Deutschen wieder noch Waffen haben, sie überfallen, haben sie dann in die Luft geschossen. Und auf diesen LKWs waren zusammengefärbt lauter Zwangsarbeiter, die der Russe zurückforderte, weil sie zu ihrem Hoheitsgebiet gehörten. Na ja, und dann kam irgendwann der Tag, und das war so, ich glaube im Juno, wo die Potsdamer Konferenz stattfand, und das hieß, der Amerikaner geht aus Thüringen und Sachsen raus, und der Russe kam.
Und das weiß ich, dass dann die erzählten, also es wäre so ein Elendshaufen, und dass wir die nicht besiegt hatten, gab es immer noch so alte Kämpfer auch, die sagten, wie kann sowas passieren, wie kann so mit Pannewagen und so angelatscht, also wirklich so der hinterletzten Fußkranken der Völkerwanderung der russischen Armee, die da also dann Quartier nahmen in diesem Ort. Und da gab es dann auch eine russische Kommandantur, und wir hätten uns als Gefangene der russischen Sowjet-Armee oder was zu betrachten. Und da war dann tatsächlich einer, der nach Dresden entlassen wurde, und der wurde, weil er nun gesund war, jung war und kräftig war und ausgeheilt war nach Auffassung der Russen, gleich wieder eingefangen als Gefangener.
Und angeblich, wo sie ihn hingebracht haben, wissen wir nicht, aber wir nehmen an, gern Osten irgendwo, es suchten ja dann Zwangsarbeiter und so, naja, also Kriegsgefangene. Und das Schicksal war auch nicht so schön, aber dann kam mal etwas, und da kamen sogenannte Antifa-Leute, die hatten so eine weiße Armbände, und ich ahnte ja nichts Böses, und dann gingen sie rum und dann sagten, wer ist denn, also Berufe wurde abgefragt und so, wer ist denn Schüler gewesen, und ich habe Wirtschafts-Gymnasium-Klasse oder was, haben sie hier gefragt, und ob ich schon Abitur habe, auch nicht.
Dann haben sie gesagt, ja, man könnte Lehrer werden. Also da waren schon so, die haben gleich, es waren noch die Russen wohl nicht, doch, die Russen waren dann schon wohl da, und das waren also dann so Kommunisten oder Leute, die aus dem KZ rauskamen und die nun gleich auch in der Edition Lehrer, alle hatten sie angeblich alle entlassen, und mit zwei Mann ein Zimmer, das schien mir ja so wunderbarer Komfort, und da zu essen auch, und das Gewehr nur noch nicht so weit, aber ich müsste das, sollte das doch unterschreiben, dann würde ich Lehrer werden können.
Na ja, ich mache es doch, wenn meine Eltern, ob ich die mal wiedersehe, so was überhaupt. Und da kriegte ich also Literatur, wo sie das nun alles her hatten, Karl Marx und Rosa Luxemburg, und wer alles was geschrieben hatte, und Zeichnung von Käthe Kollwitz, wie arm die Menschen waren, und die Proletarier. So, nun hatten wir ja vereinbart, meine Eltern und ich, mein Vater war ja Teilhaber dieses Betriebs in Narischau, und die Firma hieß Ferdinand Voll, und das war in Sachsen, und da habe ich hingeschrieben an die Tochter des Kompagnons, die ist verstorben, aber ich wusste, der Vater ist mit der über Kreuz, die haben sich ganz sauböse Briefe geschrieben und dergleichen mehr, und dann habe ich von ihr aber einen Brief bekommen, das war immer so ein Brief, drei, vier Wochen unterwegs, ja, ich hatte sie gebeten, ich hatte kein Geld mehr, musste ihren Haar schneiden lassen, und ja, ob sie mir 100 Mark, würde sie mir leihen von ihrem Geld, und es wäre aber nicht angebracht, dass ich da hinkäme, denn es wäre bekannt, dass mein Vater als Parteimitglied, also ein Kapitalist wäre und Offizier wäre, und außerdem Krasiegameister wäre, also lauter Nazi-Ämter, also für mich absolut nicht ratsam.
Das heißt, sie wollte den Laden an sich bringen, jetzt absolut, obwohl das Kapital von der Größenordnung her meinem Vater mehr gehörte als dem anderen, aber der war ein sehr tüchtiger Druckfachmann, der Bartsch, der ist bald verstorben. So, nun, aber Annelore ist dann auch dorthin gekommen, die hat es mit einem polnischen LKW, den Fahrer haben sie bestochen mit irgendwelchem Dings, der Vater hatte übrigens noch gerettet seine Glashütter Uhr, so eine Taschenuhr, ich hatte auch eine geerbt, und die ist aber verloren gegangen, weil die Russen hatten zwischen Badezimmer und Schlafzimmer, war so ein Tresor, und der Vater hat uns mal gezeigt, dass er da auch solche Goldbahnen und Bahnen drin hatte, Platin und Silber, so, aber es war nicht mehr so viel, er hatte irgendwann, wurde schon 1938 eine Zwangsabgabe von Edelmetallen verfügt, und dann hat er die Degusser geschrieben, Deutsche Gilt- und Silberanstalt, weil diese von den Farben, die hatten Goldanteile drin und so weiter, einmal im Jahr wurde entsorgt, und dann hat er gesagt, zehn Jahre zurück, weil zehn Jahre ist ja die Pflicht, Bücher aufzubewahren, er kann posten, wenn die Antwort im Jahre so genau, haben sie so und so viel.
Haben Sie selber so einen Typ über Umdenkung? So hat der Vater sich überlegt, ob er das irgendwie sinnvoll verwenden kann. Wenn es also nicht zu Schmuck gemacht wird und privaten Nutzen, müsste es abgegeben werden. Wurde vielleicht auch bezahlt, das weiß ich nicht. Also es war jedenfalls ein Preis, der nicht sehr bedeutend war und er hätte es natürlich gern behalten. Und ich weiß noch, dann hat er alle Blitzableiter, die auf dem großen Fabrikschornstein, auf dem eigenen Privathaus und überhaupt auf sämtlichen Gebäuden waren, herunternehmen lassen, so einen nach dem anderen und die Spitze etwa und eine davon hatte er in seiner Nachttischschublade und hat die stolz uns gezeigt, dieses Platin.
Und Platin kann nicht oxidieren oder irgendwas und ergo würde das jeden Blitz anziehen und von den Gebäuden ableiten. Wir hatten ja sehr viel Blitz und Donner so in den Bergen. Ich zog immer hin und her, die Gewitter. Und da hat er also dieses Platin, glaube ich, verwendet und das Gold aber abgegeben und so. Und die Russen, zur Zeit meiner Eltern, die sind ja bis Trautenau geflohen und dann sind sie zurück zu Fuß, hatte ich schon berichtet, und meine Mutter sagte, ja, da sind sie runtergekommen in Raspinau. Da hatte er sein Rotwildrevier.
Und da hat die Mutter gesagt, nur guck mal, hier liegt alles so friedlich und ich sehe doch, die Leute leben doch, sagen wir mal, Tiere ja da noch und Leute rumlaufen, Zivilisten. Da ist bestimmt gar kein Russe bisher gewesen. Und dann haben sie dann eine Frau auf der Straße getroffen und sagen, sie wollten zu dem Wald, wer hat der Krause? Na, und dann waren sie ein alter Mann, der war schon 80, aber auch wenn wir Jagdgäste hatten und die hatten auch ihre Waffen, weil sie doch alle in den Zug fahren mussten, bei ihm da gelassen.
Und da hat sie dann gesagt, siehst du es nie, dann haben doch die Russen geschossen. Dann haben sie eine Sandgrube und einen Genickschuss verreißt und dann haben die Leute ihn… War das der Lache Krause? Der Lache Krause, ja. Naja, das kann ich auch nochmal erzählen. Also das haben wir ein bisschen verloren. Jetzt machen wir mal eine kurze Pause.
Teil 4
Abschnitt 1
Der Annelore ist erst mal bis nach Narnscher gefahren. Der Vater hatte ja da auch ein Büro und das war eingerichtet nur für ihn und so weiter. Und dann saß der da und konnte sie auch nächtigen, was er gemacht hat. Und dann ist sie weiter gefahren und das war ja mal geschafft ist mit einer Eisenbahn etwa 100 Kilometer. Das war schon sehr viel, weil die Züge also immer wieder nur stückweise fuhren und dann musste man ewig auf dem Bahnhof irgendwo warten bis der nächste fuhr, dann in die andere Richtung fuhr oder was auch immer.
Und dann ist sie bis zum Reserve bis nach Göttingen. In Göttingen lebte die Schwester der Mutter meiner Mutter, Tante Sophie. Sie hatte ein eigenes Haus, hatte auch noch einen Sohn, der bei ihr wohnte und der war ein bisschen Baller, aber sehr fleißig im Garten und hatte eine Bienenzucht mit Honig und so weiter. Und da hat sie dann und die hatte ja wieder einen, der war Buchhändler nach unserem Wissen in Gölennau. Und der Vater hat auch, weil er dieser Verwandtschaft was Gutes antun wollte, als Kreisjägermeister mit dem Geld der Jägerschaft, die dafür bestimmt hatten, eine Bibliothek angeschafft.
Und die Bücher kamen also direkt von den Verlagen stapelweise und ich habe mich als Kind darauf gestürzt, Sven Hedin, Flucht des großen Pferdes, so ein Forscher, der die Wüsten erkundet hat und mit dem Zugvögel nach Afrika und Riesenkarpatenhirsche und die Romantner Heide und Vogelkundgläser. Und ich habe mich ein bisschen dafür interessiert und dieses und jenes gelesen und es waren unendlich viele Schwarten, die aber bei uns alle mal abgeladen wurden und sollten irgendwo nach Badenburg gebracht werden. Dann sollte da eine Bibliothek eingerichtet werden für die Badenburger Jägerschaft.
Da hat die ja auch schon mal vorher so einen Tontaubenstand da mitgesponsert, mit anderen zusammen. Dann Annalore ist da hingekommen, war ein bisschen enttäuscht. Das war ein reiner, weißt du, wie so ein besserer Kiosk, Papier und Bleistifte und Kugelschreiber und so was. Kugelschreiber gab es ja noch nicht, also Federhalter, also Büromaterial, Schülermaterial und so was. Also ein Laden, ziemlich langer, schmaler Schlauch und da stand der drin. In Göttingen Sievert. Und der Mann war aber ganz so gut drauf und ist mit ihr in die Universitätsklinik Göttingen, die war Reserve-Lazarett.
Und dann hat sie eine Aufnahmebestätigung, Verlegung des Funker Hankel in das Reserve-Lazarett Göttingen. Also sie hat ja überhaupt über die Mauern erst erfahren, wo ich überhaupt bin. Und dann sagt sie, mit diesem Dings gehe ich jetzt, kam sie dann in das Lazarett und hat mit dem Arzt gesprochen. Der Arzt, dieser Waldenburger, der hatte auch einen Ehrgeiz, er war Chirurg. Und er hat mindestens vier bis fünf Mal mich auf den OP-Tisch gelegt, das Bein wieder aufgedreht und neuen Schlauch reingetan und das alterte immer.
Und hat diese Wunde neu versorgt und in dem Bericht, den er mir dann mitgegeben hatte in Richtung Göttingen, da stand drauf, Vorstoß führte in eine Abszesstasche, Splütter sitzt aber im Knie, konnte nicht getastet und das Gebrüll des Kniegelenks nicht kaputt machen. Ich ging dann schon, achso, deswegen, ich habe den angeschlägt, jedes Mal, wenn der zur Visite kam, hat er gesagt, Hübschen, das musst du aushalten, das sind 180 Gipsbinden, wo sollen wir die hernehmen? Und dann, also von Decke habe ich so einen Stock gehabt und wenn es noch dämmerig war, kamen schon die Wanzen, die sich runterfallen ließen.
Und dann habe ich versucht, die in den Nachttischen überall, waren Holznachttische, richtig primitive Dinger, da saßen sie in allen Ritzen und in dem Gips so dick Watte. Und ich hatte hohes Fieber, das hat die natürlich derartig aggressiv zur Vermehrung getrieben und ich habe immer nur eine Gasse gehabt, hier, dass sie hier rüber liefen, von dem, hier, da habe ich die geknackt, ne, Kleiderläuse. Ja, und das hat mir einer dann so ein Gärte mitgebracht, der schon laufen konnte und ich habe dann nachts immer gestolpert, also nachts, die Nächte waren furchtbar.
Und dann habe ich den Arzt angebettelt und eines Tages hat er gesagt, naja, haben sie den, den ist alles desinfiziert und dann das aufgeschnitten und das ganze Gips weg und das wieder noch mehr eine Schiene angelegt. Und dann musste er ruhig liegen, war ja gewöhnt ruhig zu liegen, war ja schon vier Monate, dass ich da im Gips lag, ne, und wenn das heute ein MRZ ist, würden sie ganz andere Methoden haben, lächerlich, gerade so ein lächerliches Bewechen, wenn man so will, im Vergleich zu den heutigen Möglichkeiten, aber damals, ja.
Und der hat es gut gemeint, ja und dann haben sie mich erstmal richtig von Kopf bis Fuß gebaschen und ich habe auch einen Bein, ich hatte ja Hornhäute, weißt du, unter den Füßen, das konnte ich ja nicht erreichen, aber dies hier. Und wenn ich, achso, hier lag einer, der war königlich preußischer Hofbäckermeister in Kreuzberg, USO, Oberschlesien. Und wenn der aufstand aus dem Bett, der muss ja dick gewesen sein, der Bauch fiel so und er konnte das Gemächte überhaupt nicht mehr sehen, weil die Bauch fallen. Ältere Herren, ne.
Ja und der war aber nett, der hat immer dann Kuchen gebacken, also die dollsten Torten und was da alles reinkommt und so weiter, die Fantasie angeregt. Wo hat der dann die Zutaten her? Der hatte doch das nur im Kopf, er hat mir erzählt, was war sein Deswegen, seine Intentionen und weswegen er nun königlich anerkannt war, ich weiß nicht was für ein König oder preußischer Fürst oder was, Hoflieferant geworden ist, weil er eben solch eine Wahnsinnskunst entwickelt hat als Konditor und das hat er dann immer dargestellt.
Und das war so, ja. Und dann war es aber nett, eine alte Dame, die kam jeden Sonntag, das aber nicht von Anfang an schon, sondern als ich da noch lag nach der Kirche mit zwei so dicken… Thüringer Klößen und Soße und ein ganz klein bisschen Fleisch und Sauerkraut oder Rotkraut oder was als Selbstgemüse. So, das brachte sie mir. Und das fand ich also auch ganz rührend. Und nachher, als ich dann schon auf Krücken ging und ging ganz steil den Berg hoch, da habe ich mich abgequält. Da habe ich mich… Hätten sie mir doch das Bein abgenommen.
Was glaubst du, wie Leute mit zwei… Die hatten doch diese Krücken wie jetzt, hier auch, die so gestützt. Und ich hatte so unterm Arm welche und habe mich so viel schwerfälliger bewegt mit dem kaputten Bein und der Schiene am Bein, als die jungen Leute, die das Bein nicht mehr hatten. Die sind sogar, da konntest du nachher welche Skifahren sehen und alles mit nur einem Bein. Also man ist ja flexibel als junger Mensch. Aber das fand ich also gar nicht so witzig im Grunde. Und dann konnte ich schon mal draußen sitzen auf dem Gesims vor dem Haus, vor dem Lazarett.
Und da kam auch eine Frau, eine Arbeiterfrau, und die sagte, sie wäre in der Magdeburger Börde gewesen zum Hamstern und sie hätte Pfannkuchen gebacken. Und ob sie mich denn dazu einladen könnte. Und ich muss auch sehr erbärmlich ausgesehen haben. Und dann bin ich dann mit ihr hin auf Brücken und habe das gegessen. Auch richtig so wie so ein Krokodil. Das muss jetzt drei Tage vorhalten. Und dann habe ich wieder gekotzt wie ein Reier. Das war viel zu fett, das Zeug. Ich habe das überhaupt nicht vertragen können. Das weiß man ja nicht.
Ich war so unvernünftig. Ich war ja nun 18 Jahre alt. Und dann kam also die Annelore. Und die hat dann mit dem Arzt verhandelt. Und der Arzt hat ihr ausgeschrieben, Wehrmachtfahrtscheine. Da sagt sie, Bahn ist das noch zu. Da sagt sie, Sie müssen auf die Kommandantur gehen. Und sie hatte dann noch so eine Ruhe, als Rote-Kreuz-Schwester sich angezogen. Die war ja auch wohl beim Roten Kreuz eingezogen gewesen. Oder als Hilfsschwester oder was auch immer. Und dann sind wir da auf diese russische Kommandantur und hat gesagt, der Krüppeling war nicht da.
Das war mindestens so ein Hauptmannsrang. Und das war ein ganz junger Leutnant. Und auch so ein bisschen eitel. Uniform, goldene Dings hier und so. Und dann hat er angefangen zu flirten. Und dann sagte er, Heimatland, dann können wir ja auch nicht auf meinen Krücken dazuhören, als ob ich überhaupt nur gar nichts könnte, für niemals gebrauchen wäre. So, und dann, ich könnte da nur geheilt werden, zu einer Universitätsklinik. Und dann sagte er, wo Göttingen? Zeigen, Landkarte. Das ist Amerika. Nein, ist nicht Amerika.
Nein, nix Amerika. So, und dann hat er stolz sein Papier genommen. Und das war ein Passierschein über alle Grenzen, von den Ländern oder was, Städte und Dings. Und Verlegung, Dings hat er vorgeschrieben. Alles andere war russisch. Und dann hatte er so diesen Hammer- und Sichelstern draufgesetzt. Und dann sagte er, hieh, fahren. Das war noch welcher Ort? Wo warst du dann die ganze Zeit? Das hieß Lauter. Und wir waren aber zwischendurch mal im Radium Bad Oberschlema in einer Turnhalle. Da hatten sie uns verlegt, weil sie die Schule wieder haben wollten oder sanieren wollten, und die Läuse und die Wanzen vertreiben wollten, ich weiß nicht was.
Und das war ganz sauber, aber auch wie eine riesen Turnhalle. Und da lag ich neben einem Ungarn. Und der hatte Paprika gehamstert. Oder im Krieg geklaut oder was. Und hat immer Paprika draufgegeben. Ich hab das Gefühl, er hat so viel Wanzen. Ja, also, der hat sich dann erzählt, dass ich ja nun immer hier mir die runtergerissen habe, die Hornhäute, und immer da drauf rumgekaut habe bis zum Mittagessen. Kriegt sich ja das schnell nicht kaputt. Aber irgendwie hast du das Gefühl, du isst was. Und das hab ich dann, als ich mich, als ich sie, das fand sie ganz furchtbar, die Mutter von der Gretel.
Na ja, gut und klar, Annenburg hat mich dann mitgenommen. Und ja, wir machen mal eine kurze Pause.
Abschnitt 2
Die Annelore war in irgendeinem Internat zusammen mit der Ulla Schuster und der Schuster war Inhaber des Hotel Monopol, erster Haus am Platz, wo auch Hitler gewohnt hat und mein Vater auch immer gewohnt hat. Und der Schuster kam auch, wenn wir dann Mittag aßen, immer an den Tisch und erkundigte sich persönlich nach dem Befinden. Also wir waren so befreundet, kann man nicht sagen, aber weil die Töchter eben zusammen im Internat waren, war das ein Gesprächsthema. In welcher Stadt? In Breslau. Ja, und diese Ulla Schuster hatte der Annelore einen Brief mitgegeben und hat gesagt, der Erfurter Hof in Erfurt.
Das war die erste Station, wo wir absteigen sollten und konnten. So, jetzt aber noch der Weg dahin. Also die Züge so überfüllt, mit den Krücken und dem Gepäck, was wir nur noch mit uns schleppten, den Rucksack und so weiter und überhaupt kaum uns bewegen konnten. Und da hatten sie dann natürlich nicht mehr schön, hier Teil für Kriegsversehrte oder sowas, sondern für Körperbehinderte. Und das war ja nachweislich. Und da kam die Antifa-Polizei auch wieder mit weißen Armbinden. Die haben einen ganzen Waggon rausgeprügelt, wo ständig die Leute und die Annelore und ich, wir konnten da ganz alleine drin Platz nehmen, Waggonplatz, ein Abteil.
Und dann immer, wenn der Zug irgendwo hielt oder auch auf dem Bahnsteig schon, wo wir umstiegen, ich weiß nicht, wie oft wir umgestiegen sind, kam irgendein Kind mit einem Apfel in der Hand oder einer mit einem Marktstück oder auch fünf Mark oder mit einem Brot irgendwo. Aber immer gleich mit der Frage, wo kommen sie denn her und wo waren sie zuletzt und wo waren sie eingesetzt und so weiter. Also die schickten immer die Kinder voraus, dann kamen die Eltern, beflissen, aber etwas zurückhaltender, das dahinter zu und so weiter.
Also dann bin ich mich dann nach Erfurt. Ja, wie sind wir da hingekommen? Auch wieder gestiefelt vom Bahnhof. Und der Erfurter Hof ist ja berühmt geworden durch die adenauersche Ansprache dort, wo sie alles abgesperrt hatten und trotzdem sind Leute da ein, wir haben den bejubelten Brand zum Armer. Das war russische Kommandantur, das waren nur Leute mit solch dicken goldenen Geschichten. Und wir, die Anne Lohr ist da rein, ich habe erst mal draußen gestanden, ich denke, Mensch, wenn die jetzt mich sehen und winken, dann nehmen die mich wieder gefangen oder kriegst du ja Angst.
Riesen Lautsprecher auf dem Platz davor und Transparente, die Hitler kommen und gehen, aber das deutsche Volk wird überleben. Also so ungefähr ein Widermut machen wollen und dass man sich eben auch diesem System unterwirft. Und die Russen, also die Anne Lohr ist da rein, hat mit dieser Tante von der Ulla, die hat den Brief gezeigt, dann sagt sie, ja, guten Dienstmädchen, und kann der nämlich, der Fahrstuhl ist doch kaputt. Und wir haben ja die Amerikaner hier gehabt und jetzt haben wir die Russen und uns gehört ja nichts mehr, aber wir müssen noch hier tätig werden, sonst ist ja keiner da, der die wirtet und so.
Und stell dir mal vor, ich bin da nun mit dem Ding, heute unvorstellbar, ich hätte ja eine Bombe haben können und den ganzen Laden in die Luft sprengen, mich hat keiner angehalten, keiner angeguckt, keiner irgendwas befürchtet oder irgendwie gesagt, da darf doch kein deutscher Soldat wohnen oder wie auch immer. Und hat uns den Weg dahin gezeigt und dann hat sie uns auch noch was zu essen gegeben, am anderen Morgen sind wir dann los spaziert. Und die nächste Station war auch wieder eine Mitschülerin, der Vater einer Mitschülerin in Bad Blankenburg in Thüringen.
Und das waren auch sehr nette Leute und da haben wir auch wieder ein Nachtquartier gemacht. Und dann mussten wir, ja, und da war noch ein Paket, eine Kiste oder was, ein Koffer, wir haben ihn noch, da steht Annelore Hanke drauf, den hatten die Eltern noch verpackt und dorthin geschickt, dann ist es weit genug im Westen. Und zwei Sachen haben sie abgeschickt, aber der Spediteur das zweite Mal ist ja nie wiedergekommen, hat sich das quittieren lassen, sagt, ich komme gleich wieder und dann war schon die Kapitulation und da hat sich die Bäsche oder was da alles drin war und Silberner Leuchter und all das Zeug, irgendwie war alles nicht mehr da.
Aber dieser eine Koffer, den haben wir, steht bei der Nele im Zimmer. Und den haben wir aber natürlich stehen lassen müssen, wir konnten das ja nicht tragen. So und dann gab es also ein Übergangslager Ahrenshoßen, da musste jeder, der nach dem Westen wollte, 14 Tage sollte er da ausharren, so in Quarantäne, sie suchten immer noch nach Nazi-Verbrechern und so weiter und so fort. Und ich weiß nicht welcher Trick, da hieß es, da fährt morgens früh ein Arbeiterzug und dann sind wir dort den mit bis nach, also ziemlich nah an die Grenze und dann über die Grenze.
Und da war ein Schlagbaum und dann, nee, da ging ein Vierer rein, durften die Leute antreten und immer, wenn du liefst, dann kriegtest du einen Handwagen oder irgendein Gepäckstück zwischen die Knie geschwommen oder wenn du standst, dann, wenn du standst, wenn du liefst, dann, also es war ja immer wahnsinnig blöd, mindestens ein Weg von vielleicht fünf Kilometer, aber wir waren ja motiviert, rüberzukommen. Und dann waren Russen zwei mit MP, einer rechts, einer links und die wollten den, so ein Passierschein, der muss von diesem Durchgangslager abgestempelt werden müssen, hatten er nicht.
Und dann hat die Annelore, hab ich dann auf sie gezeigt, sie ist vorneweg, sie hätte das so, weil ich konnte ja nichts tragen und dann haben sie mich durchgelassen und sie war dann auch durch und dann waren wir beim Engländer und der Engländer genau mit Lautsprechern, wollten auch diesen Passierschein sehen und wir konnten ja ein bisschen Englisch, haben uns dann verstanden und die waren ja aber, sind jetzt nach Fredland. Ja, ich weiß noch, da war so wie so ein Schneesturm, das war ja ein Ding, also so plötzlich so nasser Schnee runter und da war dann noch so ein Sieb, weißt du, wo man so die Sand durchschneidet, den hat dann so ein Engländer vor mich hingestellt und eine Zeltplane drüber gehängt, damit ich dann noch da ein bisschen geschützt war und so und sie waren eigentlich sehr fürsorglich.
Und dann kam ein englischer Sanker und die fuhren uns nach Fredland. Das war so, dass das Lager, das waren nur Baracken zunächst und dann solche Bretter, weißt du, so auf Ziegelsteinen, denn wenn du da rechts oder links daneben getreten wärst, wärst du fast versunken, so Matsch und Moor und durchtränktes Gelände war das. In welchem Monat war das Ganze ungefähr? Das war Dezember 1945. Und dann sind wir, bitte? Ja, wir laufen ja warm, ich kann mich nicht besinnen, dass mich unterwegs gefreut hätte oder so. Wahnsinn, die Lautsprecher, die da ewig rumplärt und sowas alles.
Kurz und klein, wir sind dann in das Friedländer Lager und da kam einer mit so einer großen Dings, der hat so DDT überall reingefügt. Und alle, die da saßen, wo ich war, das war unangenehm, das einzuatmen. Die waren damals ja nicht so pingelig. Und da kam ein englisches, gestand ja unter englischer, also das ganze Lager war von den Engländern eingerichtet und die hatten auch das da in der Kommandur gehabt und dann hieß es, wo wir hinwollen. Dann haben wir diesen Schein vorgezeigt, was wir da in der Hand hatten und übrigens diese Wehrmachtsfahrscheine, die galten auch überall für beide.
Wo wurde die Zug finanziert, wusste kein Mensch, aber wir fuhren da und alle anderen auch wahrscheinlich. So, kurz und klein, wir sind dann nach Göttingen direkt in das Reservelazarett Göttingen. Nicht mal. Ich kann mich nicht gesünder schlafen, das muss wohl am selben Abend noch gewesen sein. Ja, und das war ein Riesensaal, also so auch, na gut, vielleicht so 15 Leute. Neben mir lag einer, der war ganz heiß, schlecht dran, ganz im Gesicht kaputt, der muss auf eine Mine gelaufen sein, erzählte er auch, und beide Hände weg.
Und dann kamen immer Studenten, die machten sogenannte Grundumsatzversuche. Das heißt, wenn du ganz still liegst und wann war die letzte Mahlzeit und was auch, das Vergnügen war nicht üppig, aber vielleicht so neben herrlichen, so dicke Erbsen, so wie sie im Teller gegessen haben. Kurz und klein, das war so, dass es angenehm war und dann wurde man untersucht und dann haben sie natürlich auch geröntgt und dann haben sie hier ein Kreuz gemacht und hier, und das heißt das Knie direkt, die müssen ins Knie rein. Und dann kam einer mal, achso, da kamen immer englische Stabsärzte, ja, Funke Hanke am Ding und englischer Gefangener.
Also ich war zuerst amerikanischer Gefangener, dann russischer und jetzt englischer. Wollen wir auch nicht entlassen. Und da herrschte Disziplin, Haltung einnehmen, muss ich sagen, was für eine Krankheit das ist und so weiter. Und der Engelmann, ja, und jedes Mal, wenn so ein Hörer kam, es war ja alles voll, die Lanze hatten ja alle irgendwelche Klamotten oder irgendwelche Gepäckstücke und so weiter unter dem Bett, neben dem Bett, an den Fenstern und alles. Und wenn einer kam, so ein englischer Häuptling da, so ein Oberarzt oder was das war, vielleicht Tage, da musste alles abgeräumt werden und wurde draußen auf die Balkone.
Und wenn es natürlich geregnet hat, war das alles nass geworden. Die wollten immer diesen Viren und diesen Eindruck machen. Und eine OP, Mensch, nicht mit Ding und Chloroform einatmen, ist wirklich unangenehm. Oder Äther einatmen, nicht wie das in den Links, sondern jetzt. Ich sah das ja gar nicht. Achso, vorher noch haben sie einen Versuch gemacht. Sie haben mir das auch erklärt. Sie haben gesagt, es besteht eine Möglichkeit, deutsche Erfindung, Telefunken stand drauf, so ein Gerät und eine Sonde mit so ein bisschen Verdickung und einem ganz elastischen Draht, der aber steif war.
Und den haben sie hier über örtliche Betäubung in den Schusskanal rein, das ist ja etwas über dem Knie gewesen. Ich habe ja gelegen und es ist so ein Querschläger gewesen. Und dann haben sie das so rein und dann wie ein Volksempfänger, wo du so die Rückkopplung, wenn du aufgedreht hast, die Töne wurden immer höher, wenn er an das Metall kam. Und dann hatten sie noch zwei, drei Kopfverletzte, das ist ja noch wichtiger, dass man das Gehirn nicht kaputt macht, dass man also auch diese Geschossbahnen verfolgen kann. Und Geschossbahnen sind ja häufig sehr, nicht geradlinig.
Und dann brauchten sie, um das den Engländern vorzuführen, wie weit die deutsche Medizin ist, was sie können, was sie leisten. Und das war natürlich dann ein renommierter Professor, wahrscheinlich im Hörsaal, ob da Studenten gewiss sind, ich weiß es nicht. Ich wurde vorher erstmal völlig, was ja auch sonst da nicht üblich war, heute selbstverständlich, dass sie dich ausziehen, dass du dir ein Gittel, der steril ist, überziehen und das alles genau kennzeichnen, abrasieren, was so läuft. So, und dann bin ich da operiert worden und das ist gelungen.
Und dann habe ich gesagt, dann habe ich hier noch gemerkt, dass sie so hoch gleich gemacht haben. Hatte ich beide Geschosse, haben nach dem Nachttisch, irgendwo habe ich sie dann verwendet. Wir wurden dann nach drei, vier Wochen in eine Herbertstraße, auch eine ehemalige Schule, Reserveleitzahl, also zur Genesung. Da kam nochmal irgendwie was, dass sich wieder was entzündet hatte, dass hier so Splitter rauskamen, noch so kleine Eisenstücke und so weiter. Ich weiß noch, dass ich das, heute würde man Leute in einem Krankenwagen, ich habe im Bus so gestanden und Schmerzen gehabt und mich hinsetzen können und so weiter.
Aber das war alles, man war ja damals auch abgeharrtet, kurz und klein. Das ist meine Sache gewesen. Und nachher wurde ich verlegt nach Lauterberg im Harz in ehemalige Kneippsanatorium. Natürlich, die wollten das wieder haben, aber darin saß ein Reserveleitzahl aus Schlesien, aus, da fällt mir noch ein, der Ort Goldberg im Schlesien, mit einem Wahnsinnsstab an Leuten, Krankenschwestern, Ärzten, einer, die Heilgymnastik gemacht hat, also das Bein ist steif, das kriegst du ja nicht, das Bein so weit rummachen wieder, also weiter ging es dann nicht, aber immerhin.
Und da wurde man doch recht gut behandelt. Ja, und dann hatten wir Fragen, nur wenn eine Kommission kam, und sie ist der Adenauer, fährt rüber oder war schon drüben in Moskau und der will deutsche Kriegsgefangene freikaufen oder freischaufeln, also sich da bemühen. Und dann kommen so und so viele und deswegen muss das aufrechterhalten werden. Und dann haben sie gekämpft mit der Kurverwaltung, die das Ding natürlich wieder haben wollte, und dann war man ein Stück ausgestattet, außerdem englische Besatzung. Was mich immer aufgeregt hat, dass Leute, die in Krücken liefen, die haben der Armee da eine Kippe hingeschmissen, die Armee nicht, die Engländer, und da haben die sich demütig gebückt, um die aufzuheben.
Naja, ich hatte mir dann auch ein Mädchen, das war eine Förstertochter da, und da war ein Teich, da ein schöner See, da sind wir dann geschwommen und so weiter und alles mögliche. Und dann war es so niedlich, da stand neben mir ein richtiger, ganz biederer Mann, der war Schuhmacher aus Gottesberg-Schlesien, höchste Stadt Schlesien, sehr schöne Stadt. Und dann habe ich dann nur erzählt, wie das schön war da am Wasser, ich meine, wir haben so ein bisschen rumgekincht und so, und dann habe ich ihm das erzählt und dann sagte er, sag mal ehrlich, ist da dann weiter am Gansang gekincht, ist schon einmal einer abgegangen?
Ja, war natürlich schon der Fall, ne? Aber dass so einer sowas fragen kann, fand ich damals unerhört. Na ja, Verpflegung war so auch im Vergleich zum Osten war nicht üppig, natürlich nicht, auch Suppen hauptsächlich und so Zeug, ne? Und dann brachte mir auch diese, kann brachte immer schöne Schnitten mit, die Tante da, Heidi, ist sie, ne? Frau Roste Heidi da, ein bisschen Bild von der, nettes Mädchen. Das war dann deine erste Freundin? Ja, ich habe dann noch eine kennengelernt, die hatte schon ein Kind und die wohnte in einer Baracke und stammte auch aus Oberschlesien, schwarzhaarig, ein bisschen dunklere Hauttönung, vielmehr sehr gut, aber das Gör hat mich nicht akzeptiert.
Und die hatte mir, da bin ich das erste Mal überhaupt geschlechtlich, die hatte ja nur Erfahrung, und die war ein paar Jahre älter als ich, na ja, das war auch sehr schön. Also das war eine schöne Zeit, ne? Und dann habe ich da bis 1947, da hatte dann, achso, Knipping hießen die Leute, das war die Tochter eines Konsuls, spanischen Generalkonsuls, eine geborene Deserteurs, mit der war meine Mutter in Hannover in irgendeinem Internat, höhere Töchterschule oder was auch immer. Und die waren ausgebombt und kamen zu uns, kriegten da ein Häuschen, was der Vater gebaut hatte für den Kompagnon, Gärtnerwohnung war da auch nebenbei und da war Zentralheizung von der Firma und war ein Bassan, alles hat einen einigen Komfort.
Und war das 1943? 1943 schon, glaube ich, die haben zwei Jahre etwa da gelebt. Und der Schwiegersohn war Oberstleutnant, der Sohn selber ist gefallen, der Arndt, und der Mann von ihr, von dieser Freundin meiner Mutter, war in Henningsdorf ursprünglich tätig als Diplomingenieur Dr. Ing. Stahlwerkbauer und so weiter. Und der war nachher tätig, nein, vor dem, das muss ja vorher schon gewesen sein, in Russland, hat für den Stalin Stahlwerke gebaut. Und nachher, die stammte ja aus Spanien, war er in Spanien und baute für Franco Stahlwerke.
Und das war eine renommierte Familie, die waren auch eng befreundet mit dem damaligen Siemens-Direktor für ganz Spanien, der Oberste von der Firma Siemens. 1953 war ich sechs Wochen da drüben. Jedenfalls, ich kriegte diese Lehrstelle, Lehrstelle war es noch nicht, sondern erst mal als Volontär eingestellt beim Elektrizitätswerk ERM, Elektrizitätsaktiengesellschaft Mitteldeutschland. Der Vater des Schwiegersohns, der Tochter, die Rotknippingen, die in Schlesien auch ein Kind geboren hat, hieß Obermann und war Generaldirektor der ERM Kassel, ganz Hessen, weitgehend und Teil von Niedersachsen.
Elektrizitätsversorger. Da hat Anne-Laura da ein bisschen mitgewirkt, dass du die… Nein, Anne-Laura hatte da keine Aktien drin. Anne-Laura war beim Engländer erst mal, aber es ging ja schon irgendwie Brüste oder was auch immer. Jedenfalls, die Knipping war draußen, die sind ja rechtzeitig abgehauen nach Schlesien und die fühlte uns natürlich auch, sich uns verpflichtet. Und dieser Mann, dem haben sie auf der Autobahn zwischen Göttingen und Kassel, bei einem Tieffliegerangriff, beide Beine verloren. Jetzt hast du einen Rollstuhl.
Trotzdem noch Unternehmen. Und der hat natürlich gegen den Betriebsrat, der rot war, dass so ein Kapitalistensohn jetzt da eine Lehrstelle kriegt, die Lehrstellen waren alle vergeben, es waren Quoten und alle anderen hatten auch schon Schuhe an, die haben so Bezugsscheine, die auch der Betriebsrat ausstellte und wo sogar ein Stück Eisen drauf fallen konnte, also so feste Schuhe, kriegte ich alle abonniert. Jedenfalls wurde es dann nach einem halben Jahr in eine Lehrstelle umgewandelt. Die Bezeichnung hieß Elektrowerker.
Das heißt, das war so Eisenerzieht erst mal ein halbes Jahr, da hatten sie so alte Dough-Geräte und so Zeug, was man auseinandernehmen musste und dann eigentlich sehr vielseitige Ausbildung. Wir mussten ja auch vieles noch selber machen. Also diese Sammelschienen in den Verteilungen, in den Transformatorenhäuschen, waren Kupfer und das musste verzinkt werden. Also mit so Dings und das muss ganz genau, wenn die Temperatur zu hoch ist, dann klappt es nicht und so das alles. Dann Installationen auch, ja natürlich, bei Betriebsangehörigen und allen möglichen Leuten und Baustellen.
Das Schönste war die Molkerei. Da hatte ich noch ein Lehrgesellen mit und ich musste, da war alles gefließt und die kriegten aber zwei neue Maschinen. Auch schon, war noch vor der Währungsreform. Da war so ein kleines Zelt, da konntest du durchschauen und da war so ein Berg mit Butter, da haben wir uns richtig dran aufgegeilt. Und dann war so ein Ding, da war Milch drin und er hatte eine Milchkanne für seine Frau, die auch eine Milchkanne mit, die verschließbar ist und ich musste immer Material holen. Dann fuhr ich immer zu seiner Frau eine Kanne und eine Kanne gab ich bei meiner Mutter ab.
Und so war das. Und da krieg ich auch eine Botate. Und ich habe auf keiner Baustelle so viele Vorgesetzte gesehen, also so Meister oder sogar ein Ingenieur kam, das gut achten, was wir da machen. Und dann gab es ja noch keine Bohrmaschine, du musstest diese Fliesen, weißt du, mit so einem kleinen Ding und dann Abstand schälen und alles toll machen. Na ja, das hatte ich ja dann auch gelernt. Und Hausanschlüsse. Dann Peilleitung und alles Mögliche. Damals habe ich mir alle Augenbrauen abgebrannt, um eine Muffe zu machen.
Aber da waren Bombensplitter, die prassten sich allmählich in die Kabel durch. Dann wurde das aufgegraben und dann wurde festgestellt, hier muss das Kabel ein Stück neu zwischengesetzt werden. Da wurde ein Ofen beheizt mit Mastenholz, was auch noch so imprägniert war mit Bescheid. Das war ein bisschen wie ein Teerstank und das brannte nicht ordentlich. Dann habe ich gedacht, das brennt überhaupt nicht mehr. Dann habe ich da noch mal Benzin drüber geschüttet. Solche Sachen. Aber gelernt habe ich da ein bisschen was.
Damals natürlich, das kannst du heute als Elektronik gar nicht mehr, es gab noch keine Leuchtstofflampen und alles nichts. Aber ein bisschen kann ich also immer noch elektrisch was machen. Das ist ja auch nicht verkehrt. Die haben sogar Schweißen gelernt, Autogen, elektrisch, alles mögliche. Ich könnte es heute nicht mehr löten, auf jeden Fall. Wenn du denkst, so eine Kandelaber, also diese Straßenbeleuchtung, die musste irgendwo geschaltet werden. Da war aber kein Loch drin. Da mussten wir das ausfräsen, aber alles mit der Hand.
Auspfeilen, ausbohren, mit dem Bohrer lauter Löcher machen. Oder dann auch in der Drehbank mussten wir arbeiten können und so weiter. Dann ein Schalter da einbohren, damit man schalten konnte. Und wie primitiv denkt man, die Straßenbeleuchtung in Göttingen, der über die Wehnerstraße, das war die Hauptverkehrsader durch die Stadt, am Gänselieselbrunnen vorbei, am Markt vorbei und der Uni vorbei. Und da musste einer stehen und musste mit einer Kurbel diese Lampe runterleiern. Das waren Kohlestäbe, zwei Stück, und darunter eine Glaskuppel.
Die Glaskuppel musste abgenommen werden, aller Vorsicht. Verkehr wurde gesperrt. Solange, das dauerte mindestens 20 Minuten, dann wurden neue Kohlestäbe eingesetzt, dann wurde die Glas sauber gemacht, wieder festgeschraubt und dann wurde das wieder hochgefahren. So war damals noch die Technik. Sie hatten sogar Verkehrsmittel, sogenannte Trolleybusse, die auch elektrisch fahren, aber die mussten Gleichstrom haben. Und Gleichstrom hatten wir sogar solche Glaskolben, das konntest du alles im HEW-Museum noch besichtigen.
Quecksilberdampf wurde verdampft und daraus wurde dann aus Wechselstrom Gleichstrom. Drei nebeneinander, eine in einer Station, und damit wurden diese Trolleybusleitungen versorgt. Und alles und Zeug, alles recht vielseitig. Einmal habe ich eine Röhre durchgeknallt von irgendeinem Häuptling, der sein Radioapparat abgegeben hatte. Der musste erst mal entstaubt werden mit Pressluft. Und dann wurden die Röhren rausgerissen, wurden alle durchgemessen. Und ich hatte irgendwie was da, Gitterröhren, die kosteten 10 Mark von meinem Lähmingsgehalt zahlen müssen.
Ich hatte im dritten Lehrjahr 35 Mark bekommen. Naja, das war die Leerzeit.
Abschnitt 3
Also ich war schon Lehrling, als meine Eltern kamen, 1947 kamen sie raus, relativ spät. Und sie wohnten zunächst mal dann bei dieser Tante Sophie. Und das war eine Erdgeschosswohnung. Und unter der Erdgeschosswohnung war nicht unterkellert, es war so ein richtiges Hohlraum unter diesem Zimmer, wo auch noch so Holz gestapelt werden konnte, es war also abartig fußkalt. Und auf diesem Buffet, was da stand, war ursprünglich wohl ein Essraum, lag ein zusammengerollter Teppichbalken, der war kein echter. Aber dann haben wir gefragt, ob man den nicht mal ausleihen könnte.
Na, der ladet. Da haben die Eltern gesagt, ja, wir ziehen uns doch die Schuhe aber aus und so weiter. Hat sie nicht gedulden. Und dann weiß ich noch, dass die Leute stundenlang im Dunkeln saßen, bis sie überhaupt die Licht, die sich selber nicht mehr sehen konnten. Das war die Dämmerstunde, denn der Strom war ja knapp, der wurde zugeteilt. Und dann ist mir Folgendes passiert, während der Lehre, da waren meine Eltern schon da. Ich habe gewohnt, die Hauptverwaltung in Göttingen, das war direkt neben dem Bahnhof, hatte einen Keller.
Und in diesem Keller wohnte ein Lehrling bereits und dann haben sie gefragt, ja, wenn der, der war auch Heimatvertriebener oder so was oder Flüchtling damals, ob ich da mit reinziehen könnte. Der war älter, war schon gesellig, ich weiß es jetzt nicht. Der hat dann immer Kohlen, Koks, ich konnte ja mit Koks gar nichts anfangen, Koks geklaut, mit der dieses Gebäude beheizt wurde. Sich da in den Keller nebenan geschlichen und ich musste aber Schmierestehen, um zu sehen, weil mal einer rumging von den Leuten, die in der Schaltwarte saßen, hatte jeder mal die Aufgabe, weil ja viel geklaut wurde, ganze Kohlenzüge abgerannt.
So, und da ist er erwischt worden. Und ich war natürlich mit dran. Ich war ja Mitwisser und Mithälfer. Und da war…
